Anlage: "USA haben mehr Erholungspotenzial"

(c) AP (MARK LENNIHAN)
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Amerika schlägt Europa, Dollar schlägt Euro, Unternehmensanleihen schlagen Staatsanleihen.

Wien (ju). Die Weltwirtschaft erholt sich – aber sie tut das nicht gleichmäßig. Anleger, die mit ihren Portfolios am globalen Wiederaufschwung partizipieren wollen, müssen sich Regionen und Assetklassen derzeit also ganz genau anschauen, bevor sie zugreifen.

Der globale Chefstratege der „Fürstenbank“-Kapitalanlagegesellschaft „LGT Capital Management“, Beat P. Lenherr, hat da ein klares Bild: Amerika schlägt Europa, Dollar und Schweizer Franken schlagen den Euro, Unternehmensanleihen schlagen Staatsanleihen.

Aktienkäufer sollten derzeit eindeutig amerikanische Papiere übergewichten, meinte der liechtensteinische Banker im Gespräch mit der „Presse“. Die USA hätten nämlich wesentlich mehr Potenzial, schnell aus der Krise zu kommen. Der Grund: Wirtschafts- und Finanzpolitik seien in Amerika flexibler, die Notenbank habe zudem stärker das Wirtschaftswachstum im Fokus, während die Europäische Zentralbank sehr stark auf die Inflationsrate achte. Die Eurozone werde zudem durch die Griechenland-Schuldenkrise und die Probleme in einigen anderen Mitgliedsländern (Spanien, Portugal, Italien) gebremst.

Potenzial in Asien

Potenzial sieht Lenherr auch in Südostasien. Nicht zuletzt deshalb, weil dort die Staatsschuldenproblematik, wie sie in Europa und den USA zu sehen sei, fehle. Hier müsse man aber aufpassen: China weise zwar sehr starkes Wachstum auf, der Aktienmarkt sei dort allerdings auch schon ein bisschen hoch bewertet. Vor allem aber werde China in einem Punkt überschätzt: Das Land sei noch weit davon entfernt, die Rolle einer „Lokomotive“ für die Weltwirtschaft zu übernehmen. Dazu fehle die inländische Kaufkraft. China sei also in hohem Ausmaß noch immer von der Konjunktur in anderen Ländern abhängig.

Bei den Währungen zeichnet Lenherr ein ähnliches Bild: Der Dollar sei im Augenblick stabiler, der Schweizer Franken werde hart bleiben. Und der Euro sei zur Zeit „etwas zu teuer“.

Vom Vorschlag des Internationalen Währungsfonds, das Inflationsziel der wichtigsten Notenbanken von derzeit zwei auf vier Prozent zu erhöhen, hält der Experte, der die liechtensteinische Gesellschaft von Singapur aus managt, wenig: Das würde speziell den Euro unter starken Druck bringen. Währungskurse seien nämlich ein Ausdruck des Vertrauens und der Glaubwürdigkeit – und die würden stark leiden, wenn die EZB (was freilich ohnehin nicht geplant ist) von ihrem immer so stark betonten Zwei-Prozent-Ziel abginge.

Im Anleihenbereich – Schuldpapiere sollten nach Ansicht des liechtensteinischen Bankers weiter das Rückgrat jedes Portfolios bilden – seien derzeit eindeutig Unternehmensanleihen höher einzuschätzen. Die bringen derzeit auch mehr Ertrag. „Staatsanleihen aus großen Ländern sind uninteressant“, sagt Lenherr.

AUF EINEN BLICK

LGT-Chefstratege Beat P. Lenherr hält derzeit Aktienanlagen in den USA für interessanter als in Europa. Bei den Währungen schätzt der liechtensteinische Experte den Dollar stärker ein als den Euro, bei Anleihen würde Lenherr Unternehmensanleihen den Staatspapieren vorziehen. Insgesamt schreite die Erholung voran.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.03.2010)

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