Peru: Inka Deluxe

Peru Inka Deluxe
Peru Inka Deluxe(c) Madeleine Napetschnig
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Keine Hetzerei: Ein Riesenland wie Peru ist bequem bereist – mit Luxuszug und Inlandsflug. Bleibt viel Zeit, die Schatzkiste der Anden zu öffnen.

Dampf steigt vom kleinen Privatpool auf, warm umblubbert das Wasser die noch müden Glieder. Die Augen aber sind schon bereit für Morgensport in der frischen, klaren Andenluft. Sie zoomen die Kandelaberkakteen heran, wandern vorbei an einem Spalier Eukalyptusbäume und überwinden alte Inkaterrassen. Schließlich erreichen sie den Punkt, an dem die Ebene steil in eine Schlucht abbricht. Dort tastet sich der Blick dann hinauf über fast baumlose Hänge, bis er bei den weißen Hauben ankommt, die die Gipfel in dieser Region tragen. Fehlt nur noch, dass ein paar Lamas vorbeischlendern und einem per Elektrobuggy das feudale Frühstück direkt auf seine Terrasse geliefert wird. Wo es ja auch jemanden gibt, der einem abends den offenen Kamin anheizt, die Bettdecke aufschlägt und  das Schlafzimmer in ein Kerzenlichtermeer verwandelt.

Zurück zum Pool: Man könnte es einen 800-Dollar-Ausblick nennen. Allein schon der Unterkunft wegen – die „Casitas del Colca“, eine exklusive Anlage der Orient-Express-Gruppe, bilden sehr geräumige Häuschen mit noblem Interieur. Ein wenig mutet so eine Casita innen wie die Kreuzung von englischem Landhaus mit Schweizer Chalet plus kolonialem Dekor an – was atmosphärisch durchaus in diese Berglandschaft in Perus ­Altiplano passt.

Auch ein ordentliches Spa und ein Gourmetrestaurant, ein Kochkurs und ein Reitausflug sind in dieser De-luxe-Reisekategorie logisch, aber im Anden-Hochland freilich die Ausnahme.

(c) Madeleine Napetschnig

Guten Morgen, Andenkondor. Diesen Luxuseffekt auf den Gast verstärkt, dass sich das Resort an einem der auserwählteren Flecken auf diesem Planeten befindet: Unweit von hier beginnt sich der Colca-Canyon, den manche zum tiefsten der Welt superlativieren, richtig einzugraben. Wo diese Schluchtlandschaft ganz wild aussieht – zwei Fahrstunden von den Casitas entfernt –
kreist der Andenkondor im Frühtau zu Berge. Nicht viele lassen sich dieses Schauspiel nehmen; sie stehen dafür noch zu nachtschlafener Zeit auf, damit sie rechtzeitig auf dem „Cruz del Condor“ ankommen.

Allein die Fahrt dorthin rechtfertigt den kurzen Schlaf: Entlang des Colca-Canyons bauen sich Gipfel auf, die auf Wanderreisende und Bergsteiger anregend wirken, obwohl – oder gerade weil – sie 2500 Meter über dem Alpendurchschnitt liegen. Ja, an so einem Ort möchte man gern länger bleiben und stundenlang die Kulisse betrachten. Das wäre schon deshalb eine gute Idee, weil das körperliche Wohlbefinden mit der Verweildauer wächst. Es braucht nämlich einige Zeit, bis sich der Organismus an die dünne Luft auf knapp unter 4000 Metern gewöhnt. Anfangs rast das Herz bei jedem Schritt, manchen wird richtig schwindlig.

Zeitlupentempo zur Akklimatisierung. Ein kurzer Aufenthalt auf halber Höhe – idealerweise in der Stadt Arequipa, dem Ausgangspunkt zum Colca-Canyon – ist eine erste Übung, sich an das Slow-Motion-Tempo zu gewöhnen, bevor es noch weiter nach oben geht. Ganz unabhängig davon lohnen sich mehrere Tage in dieser Stadt aus weißem Tuffstein. Man kann die Zeit in der Intellektuellenmetropole von Peru zum Beispiel dazu nützen, um koloniale Architektur und die ausgezeichnete peruanische Küche zu studieren.

