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Wirtschaftsuni: „Wir haben mehrfach Pech“

WU-Rektorin Edeltraud Hanappi-Egger.
WU-Rektorin Edeltraud Hanappi-Egger.(c) Stanislav Jenis
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Die WU ist nicht glücklich mit der Formel, über die das neue Budget berechnet wird. Sie hofft noch auf Geld aus Verhandlungen. In Wirtschaftsrecht soll es deutlich weniger Anfänger geben – das birgt das Risiko einer Verdrängung.

Wien. In wenigen Wochen erwarten die Unis eine erste Einschätzung des Wissenschaftsressorts, wie in sechs Monaten ihr Budget aussehen könnte – und zwar erstmals nach dem neuen Finanzierungsmodell. Dem dürften einige Diskussionen folgen. „Die Studienplatzfinanzierung ist prinzipiell eine wichtige Wende und ein Meilenstein“, sagt WU-Rektorin Edeltraud Hanappi-Egger. „Wir sind allerdings nicht glücklich mit der konkreten Umsetzung.“

Der allergrößte Teil des Budgets wird künftig nach einer Formel vergeben. In der Lehre sieht das grob gesagt so aus: Die Zahl der prüfungsaktiven Studenten wird mit dem Betrag multipliziert, den es für einen Platz pro Fächergruppe (von eins bis sieben, von billigen bis teuren) gibt. In der Forschung gibt es grob gesagt Geld pro Forscher – auch hier wieder je nach Fächergruppe. Obwohl es für das neue Modell über alle Hochschulen hinweg 510 Millionen Euro mehr Uni-Budget gibt – mit denen laut Wissenschaftsminister Heinz Faßmann (ÖVP) 500 neue Professuren finanziert werden sollen –, fürchtet die WU, dass sie nicht gut abschneidet. „Wir haben mehrfach Pech“, sagt die Rektorin: Die Uni falle mit ihren Fächern als einzige praktisch zu 100 Prozent in die billigste Fächergruppe. Und das neue Modell berücksichtige nicht explizit, wie es aktuell um die Betreuungsverhältnisse steht.

 

„Versprechen einlösen“

„Die Formel alleine reicht nicht aus, um eine Uni mit schlechten Betreuungsrelationen zu pushen“, sagt die Rektorin. Pro prüfungsaktivem Wirtschaftsstudenten bekommt zwar jede Uni das gleiche Geld – beim wissenschaftlichen Personal geht es aber im Wesentlichen um den Status quo: Geld gibt es für jene, die schon da sind. Und das sind an Unis mit schlechten Betreuungsverhältnissen wie der WU (1:82) deutlich weniger. Dadurch, dass es auch dafür nur den niedrigsten Satz gibt, fehle der WU zudem der Spielraum zur Verbesserung der Betreuungsrelationen.

„Ich würde mir wünschen, dass das politische Versprechen, die Betreuungsverhältnisse zu verbessern, eingelöst wird“, sagt Hanappi-Egger. Eine Chance gibt es da noch: den Budgetteil, der nicht per Formel vergeben wird – und aus dem sie sich Extrageld für ihre Unis erhofft. „Meine Hoffnung ist, dass das berücksichtigt, dass die WU zusätzlichen Personalbedarf hat“, sagt sie. Das Problem: Es sei eben Verhandlungssache. „Fix ist das aber natürlich nicht.“

Gleichzeitig mit der neuen Finanzierung wird übrigens auch die Zahl der Studienplätze heruntergefahren – und Wirtschaftsrecht erstmals beschränkt. Die WU geht davon aus, dass es ab Herbst 2019 dort 860 Studienplätze geben wird – zuletzt haben sich 2800 Anfänger eingeschrieben. Angesichts dessen hofft die Rektorin auch, dass sie die Zahl der Anfängerplätze in Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, derzeit 3400, auf rund 2400 reduzieren kann. Das sei etwa die Zahl derer, die aktuell effektiv ein Studium beginnen würden.

Die 3400 würden aktuell nämlich ohnedies nicht ausgeschöpft, sagt die Rektorin. Wenn Wirtschaftsrecht beschränkt werde, könnte das aber passieren. Als die Zugangshürden für die Wirtschaft eingeführt wurden, drängten nämlich Studenten massiv ins Nachbarstudium. „Ich fürchte, dass die Beschränkung in Wirtschaftsrecht jetzt umgekehrt zu einer Verdrängung in die Wirtschafts- und Sozialwissenschaften führt mit den bekannten Begleiterscheinungen steigender Dropout und sinkende Studienaktivität.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.06.2018)