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Österreich liefert Mafia-Boss nach Russland aus

Aslan G.
Aslan G.Interpol
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Bis zu 60 Morde sollen von ihm ausgegangen sein. Die österreichischen Gerichte konnten sich dennoch über drei Jahre nicht entscheiden, ob sie Aslan G. den russischen Behörden übergeben. Gestern war es dann so weit. Eine seltsame Expertise gab den Weg frei.

Das zähe Ringen hat ein Ende. Aslan G., in der kriminellen Welt als Djako bekannt, wurde am Mittwoch in Begleitung von russischen Interpol-Beamten und Geheimdienstmitarbeitern aus Wien nach Russland überstellt, wie Irina Volk, offizielle Vertreterin des russischen Innenministeriums, gegenüber der Nachrichtenagentur TASS erklärte. Das bestätigte auch Christina Salzborn, Sprecherin des Wiener Landesgerichts, auf Anfrage der "Presse".

Damit ist für Österreich einer der spektakulärsten Justizfälle der vergangenen Jahre zu Ende, nachdem Aslan G. im Jänner 2015 auf dem Gelände des Wiener Hauptbahnhofs festgenommen worden war. Über drei Jahre lang hatten unterschiedliche Gerichte wiederholt die Auslieferung des heute 47-Jährigen nach Russland genehmigt und dann wieder untersagt, weil angeblich die dortige Behandlung des Gefangenen nach europäischen Standards nicht gewährleistet sei. Zwischenzeitlich wurde Aslan G. in Wien sogar auf Kaution freigelassen. Außerdem wandte sich Aslan G. an den europäischen Gerichtshof für Menschenrechte.

Simulierte Flugangst

Ende des Vorjahres hatte es bereits danach ausgesehen, dass der mutmaßliche Vielfachmörder ausgeliefert werden sollte. Wie die Zeitung "Kommersant" berichtet, wurde die Überstellung aber im letzten Moment abgeblasen, weil die Verteidigung Flugangst bei ihrem Mandanten als Gegenargument vorgebracht hatte. Das Gericht ordnete anschließend eine Untersuchung der Verdächtigten an. Zwei beigezogene Experten diagnostizierten, dass Aslan G. diese Phobie nur vorgetäuscht hatte. Das gab schließlich den Weg für die Überstellung frei.

Die russischen Behörden wollen ihm den Prozess machen, weil er ihrer Darstellung zufolge als Chef einer kriminellen Vereinigung zwischen November 2012 und Oktober 2013 sechs Menschen von Mitgliedern seiner Bande mit Kalaschnikow-Sturmgewehren bzw. Maschinenpistolen beseitigen ließ. Bei weiteren zwei, angeblich von G. in Auftrag gegebenen und im Dezember 2012 und Juni 2013 verübten Anschlägen kamen die drei ins Visier geratenen Personen mit dem Leben davon.

Die Mafiabande galt als eine der gefährlichsten in der russichen Kriminalgeschichte. Ihr werden unter anderem die Morde an dem nordossetischen Vizepremier Kasbek Pagijew und an dem Bürgermeister der dortigen Hauptstadt Wladikawkas, Witali Karajew, aus dem Jahr 2008 zur Last gelegt.

(red.)