Meistens geht das der Besucher in Arequipa so an: Er unternimmt zuerst einen Rundgang durch die belebten Gassen, staunt über die gut erhaltenen Häuser der spanischen Eroberer und die Massen an Taxis. Dann sucht er die monumentale Kathedrale im Zentrum auf, die immer wieder Opfer von Erdbeben wurde. Schließlich setzt er sich auf eine Bank auf der Plaza de Armas, einem wunderschönen und für Lateinamerika so typischen Platz, und lässt sich von der Stimmung mitreißen: so laut, fröhlich, bunt. Alsdann wird er einen ausgiebigen Besuch in einem Gartenrestaurant zum Mittag­essen einlegen, gegrilltes Meerschweinchen, frittierte Shrimps und gefüllte Paprika kosten und mit Maisbier und/oder Pisco Sour, dem hochprozentigen Nationalgetränk, nachspülen.

Spätestens tags darauf ist der Reisende dann akklimatisiert für das eigentliche Highlight von Arequipa, das Santa-Catalina-Kloster, das Ausmaße eines Kleinstadtzentrums hat. Privilegierte spanische Familien expedierten ab dem Ende des 16. Jahrhunderts ihre braven Töchter hierher, damit sie in aller Abgeschiedenheit und mit allen Ritualen der Selbstkasteiung, aber nicht ohne Komfort für den Rest der Menschheit beteten.

Das mag eine beklemmende Vorstellung sein, dass die Nonnen ihr De-luxe-Kloster eigentlich nur tot verlassen durften, aber das wird in Santa Catalina heute wenig spürbar: Im permanenten Sonnenschein von Arequipa leuchten die Klostermauern in sattem Zinnober und Ultramarinblau, stundenlang lässt es sich hier durch die Innenhöfe und Gänge spazieren und in der Probstei die prächtigen Bilder betrachten.

Vulkanrituale und Terrassensysteme. Immer höher windet sich der Bus, immer wüstenartiger, windzerfahrener, eindrucksvoller wird das Gelände. Riesenhafte Vulkane ziehen am Fenster vorbei, sie sind steil, aber erklimmbar und nicht selten noch bedrohlich aktiv. Vor allem sind sie mit vielen Mythen belegt, so wie der mächtige Misti, der das Panorama von Arequipa bestimmt. An vielen Kratern in den Anden Perus fanden Menschenopfer statt, einer höheren inkapriesterlichen Logik zufolge wollte man damit unter anderem die Götter, das Wetter, das Schicksal beschwichtigen.

Dünn besiedelt ist es hier oben. In den Bergen sprechen die Älteren Quechua und nur wenige Worte Spanisch, die Jüngeren tragen Jeans zu traditionellen Hüten. Viele von ihnen wollen abwandern, in Städte wie Lima, Arequipa oder Cusco, denn die Erträge aus der Landwirtschaft sind karg und die sogenannten Segnungen der Zivilisation weit weg. Auf den Märkten wundert man sich aber dennoch über die enorme Vielfalt, speziell an Mais und Erdäpfeln; es tut sich ein wahrer Genpool an Feldfrüchten auf. Die Voraussetzungen für das Gedeihen in so lichten Höhen wurden vor vielen Jahrhunderten geschaffen: weitläufige Terrassenfelder und intelligente Bewässerungssysteme. Schon viel früher angelegt als in der letzten vorkolonialen Hochkulturphase von 1200 bis 1533, die unsereins schlampig als die Inkazeit bezeichnet – und dabei ignoriert, dass „Inka“ ein Herrschertitel war, sich die Bewohner des zuletzt riesigen Reiches aber aus verschiedenen Ethnien zusammensetzten. 

Der halbwegs Interessierte wird immer wieder auf kolportierte Missverständnisse stoßen. Er wird Zeit brauchen, den unfassbaren vorkolonialen Reichtum für sich gedanklich zu sortieren. Aber er wird erkennen, dass mit dem Eintreffen der Spanier 1531 systematisch unglaubliches Kulturgut vernichtet wurde. So macht es Sinn, sich schon in Lima, am Anfang der Reise, ein gewisses archäologisches Grundlagenwissen anzueignen. Die beste Gelegenheit dazu gibt das Museo Larco Herrera, eine große Sammlung mit unschätzbaren Zeugnissen verschiedener Hochkulturen – der Moche, der Naczca oder der Chimú – und mit einer originellen Sammlung an Keramikbechern.

