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Niemand ist glücklich mit der Bologna-Umstellung

Bologna Gute Studienplaene gibts
(c) AP (Thomas Kienzle)

Studenten, Universitäten und das Ministerium wünschen sich eine Überarbeitung der Bologna-Umsetzung. Der Bachelor-Abschluss bleibt unbeliebt. Bologna sollte die Mobilität fördern, eingetreten ist das Gegenteil.

Mit der Umstellung auf das Bologna-Studiensystem ist niemand so recht zufrieden - weder die Studenten, noch die Rektoren, noch das Wissenschaftsministerium. Studentenvertreter sprechen von "katastrophalen Auswirkungen" der nationalen Umsetzung. Auch Rektorenchef Hans Sünkel fordert ein "Re-Engineering", da er mit der bisherigen Umsetzung unzufrieden ist. Im Zentrum der Kritik stehen die Bachelor-Lehrpläne, für die die Unis selbst zuständig sind. Die wurden bekanntermaßen in vielen Fällen überladen und bieten nun wenig Freiraum.

Die Universitäten wissen das und sparen auch nicht mit Selbstkritik: Man sei "da und dort mit sportlichen Ambitionen etwas über das Ziel geschossen und versucht, die ehemaligen Diplomprogramme zu dicht zu packen", sagt Sünkel. Ein weiteres Problem, das vielen Studenten das Leben schwermacht, sind die von Uni zu Uni differierenden Studienpläne. Weil es "keine großen Vorgaben" gegeben habe, hätten die Unis eigene Vorstellungen entwickelt, betonte Sünkel. So soll zwar Bologna die Mobilität fördern, doch ein Uni-Wechsel ist teils nicht einmal in Österreich problemlos möglich.

Hintergrund

Die Bildungsminister von 29 Staaten haben 1999 im italienischen Bologna einen europäischen Hochschulraum vereinbart. Grundlage dafür ist eine einheitliche Studienstruktur mit den aufeinander aufbauenden Abschlüssen Bachelor, Master und Promotion.

Studenten und Unis fordern Neuordnung


Für die weitere Zukunft des Bologna-Prozesses in Österreich wollen die Unis und die ÖH das Wissenschaftsministerium in die Pflicht nehmen. Es brauche es die Koordinierung durch das Ministerium und letztlich den Hochschul-Plan für eine Neuordnung der tertiären Bildungslandschaft. Die Berufung auf die Autonomie der Unis wäre ein "Abschieben von Verantwortung".

Keine guten Curricule "zum Nulltarif"

WU-Rektor Christoph Badelt will aber für die Unis nicht die Rolle des Sündenbocks akzeptieren. Er warnt vor der Verallgemeinerung "Bologna ist gut, die Unis haben es aber schlecht umgesetzt". Es mache "natürlich einen Unterschied, ob eine Umstellung mit einer Erweiterung der Ressourcen verbunden wird oder nicht". Ähnlich argumentierte der Vizerektor der Uni Wien, Arthur Mettinger. "Es ist schwer, Curricularreformen zum Nulltarif zu machen."

Tipps an die Studenten angesichts der angekündigten Proteste anlässlich des Bologna-Gipfels haben die Rektoren auch. Die Studenten sollten sich für ihre Anliegen in den Gremien einsetzen, statt auf der Straße, so Badelt. "Es gibt keinen einzigen Studienplan, der ohne Mitwirkung der Studenten zustande gekommen ist", meinte Mallinger. Dass sich die Studenten trotzdem nicht einbezogen fühlten, "mag ein strukturelles Problem der Studentenvertretung sein", so Badelt. Allerdings wurde auf viele Probleme bei der Umstellung erst durch den Studentenprotest aufmerksam gemacht.

Kann es das Ministerium besser?

Bei der Erarbeitung neuer Studienpläne gehe es immer auch um einen Ausgleich der Interessen zwischen den einzelnen universitären Gruppen bzw. der einzelnen Fächer, so Badelt. "Da zahlen wir auch den Preis für die Selbstverwaltung in diesem Bereich." Im Gegensatz zu Sünkel will er aber das Ministerium nicht zu sehr involvieren: "Warum soll der Minoritenplatz das besser machen?"

Der Bachelor und der Arbeitsmarkt

Die dem Bachelor-Abschluss oft vorgehaltene mangelnde Beschäftigungsfähigkeit relativierte Mettinger. Die Unis hätten die Aufgabe, beruflich vorzubilden. Neben der vielfach geforderten "Employability" müssten sie außerdem auf weiterführende Masterstudien vorbereiten.

Eine solche Sicherstellung der Beschäftigungsfähigkeit durch den Bachelor-Abschluss hat die TU Wien laut Vizerektor Adalbert Prechtl gar nicht erst angestrebt. Der Arbeitsmarkt orientiere sich nach wie vor am alten Diplomstudium mit dem Abschluss Diplomingenieur. Die Studien seien deshalb nicht verdichtet, Wahlmöglichkeiten nicht eingeschränkt worden. Was früher die Studienzweige bei den Diplomstudien gewesen seien, seien nun die Masterstudien. Das Bachelorstudium selbst habe man als "breite Grundausbildung" konzipiert. Die Studenten müssten sich nicht von Anfang an spezialisieren: "Das wäre sonst das Profil einer Fachhochschule."

Medizin-Bachelor

An den Medizinunis ist die Implementierung des Bachelor/Master/PhD-Systems erst seit Herbst 2009 theoretisch möglich. Der Vizerektor der Medizin-Uni Wien, Rudolf Mallinger, hält persönlich eine solche Umstellung für eine "Chance". Man habe doch einen gewissen Anteil an Absolventen, die nie einen ärztlichen Beruf ergreifen, sondern etwa in das Pharmawesen oder den Public-Health-Bereich gehen wollen. Diesen könnte man so frühzeitig Alternativen eröffnen.

(ros/APA)