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Deutsche Abgeordnete gehen im Mittelmeer an Bord der "Lifeline"

Die "Lifeline" ist im Mittelmeer blockiert
Deutsche Grüne gehen im Mittelmeer an Bord der "Lifeline"(c) REUTERS

Das Rettungsschiff mit rund 230 Flüchtlingen an Bord darf weiterhin keinen Hafen anlaufen. Die hygienische und medizinische Situation ist laut Abgeordnete der deutschen Grünen und Linken prekär.

Abgeordnete der deutschen Oppositionsparteien Grüne und Linke sind nach Angaben ihrer Bundestagsfraktionen an Bord des im Mittelmeer blockierten deutschen Rettungsschiffs "Lifeline" gegangen. Die Situation dort sei nicht nur belastend, sondern auch gefährlich, "sowohl für die Geflüchteten als auch die deutsche Crew an Bord", sagte die Grün-Mandatarin Luise Amtsberg der Deutschen Presse-Agentur.

"Bereits jetzt ist die hygienische und medizinische Situation prekär. Es darf nicht sein, dass der Streit über europäische Zuständigkeiten Menschenleben in Gefahr bringt", sagte die flüchtlingspolitische Sprecherin der Oppositionspartei im Deutschen Bundestag.

Amtsbergs Fraktionskollege Manuel Sarrazin prangerte an, dass "das Schicksal dieser Menschen zum Faustpfand im Streit über die europäische Asylpolitik" werde. Beide Politiker riefen die Bundesregierung auf, sich für eine rasche Lösung einzusetzen. Amtsberg und Sarrazin waren von Malta aus gestartet.

Linken-Abgeordneter: "Humanitäre Katastrophe"

Der Linken-Abgeordnete Michel Brandt sagte, er sei für vier Stunden an Bord der "Lifeline" gewesen. "Die Situation vor Ort ist eine humanitäre Katastrophe", kommentierte er und forderte die Bundesregierung auf, die Menschen aufzunehmen. "25 Seemeilen von einem europäischen Hafen entfernt warten Menschen auf Hilfe und die Bundesregierung schweigt: Das ist eine Bankrotterklärung an die menschenrechtliche Verantwortung."

Seit Donnerstag ist das Boot der Dresdner Organisation Mission Lifeline auf dem Mittelmeer blockiert. In der Nähe von Malta wartet die Besatzung mit rund 230 Migranten an Bord auf ein Ja aus einem europäischen Land, anlegen zu dürfen.

Italien will keine Schiffe aufnehmen

Die libysche Küstenwache hat indes am Sonntag in mehreren Einsätzen 948 afrikanische Migranten in Schlauchbooten aufgegriffen und dabei auch zehn Leichen geborgen. Seit vergangener Woche brachte sie damit fast 2000 Menschen, die über das Mittelmeer nach Europa wollten, zurück an die libysche Küste.

Die Migranten seien im mehreren Gruppen aufgegriffen worden, sagte ein Sprecher der Küstenwache. Eine Gruppe umfasste demnach 97 Personen und eine zweite 361. In den beiden Gruppen seien 110 Frauen und 70 Kinder gewesen. Ein Augenzeuge berichtete zudem von der Ankunft eines weiteren Schiffes. Darin seien 490 Personen gewesen, darunter 75 Frauen und 20 Kinder.

Die meisten Migranten versuchen, über das Mittelmeer nach Italien zu gelangen. Sie setzen ihre Hoffnung auch darauf, von Schiffen internationaler Hilfsorganisationen aufgenommen werden. Viele ertrinken aber im Meer oder sterben an Erschöpfung. Italiens Innenminister Matteo Salvini kündigte zudem an, keine Schiffe von Hilfsorganisationen mit Migranten mehr in italienische Häfen zu lassen. Die Behörden werfen den Helfern vor, die Menschen schon in den Küstengewässern Libyens aufzunehmen und damit den kriminellen Schleppern in die Hände zu spielen.

(APA/dpa)