Mit dem Zug statt zu Fuß. So vorbereitet, lässt sich gut nach Machu Picchu aufbrechen, das alte neue Weltwunder steht praktisch auf der To-do-Liste jedes Peru-Reisenden, weil sich darin die gesamte Inkakultur manifestiert. Mitten im Regenwald, zwischen runden, aber umso abweisenderen Bergen liegt diese sagenhafte Stadt, die der Sicherung einer weit größeren gedient haben soll: In diesem Vorposten von Cusco, der prächtigen Inkaschaltzentrale, lebten bis zum Eintreffen der Eroberer über 2000 Menschen auf ­hohem Lebensstandard. Laufend neue Funde lassen die Archäologen immer wieder höher schätzen und mit noch einigen Überraschungen unter dem ­wuchernden Grün rechnen. Dieser Ort scheint nicht von dieser Welt, mit seinen Tempeln, seinen dem Berg abgerungenen ­Terrassen, seinem Schicksal: 1533 ohne ersichtlichen Grund verlassen (die Spanier fanden ihn nie), 1911 von Hiram Bingham entdeckt, zuletzt von ungewöhnlich heftigen Regenfällen heimgesucht, die die Besucher wegen Erdrutschgefahr tagelang in Aguas Calien­tes am Fuße von Machu Picchu festsitzen ließen.

Teatime mit Nebelschwaden. Zwei Wege führen an diesen so abgeschiedenen Ort: Der Genießer nimmt nicht den Inkatrail, der ihn zu Fuß vier Tage lang über steile Pässe, viele Höhenmeter und vorbei an zahlreichen Inkaruinen bringt, sondern er nimmt den Zug. Und dann nicht irgendeinen Zug, sondern den „Hiram Bingham“. In nostalgischen Waggons bewegt man sich durch ­
tiefe Gebirgstäler, satte, lehmige Kulturlandschaften, entlang des Urubamba-Flusses, vorbei an kleinen
Dörfern. Obwohl mehrere Stunden unterwegs, vergeht die Zeit wie im Flug: mit Naturbestaunen, im Bar-
waggon Pisco-Sour-Testen, einem Degustationsmenü im Speisewagen. Zudem ist der „Hiram Bingham“ perfekt getimt. Man kommt an, wenn die ersten Besucher schon wieder abreisen müssen, und hat zudem Zeit, nach ­einer gründlichen archäologischen Führung in der nahen „Sanctuary Lodge“ zur Teatime einzukehren und darauf zu warten, wie Nebelschwaden Machu ­Picchu verhüllen, wieder freigeben und in ein sphärisches Licht tauchen.

Schließlich kommt man in die Unesco-Welterbestadt Cusco zurück, ein Ansichtsexemplar gründlicher Kolonisation. Nur dort, wo die Bauwerke der Inkadynastien so massiv und so kunstvoll miteinander verzahnt waren, ließen Pizarro und seine Nachkommen von ihnen ab, doch 1650 ereilte auch viele Bauten, die gnadenlos über das Inka-Erbe gesetzt wurde, das Schicksal: Ein Erdbeben erschütterte einen Großteil der Bauwerke der Spanier.
Dennoch hat diese schöne Stadt ein barockes, iberisches Gepräge – nicht zuletzt wegen der zahlreichen und zudem riesigen Kirchen. Randvoll stecken sie mit üppig vergoldetem Dekor, mit feinstem Schnitzwerk und Edelhölzern. Ihre Bilder stammen oft aus der berühmten Cusco-Malschule ab dem Ende des 17. Jahrhunderts, und aus ihnen spricht oft ganz unverhohlen der Synkretismus, der den Glauben in den Anden bis heute prägt, ein Glauben an die Sonne, die Berge.

So ist es nur konsequent, dass das erste Haus am Platz früher ein Priesterseminar war und sich noch früher hier ein Inkatempel befand: Im „Monasterio“ wandelt der Gast durch Kreuzgänge zum Frühstück, diniert unter biblischen Szenen und lauscht abends einem Musikethnologen und seinen archaischen Instrumenten in der Kapelle.

Windrose Reisen: Unter dem Titel "in Style" bietet der Premiumreiseveranstalter eine 13-tägige Tour zu den Höhepunkten (Cusco, Machu Picchu, Colca-Canyon, Titicacasee) mit Businessclass-Flug (LAN und Iberia), Inlandsflügen, Unterkunft in Luxushotels (meist der Orient-Express-Gruppe), Besichtigungen mit deutschsprechenden Guides (Archäologen, Historikern), Zugfahrt mit dem „Hiram Bingham“; Reisevarianten auch mit Chile, ­Argentinien und Brasilien oder Ecuador (inklusive Galapagos). T 01/726 27 43,www.windrose.at


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