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47 Millionen Euro Verlust - Lichtkonzern Zumtobel sucht neue Strategie

APA/BARBARA GINDL
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Der Vorarlberger Lichtkonzern Zumtobel ist tief in die roten Zahlen gerutscht. Sämtliche Strukturen, Unternehmensabläufe, aber auch Geschäftsbereiche, Absatzmärkte, Marken- und Produktportfolios werden auf den Prüfstand gestellt. Die Aktie bricht an.

Nach der Ära von Ulrich Schumacher, der geholt worden war, um den Lichtkonzern profitabler zu machen, steht die Vorarlberger Zumtobel-Gruppe im Finsteren: Im abgelaufenen Geschäftsjahr gingen die Erlöse um 8,2 Prozent auf knapp 1,2 Milliarden Euro zurück. Das operative Ergebnis vor Sondereffekten brach von 72,4 auf 19,7 Millionen Euro ein. Unterm Strich steht ein Verlust von 46,7 Millionen Euro nach zuvor noch 25,2 Millionen Euro Gewinn. Aufgrund des geringeren Cashflows aus dem operativen Geschäft und der höheren Investitionstätigkeit reduzierte sich der Free Cashflow im Berichtsjahr auf minus 23,9 Millionen Euro (Vorjahr plus 69,4 Millionen Euro) und die Nettoverbindlichkeiten erhöhten sich zum Bilanzstichtag um 55,3  auf 146,3 Millionen Euro. Für eine Dividende ist deshalb kein Spielraum, zumal mit weiteren Umsatzrückgängen gerechnet wird und Einmalbelastungen aus einer strategischen Neuorientierung als sehr wahrscheinlich eingestuft werden.

An der Börse wurde es finster nach dieser Ankündigung. Die Aktie brach am Donnerstag in der Früh an der Wiener Börse um satte 16,77 Prozent auf 6,70 Euro ein.

"Die wirtschaftliche Entwicklung im zurückliegenden Geschäftsjahr war enttäuschend. Der Vertrauensverlust von wichtigen Stakeholdern wie etwa den Kunden und dem Kapitalmarkt als auch das schwierige Industrieumfeld haben deutlich gezeigt, dass strategische sowie organisatorische Anpassungen notwendig sind, um das Unternehmen erfolgreich für die Zukunft aufzustellen. Wir, der neu formierte Vorstand, haben in den letzten Monaten dringende operative Maßnahmen zur Stabilisierung des Geschäftes eingeleitet und arbeiten mit Hochdruck an einer Zukunftsstrategie für die Zumtobel Group. Den Weg der strategischen Neuorientierung werden wir mit vollem Engagement und mit aller Konsequenz einschlagen", versprich der neue CEO Alfred Felder.

Er bezeichnet das laufende Geschäftsjahr als Übergangsjahr. Sämtliche Strukturen, Unternehmensabläufe, aber auch Geschäftsbereiche, Absatzmärkte, Marken- und Produktportfolios werden ergebnisoffen auf den Prüfstand gestellt. Spätestens bis zur Veröffentlichung des Ergebnisses zum 1. Quartal 2018/19 am 4. September will der Konzernvorstand die neue Strategie zur Führung des Unternehmens sowie überarbeitete Mittelfristziele präsentieren.

Zumtobel beschäftig rund 6200 Mitarbeiter, davon mehr als 2300 in Österreich, mehrheitlich in Vorarlberg. Die Anzahl aktiver gewerblicher Schutzrechte von derzeit 8128 – darunter 4728 Patente – spricht für die Innovationskraft des Unternehmens. Der Bereich F&E konzentriert sich neben der Weiterentwicklung der LED-Technologie auf die zunehmende Intelligenz der Systeme. Der LED-Anteil am Gruppenumsatz liegt bereits bei knapp 80 Prozent.

Der Konzern hat im Vorjahr 73,4 Millionen Euro investiert. Der im Juli 2017 gestartete Bau des neues Produktionswerkes in Serbien und der im Oktober 2017 finalisierte Verkauf des  Produktionswerks in Les Andelys (Frankreich) sowie die Entscheidung, Teile der Komponentenproduktion über die nächsten Jahre schrittweise nach Serbien zu verlegen, gelten als  wichtige Meilensteine zur Unterstützung der mittelfristigen Profitabilität. Allerdings reichten weder diese langfristig ausgerichteten Schritte noch kurzfristig eingeleitete Einsparmaßnahmen aus, um im intensiven Preiswettbewerb zu bestehen.