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Wechsel: Neos mit „konstruktiver Härte“

Die Neos wählen am Samstag Beate Meinl-Reisinger zu ihrer neuen Parteichefin.
Die Neos wählen am Samstag Beate Meinl-Reisinger zu ihrer neuen Parteichefin.(c) APA/GEORG HOCHMUTH
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Die neue Parteichefin Meinl-Reisinger skizziert den Kurs gegenüber der Regierung.

Wien. Die Neos wählen am Samstag Beate Meinl-Reisinger zu ihrer neuen Parteichefin. Sie hat bei der Mitgliederversammlung in der Stadthalle zwar einen Gegenkandidaten, den 66-jährigen Vorarlberger Kaspar Erath, aber an ihrer tatsächlichen Wahl besteht kein Zweifel.

Sie wolle die Neos „relevanter und bedeutender“ machen, kündigte Meinl-Reisinger nun vorab in einem APA-Interview an. Gleichzeitig wolle sie einen Kurs der „konstruktiven Härte gegenüber der Regierung“ fahren. Man wolle „hart in der Kritik“ sein, aber auch konstruktive Vorschläge machen und Zusammenarbeit anbieten.

Als erstes möchte sie im Sommer durch die Regionen fahren und zuhören. „Wir haben – selbstkritisch gesehen – einige unserer Leute alleingelassen in den Regionen.“ Ihnen wolle man nun zur Seite stehen. „Wir müssen in jeder Region, in jeder Gemeinde ankern. Wir müssen zu den Leuten hinaus, uns vom Rednerpult wegbewegen.“

Die Gefahr, dass die Neos ohne Strolz nicht funktionieren, ist für Meinl-Reisinger nicht gegeben. Sie spüre bei den Funktionären Optimismus und Zuversicht. „Die große Kraft der Neos liegt darin, wertschätzend miteinander umzugehen und Teamfähigkeit zu haben.“ An der Stronach-Partei und der Liste Pilz sehe man, „dass es mehr erfordert, um eine Bewegung zusammenzuhalten“.

Thematisch wollen die Neos unter Meinl-Reisinger weiterhin eine Partei der Mitte bleiben und jenen ein Angebot machen, die durch die „ständige Polarisierung aufgerieben werden und verstummen“. Ihr persönliches Herzthema sei Europa. „Das ist für mich und meine Kinder eine Schicksalsfrage.“ Aber auch die Bildung, die Strolz' Steckenpferd war, bleibt ein Schwerpunkt der Neos.

Kritik übte sie an den Regierungsparteien: „Die FPÖ will Europa zerschlagen. Was die ÖVP will, weiß man nicht. Die einzige Vision, die bei Sebastian Kurz sichtbar ist, ist die Vision von Macht.“ Er stelle die Machtfrage vor die Sinnfrage, und das sei sehr problematisch. (APA)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.06.2018)