Haschisch - aber nicht an der Börse

FILE PHOTO: An unidentified man smokes a cannabis cigarette at a house in London
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Die Deutsche Börse stellt den Handel mit Cannabis-Aktien ein. Die Papiere versetzten Anleger zuletzt in einen Rausch.

In Kanada können sich Besitzer von Cannabis-Aktien über einen boomenden Markt und Rekordbewertungen ihrer Unternehmen freuen. In Europa dagegen erlebt die Branche einen empfindlichen Dämpfer, berichtet das "Handelsblatt". Denn die Deutsche Börse bestätigte, dass ihre Tochter Clearstream den Aktienhandel von Unternehmen, die Cannabis produzieren oder die Produktion finanzieren, ab Ende September vom Handel aussetzt. Der Grund sind rechtliche Vorgaben aus Luxemburg. Die dortige Börsenaufsicht CSSF hat entschieden, den Handel mit Cannabis-Aktien als illegal anzusehen und deshalb einzustellen.

In Luxemburg ist der Besitz und Konsum von Marihuana illegal. Auch als Schmerzmittel in der Medizin ist es anders als in Deutschland verboten.   Die Einstufung von Cannabis als illegales Rauschmittel bildet auch den Rahmen für den Aktienhandel in Deutschland.

„Ausländische Werte, die bei der deutschen Clearstream liegen, werden von dieser in Luxemburg verwahrt“, zitiert das "Handelsblatt" Christina Hudelmayer, die Sprecherin der Deutschen Börse. Deshalb seien deren Entscheidungen maßgeblich. „Wenn der zuständige Regulator das so vorgibt, haben wir als Deutsche Börse keinen Entscheidungsspielraum.“

Das Aus für den Cannabis-Handel kommt schon bald. Es sei seitens Clearstream nicht mehr möglich, für Wertpapiere von Emittenten, deren Hauptgeschäftszweck die Produktion oder Finanzierung von Cannabis ist, eine Abwicklungserklärung zu erteilen, heißt es von der Deutschen Börse. „Die Deutsche Börse AG wird daher den Handel in diesen Wertpapieren mit Ablauf des 24. September 2018 einstellen.“

145 Firmen betroffen

Betroffen sind zunächst 145 Unternehmen, darunter auch der Cannabis-Produzent Aphria. Für das Unternehmen ist die Entscheidung von Clearstream „nicht nachvollziehbar“, sagt Hendrik Knopp, Geschäftsführer Aphria Deutschland. Wie alle Tochterunternehmen in Europa versorge auch die Aphria Deutschland ausschließlich Patienten mit Medizinal-Cannabis.

Die Beschränkungen bei der Erteilung von Abwicklungserklärungen sei eine Benachteiligung von Anlegern aus Deutschland, meint Knopp. Aphria gehört mit einer Börsenbewertung von aktuell 2,8 Mrd. kanadischen Dollar zu den großen Playern in der Branche.

Nicht nur der Deutsche Hanfverband kritisiert die Entscheidung.  Auch  Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz fürchtet negative Auswirkungen. „Die Verbraucher sind in der Regel auf das angewiesen, was ihnen ihre hiesige Bank anbietet. Wenn diese Banken bei Cannabis-Aktien jetzt abwinken, dann stellt das die Kunden vor große Probleme.“ Interessenten für Cannabis-Aktien könnten nur auf Banken ausweichen, über die sie Zugang zu ausländischen Börsen erhalten. Das sei allerdings viel teurer, meint Kurz. Die Entscheidung der Luxemburger Börsenaufsicht heiße also, dass diese Aktien für deutsche Anleger ausfallen.

Cannabis-Aktien hatten Anleger in den vergangenen Monaten in einen wahren Rausch versetzt: Dutzende Börsengänge in wenigen Monaten, hochfliegende Aktien und Milliardenbewertungen von Firmen, die bei kleinen Umsätzen Verlust machen – die Euphorie glich jener der dot.com-Firmen.Treiber ist nicht nur der vermehrte Einsatz von Cannabis als Medizin, sondern vor allem die Legalisierung des Marihuana-Konsums in viele Bundesstaaten der USA und demnächst auch in Kanada.

Extreme Kursgewinne

Mehr als 300 Unternehmen sind laut „Cannabis Aktien-Research Plattform Technical 420“ mittlerweile an der Börse gelistet, monatlich kommen neue hinzu. Bereits an der Börse etablierte Unternehmen haben binnen Jahresfrist Wertzuwächse von 300 bis 400 Prozent und mehr gesehen. In Nordamerika gibt es auch viele  Start-ups und Cannabis-Anbauer, die sich an der Börse Kapital für die Expansion zu besorgen versuchen.

Analysten sehen den legalen Handel mit Cannabis für die nächsten Jahre als explodierenden Markt. Grand View Research etwa erwartet, dass der Markt von rund acht Mrd. Dollar bis 2025 ein globales Volumen von 55,8 Mrd. Dollar erreichen wird. Die Brightfield Group prognostiziert konservativer und geht von einem Marktpotenzial von 31,4 Mrd. Dollar bis 2021 aus. Deutsche Anleger können an dem Boom indes nun nur noch über ausländische Börsen teilhaben.

Der North American Marihuana Index, der 2015 gestartet wurde, kletterte im Januar 2018 auf den Höchststand von mehr als 363 Punkten, nachdem er im vergangenen Jahr kaum über 150 hinausgekommen war, schreibt das "Handelsblatt". Im Jänner endete der Höhenflug erst einmal. Die Pläne der Trump-Regierung, gegen die Legalisierung von Cannabis in den USA vorzugehen, dämpften die Stimmung bei Cannabis-Aktien. Außerdem scheint es, dass sich die Freigabe von Marihuana als Freizeitdroge in Kanada vom Sommer auf den frühen Herbst verschieben wird. Am vergangenen Dienstag stimmte der kanadische Senat für das Gesetz C-45, auch bekannt als „The Cannabis Act“. Damit ist die gesetzliche Hürde, bevor Marihuana in Kanada legalisiert werden kann, genommen.

In Deutschland - und auch in Österreich - wo die Diskussion um eine Freigabe von Cannabis auch als Genussmittel immer wieder aufflammt, gibt es Anzeichen, dass es zumindest für den medizinischen Bereich eine Liberalisierung geben könnte. Auf Rezept ist der Kauf in Deutschland seit dem Vorjahr erlaubt. In Österreich soll Sozialministerin Hartinger-Klein (FPÖ) die Zulassung von Cannabis als Arzneimittel bis Anfang 2019 prüfen lassen.

Nicht betroffen vom Verbot des Listings sind übrigens Pharmaunternehmen, die auf Cannabis basierende Medikamente herstellen, wie etwa das britische Unternehmen GW Pharmaceuticals, das seit Jahren das Mittel Sativex zur Behandlung von Multiple-Sklerose-Beschwerden vertreibt.

Analysten sehen den legalen Handel mit Cannabis für die nächsten Jahre als explodierenden Markt. Grand View Research etwa erwartet, dass der Markt von rund acht Milliarden Dollar bis 2025 ein globales Volumen von 55,8 Milliarden Dollar erreichen wird. Die Brightfield Group prognostiziert konservativer und geht von einem Marktpotenzial von 31,4 Milliarden Dollar bis 2021 aus. Deutsche Anleger können an dem Boom indes nun nur noch über ausländische Börsen teilhaben.

(red)