Rohstoffe: "2012/2013 droht der nächste Ölschock"

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(c) REUTERS (JORGE SILVA)

Weniger Investitionen, geringeres Angebot und Konflikte könnten zu einem höheren Ölpreis führen. Die Erste Bank prognostiziert für das laufende Jahr einen durchschnittlichen Preis von 72 Dollar je Barrel der Sorte WTI.

Wien(nst). Von einem neuen Allzeithoch wie im Jahr 2008 ist der Ölpreis derzeit zwar weit entfernt, dass er auf lange Sicht aber einen Wert von über hundert Dollar erreichen wird, davon ist Erste-Bank-Analyst Ronald-Peter Stöferle überzeugt. Seiner Ansicht nach droht nämlich in den Jahren 2012/2013 der nächste Ölpreisschock. Den Grund für die neuen Rekordpreise sieht Stöferle etwa in Investitionskürzungen der Mineralölkonzerne. Diese hätten im Zuge der Krise ihre Budgets um etwa ein Fünftel oder hundert Mrd. Dollar zusammengestrichen. Bereits in den vergangenen Jahren, sagt RZB-Analyst Hannes Loacker, haben die Unternehmen nur unzureichende Investitionen getätigt. Die Internationale Energieagentur (IEA) warnte schon im Vorjahr, im Rahmen ihres World Economic Outlook, dass bis 2030 rund 26 Billionen Dollar investiert werden müssten. Mehr als die Hälfte des Geldes werde dabei etwa für die Suche nach neuen Ölquellen entfallen.

Ab der Entdeckung eines Ölfelds vergehen jedoch drei bis zehn Jahre, bis Öl auch wirtschaftlich gefördert werden kann, sagt Loacker. Aktuell stammen etwa 70 Prozent des täglichen Ölbedarfs von Ölfeldern, die vor 1970 entdeckt wurden.

 

Nachfrage steigt, Angebot nicht

Heuer dürfte der Ölpreis die magische Schwelle von hundert Dollar aber noch nicht erreichen. Die Erste Bank prognostiziert für das laufende Jahr einen durchschnittlichen Preis von 72 Dollar je Barrel der Sorte WTI. In der zweiten Jahreshälfte wird der Preis von derzeit 81 Dollar auf etwa 60 Dollar je Barrel fallen. Gründe dafür sind hohe Lagerbestände, die geringe Nachfrage nach Öl und die schwachen Konjunkturdaten. „Das Überangebot wird dann auf den Preis drücken“, sagt Stöferle.

Erholt sich die Konjunktur aber wieder, wird das Angebot mit der Nachfrage nach Öl nicht Schritt halten können, glaubt Loacker. Die IEA hat prognostiziert, dass die globale Ölnachfrage bis 2030 auf 105 Mio. Fass pro Jahr steigen wird. Das sind um 20 Mio. Fass mehr als heute. Die Fördermenge dürfte aber maximal 95 Mio. Fass pro Jahr erreichen.

Da in den Nicht-Opec-Ländern (etwa USA, Norwegen, Mexiko) die Produktion sinken wird, muss das fehlende Wachstum durch die Opec-Staaten wettgemacht werden muss. Die Opec könnte daher ihre Reservekapazitäten angreifen müssen. „Dies wird zu einer Erhöhung des Ölpreises auf über 100 Dollar führen“, sagt Loacker.

Er und Erste-Bank-Analyst Stöferle gehen davon aus, dass geopolitische Konflikte zudem ein viel stärkeres Gewicht bekommen werden. Stöferle verweist etwa auf Nigeria oder den Irak, „Konflikte sind derzeit zu wenig eingepreist und stellen eine Gefahr für den Ölpreis dar.“

Dass der nächste Ölpreisschock 2012 oder 2013 kommen wird, denkt auch Loacker. „Die Volatilität wird steigen. Es wird hohe Preisausschläge geben, und Spekulanten werden an Einfluss gewinnen.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.03.2010)