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Insider-Information

Spekulation mit dem Brexit: Manipulierte Farage den Währungsmarkt?

In einem Interview, das der Fernsehsender Sky News kurz nach dem Schließen der britischen Wahllokale um 22 Uhr mit Farage geführt hatte, sprach dieser von einer sich abzeichnenden Niederlage der Austrittsbefürworter.
In einem Interview, das der Fernsehsender Sky News kurz nach dem Schließen der britischen Wahllokale um 22 Uhr mit Farage geführt hatte, sprach dieser von einer sich abzeichnenden Niederlage der Austrittsbefürworter.(c) APA/AFP/NIKLAS HALLEN
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Hat Nigel Farage in der Nacht des Brexit-Referendums den Währungsmarkt bewusst manipuliert?

London. Dass das Votum für den Austritt Großbritanniens aus der EU am 23. Juni 2016 selbst für die britischen Europafeinde überraschend kam, hat bis dato als Beweis für die Unwägbarkeit von Volksabstimmungen gegolten – schließlich hatte selbst Nigel Farage, oberster Austrittsbefürworter und damaliger Chef der EU-feindlichen UKIP-Partei, am Abend des Referendums verfrüht die Niederlage eingestanden, bevor erste Hochrechnungen auf einen Sieg des Brexit-Lagers hindeuteten. Doch Farages damaliges Eingeständnis der Niederlage erscheint mittlerweile in einem anderen Licht. Denn nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg hat ein Investor aus dem persönlichen Umfeld des UKIP-Chefs im Vorfeld gegen das britische Pfund spekuliert – und am Wahlabend Millionen verdient.

In einem Interview, das der Fernsehsender Sky News kurz nach dem Schließen der britischen Wahllokale um 22 Uhr mit Farage geführt hatte, sprach dieser von einer sich abzeichnenden Niederlage der Austrittsbefürworter. Doch nach Recherchen von Bloomberg soll der UKIP-Chef zu diesem Zeitpunkt bereits eine nicht veröffentlichte Wählerbefragung des Meinungsforschungsinstituts Survation zugespielt bekommen haben, der zufolge die Briten knapp für den Brexit gestimmt hätten. Survation-Chef Damian Lyons-Lowe gilt als Freund von Farage.

 

Wetten auf den Wertverfall

Nach Farages Auftritt und der Veröffentlichung einer ersten vorläufigen Schätzung des Instituts YouGov, wonach sich die knappe Mehrheit der Briten für den Verbleib in der EU ausgesprochen hätte, legte die britische Währung zum US-Dollar deutlich zu. Doch der Kursgewinn war nur von kurzer Dauer – als sich der Sieg der Brexit-Befürworter abzuzeichnen begann, ging das Pfund in die Knie und verbilligte sich binnen weniger Stunden von knapp über 1,50 auf knapp über 1,30 US-Dollar.

Für Hedgefonds, die im Vorfeld mit dem Wertverlust der britischen Währung gerechnet und entsprechende Positionen auf dem Währungsmarkt bezogen hatten, war der knappe Ausgang des Referendums äußerst lukrativ. Gemäß Bloomberg verdiente der Fonds Odey Asset Management in der Wahlnacht rund 300 Millionen Pfund mit Wetten auf den Wertverfall.

Der Gründer von Odey Asset Management, Crispin Odey, ist ein langjähriger Vertrauter und Unterstützer von Farage und war einer der Hauptsponsoren der Austrittskampagne. (ag./red.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.06.2018)