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Kika/Leiner: Verkauf „läuft nach Plan“ - aber der zieht sich

Symbolbild.
Symbolbild.(c) APA/HELMUT FOHRINGER (HELMUT FOHRINGER)
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Heute Vormittag sollte der Verkauf der Möbelkette Kika/Leiner an René Benkos Signa unter Dach und Fach sein - doch jetzt wurde die Unterzeichnung erneut verschoben. Die Gläubiger spielen nicht so reibungslos mit, wie gedacht.

René Benko reizte die Frist restlos aus. Bis gestern, Dienstag, hatte sich der Immobilieninvestor Zeit ausverhandelt, um die Bücher der Möbelkette Kika/Leiner zu prüfen. Schließlich geht es um keine Kleinigkeit: Wenn die Tinte auf dem Kaufvertrag trocknet, gehört eine zuletzt recht angeschlagene Kette mit 70 Möbelhäusern in Österreich und Osteuropa und gut 5000 österreichischen Mitarbeitern Benkos Signa Holding.

Schon am Dienstag war den Verhandlern klar: Die Prüfung wird wohl die ganze Nacht dauern. Mit der Vertragsunterzeichnung sei Mittwoch in der Früh oder am Vormittag zu rechnen. Aber: „Es läuft alles nach Plan“, hieß es gegenüber der „Presse“.

Doch der Plan zieht sich. Am Vormittag musste ein neues Verhandlungsende ausgegeben werden: Mittwochabend. Der Grund: Es säßen zu viele Interessenten am Tisch, sagen in den Verkauf Involvierte gegenüber der "Presse". Jeder versuche noch so viele Sicherheiten wie möglich für sich in den Verträgen einzubauen. Und vor allem die Hedgefonds und ihre Anwälte prüften auch am zehnten Verhandlungstag zwischen Signa und Steinhoff jede Immobilie ganz genau.

Schon das gesamte Wochenende hinweg war hinter den Kulissen von Störaktionen die Rede gewesen. Da hörte man, dass die Hedgefonds lieber eine Insolvenz der Steinhoff-Tochter gesehen hätten, als sie für 450 Mio. Euro (für die Immobilien) und einen Euro (für das operative Geschäft) an Benko zu verkaufen. Von Interventionen an höchster politischer Adresse in Österreich war die Rede. Ohne Erfolg. Auch jetzt sind die Verhandler von einem guten Ausgang des Deals überzeugt - aber eben etwas später als geplant. "Es ist nur eine Frage der Zeit", heißt es.

Viele Fragen offen

Gleich nach Vertragsunterzeichnung soll das Insolvenzszenario dank einer Garantiezahlung von Benko in Höhe von 100 Mio. Euro in weite Ferne rücken. Der eigentlich spannende Teil folgt aber erst danach: Denn wie es mit der im Jänner begonnenen Sanierung weitergeht, wird sich laut Kika/Leiner-Chef Gunnar George bis Ende Juli herauskristallisieren. Dass sich der Möbelhändler auf dem umkämpften Markt neu aufstellen muss, sei allen Beteiligten klar, sagen Beobachter. Es sei fraglich, ob es bei der Schließung von bisher vier heimischen Filialen bleibt.

Noch eine Frist steht Ende Juli ins Haus: Bis dann kann Benko vom Immobilienkauf zurücktreten – oder bei Überraschungen in den Grundbüchern den Preis nachverhandeln. Er hat gezeigt, dass er Fristenläufe voll auskostet. (loan)