„Es ist uns etwas entglitten“

Neuer Brunnen, mehr Pflanzen: Mit Herbst wird der Praterstern-Vorplatz fertig, Architekt Podrecca hofft auf ein Wunder.

Wien. Boris Podrecca ist ein Optimist: „Bei Baustellen ist es oft so – am letzten Tag passiert ein Wunder.“ Und tatsächlich wäre im Fall des Praterstern-Vorplatzes, der kommenden Herbst endgültig fertig sein soll, ein solches nötig. Beschreiben doch Architekturkritiker wie Christian Kühn das Areal rund um den Bahnhof Praterstern wahlweise als „gebastelte Lösung“ oder „vertane Chance“.

Podrecca selbst freilich trägt wenig Schuld daran. Vielmehr kombinierte die Stadt den Bahnhofsentwurf von Albert Wimmer mit einem Teil des Podrecca-Entwurfs, der für den Vorplatz abgewandelt wurde, aber anders, als der Architekt es sich vorgestellt hatte: Statt des zarten Membrandachs, das der Architekt mit dem bekannten Statiker Werner Sobek geplant hatte, konstruierte die MA29 (Brückenbau) ein, wie Kühn sagt, plumpes und zu massives Glasdach, das zudem dafür sorgt, dass die Uhr am Bahnhofsgebäude nicht von allen Seiten gesehen werden kann. „Ich bin mit dem Prozess nicht zufrieden. Die Sache ist uns vor allem zu Anfang leider etwas entglitten“, sagt Podrecca, der allerdings trotzdem weiter mitarbeitet. Denn: „Ich will keine beleidigte Leberwurst sein.“ Weil am Grundsätzlichen nichts mehr geändert werden kann, konzentrieren sich im Finish die Bemühungen nun eher auf Kleinigkeiten: Pflanzen für die von vielen ungeliebte herbe, nackte Stahlpergola. Und ein neuer Brunnen. 30 Mio. Euro koste die gesamte Oberflächengestaltung (seit Projektbeginn und inklusive Venediger Au), sagt der städtische Projektkoordinator Anton Schön.

Bänke und ein Geräuschbrunnen

Wobei das Begrünen – bis jetzt dominiert Bambus hinter Gittern – schwieriger ist als es klingt. Da keine Bäume eingesetzt werden können (dafür ist der U-Bahn-Tunnel zu dicht unter der Oberfläche), sollen noch im Sommer zwei Töpfe mit Rankpflanzen für mehr Grün sorgen. „Natürlich dauert es ein paar Jahre, bis sie einen Gutteil der Pergola überwuchern“, so Schön. In den letzten Wochen wurden auch zusätzliche Bänke aufgestellt. Der Brunnen soll im Herbst folgen, demnächst sei die Ausschreibung. Von der Podrecca nichts weiß. Der hat nämlich selbst schon „einen Geräuschbrunnen, der Wasser Richtung Bahnhof spuckt“ entworfen. Kann sein, dass für Podrecca das Baustellenwunder eher ein blaues wird.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.03.2010)

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