Nach der Kraftprobe mit den Eisenbahnern steigert der Reform-Präsident das Tempo: Aufbau des Mittelstands, Privatisierungen, ein effizienteres Sozialsystem. Vorbild sind die Deutschen. Wird das Land bald zum Wachstumsmotor?
Wien. Nein, so geht das nicht. Den Präsidenten der Republik, der auf einer Veranstaltung Hände schüttelt, begrüßt man nicht mit: „Ça va, Manu?“. Man stimmt davor auch nicht die „Internationale“ an. Emmanuel Macron wies den frechen Gymnasiasten präsidial zurecht, auf Video gebannt, in sozialen Netzwerken am Dienstag vieltausendfach geteilt. Und er setzte nach: „Wenn du eine Revolution anstiften willst, lerne zuerst, wie du ein Diplom machst und dich selbst ernährst. Dann kannst du auch anderen Lehren erteilen.“ Kleinlaut fügte sich der Bengel: „Oui, Monsieur le Président“.
Ähnlich kleinlaut geben sich zurzeit die französischen Gewerkschaften. Im Herbst zogen sie beim Kräftemessen um das neue Arbeitsrecht den Kürzeren, nun haben sie auch den Machtkampf gegen die Bahnreform verloren. Trotz oder wegen ihrer Dauerstreiks gelang es den Eisenbahnern nicht, die Bevölkerung auf ihre Seite zu ziehen. In der Vorwoche passierte das Gesetz das Parlament. Einige Gewerkschaften wollen trotzdem weiterstreiken, um zumindest ein paar Abschwächungen zu erzwingen, aber auch diese verbliebende Front bröckelt gewaltig.