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Deutsche Bank fällt bei Stresstest durch

FILE PHOTO: Deutsche Bank's annual meeting in Frankfurt
REUTERS
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Blamage für das ohnedies angeschlagene Finanzinstitut in den USA: Als einziges von 34 Instituten hat sie den zweiten Teil der Belastungsprobe nicht bestanden. Die Anleger hat das kalt gelassen.

Rückschlag und Blamage für den neuen Chef Christian Sewing: Die Deutsche Bank ist beim zweiten Teil des US-Stresstests der großen Geldhäuser als einziges Institut durchgefallen. Der Test habe teilweise "erhebliche Schwächen" bei der US-Tochter des größten deutschen Geldhauses offenbart, teilte die US-Notenbank Federal Reserve mit. Die erste Runde der Belastungsprobe, deren Ergebnisse vor einer Woche veröffentlicht worden waren, hatte die Deutsche Bank noch erwartungsgemäß bestanden. Beim zweiten Teil hatten die meisten Experten schon damit gerechnet, dass die Bank die Aufseher nicht überzeugt. Das Institut hatte bereits 2015 und 2016 die Anforderungen nicht erfüllt.

Die Anleger hat das Scheitern der Deutschen Bank am Freitag kalt gelassen. Die Aktien stiegen zeitweise um 2,6 Prozent auf 9,30 Euro. "Es war erwartet worden, dass die Bank durchfällt, und war schon weitgehend im Aktienkurs eingepreist", sagte Aktienanalyst Heino Ruland von Ruland Research. Die Deutsche-Bank-Titel waren kürzlich auf ein Rekordtief von 8,76 Euro gefallen.

Die Notenbank erklärte zur Begründung, sie habe
"weitreichende und kritische Defizite" bei der Kapitalplanung
des Instituts gefunden. Etwa sei es um die Datenverfügbarkeit
und die internen Kontrollen bei der DB USA Corporation nicht gut
bestellt, ebenso seien Mängel beim Risikomanagement, bei
internen Prüfungen und bei den Verfahren und Annahmen gefunden
worden, mit denen das Geldhaus Prognosen etwa für den künftigen
Geschäftsverlauf erstellt. Unter dem Strich sei es daher
zweifelhaft, dass die Deutsche Bank ihren Kapitalbedarf korrekt
einschätzen und planen kann.

Weniger US-Präsenz

Die Deutsche Bank erklärte, sie habe umfangreich investiert,
um ihre Kapitalplanung sowie ihre Kontrollen und Infrastruktur
zu verbessern. Die DB USA Corporation habe dabei "bereits
Fortschritte erzielt. Hierauf aufbauend wird sie ihre
Anstrengungen fortsetzen und dabei weiterhin konstruktiv mit den
Aufsichtsbehörden zusammenarbeiten, um ihren eigenen und den
Erwartungen der Regulatoren gerecht werden." Ob der negative
Test dazu führen könnte, dass die Deutsche Bank ihre Präsenz in
den USA weiter zurückfährt als ohnehin bereits geplant, ist
unklar. Zusätzliche Veränderungen in den USA scheinen jedoch
unausweichlich.

David Hendler, Analyst bei der Beratungsfirma Viola Risk
Advisors, verglich die Deutsche Bank mit einem Flugzeug, "das
nicht sicher ist, weil seine Systeme nicht funktionieren. Wie
kann eine Bank, die eine der größten Handelsadressen in der Welt
ist, nicht die minimalsten Sicherheitsvorkehrungen haben? Das
ist schon erstaunlich." Es sei nun nicht zuletzt die Aufgabe der
europäischen Aufseher, die Bank an die Kandare zu nehmen. "Es
scheint fast so, als wollten die nicht die Verantwortung für
diese Bank übernehmen und lassen die Fed den bösen Jungen
spielen und mit dem Finger drohen."

Die US-Banken werden seit 2013 einer umfassenden Analyse
(CCAR - Comprehensive Capital Analysis and Review) der Aufseher
unterzogen. Besteht ein Institut den CCAR-Test nicht, kann die
Fed Dividenzahlungen oder Aktienrückkaufprogramme der Geldhäuser
verweigern. Auslandsbanken dürfen unter Umständen dann kein
Kapital an ihre Mutterkonzerne auszahlen.

Die Deutsche Bank gehört zur Gruppe von Instituten, die von den Aufsehern wegen ihrer Größe, ihrer Vernetzung innerhalb des Finanzsystems und wegen ihrer Geschäfte besonders kritisch unter die Lupe genommen werden. Vor einigen Jahren hatte der Internationale Währungsfonds das Frankfurter Geldhaus sinngemäß als riskanteste Bank der Welt bezeichnet. Vor allem ihr Derivatebestand im sogenannten Handelsbuch gilt vielen Expertenals sehr riskant.

Schweizer Banken bestehen

Der seit April amtierende Vorstandschef Christian Sewing hat
dem Institut eine umfassende Rosskur verordnet. Er will sich
künftig stärker auf Geschäfte in Deutschland und Europa
konzentrieren und hat insbesondere in den USA und am Standort
London zahlreiche Stellen im zuletzt schwächelnden
Investmentbanking gestrichen. Die jetzt unter die Lupe genommene
DB USA Corporation steht mit einer Bilanzsumme von 133
Milliarden Dollar für rund sieben Prozent der Bilanzsumme des
gesamten Deutsche-Bank-Konzerns und 28 Prozent aller
Geschäftseinheiten der Deutschen Bank in den USA.

Die Schweizer Großbanken UBS und Credit
Suisse bestanden den zweiten Teil des Stresstests in den
USA. Insgesamt mussten sich 34 Institute der zweiteiligen
Belastungsprobe unterziehen. Die beiden großen
US-Investmentbanken Goldman Sachs und Morgan Stanley
kamen bei dem Test zwar durch, allerdings nur mit Blessuren.
Ihre Kapitalplanung wurde von der Fed "unter Bedingungen"
angenommen.

(Reuters)