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Das Wichtigste für die Wiener: A schöne Leich

(c) Theatermuseum
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Die Mahler-Ausstellung zum Geburts- und Todestag setzt auf die Aura der Person, zeigt sie aber nicht.

„Die Himmelstraße in Grinzing war gestern Nachmittag so dicht mit Menschen besät, wie kaum an Sonntagen.“ Dass die Wiener nichts mehr lieben als eine „schöne Leich“, galt auch für den von manchen gehassten Hofopern-Direktor Gustav Mahler (1860–1911). Er hat dieses Jahr 150. Geburtstag und nächstes Jahr 100. Todestag. Das Theatermuseum widmet ihm eine Ausstellung, mit der gleichzeitig die mit neuester Technik ausgestatteten Schauräume im ersten Stock eingeweiht werden: 1,9 Mio. Euro spendierte das Bildungsministerium. Frühlingsgrün dominiert das Dekor für Mahler, der eher ein düsteres Image hat: Der Vater, ein Weinbrenner aus Böhmen, schlug die Mutter, Mahler musste seine Geschwister versorgen, seine Tochter starb an Diphtherie, er selbst an einem Herzleiden.

Zum „Zölibatär“ stempelte ihn seine Witwe Alma. Sie, die Mahlers Bild für die Nachwelt mitprägte und ihn mit dem Architekten Walter Gropius betrog – was den Komponisten zu Freud trieb –, ist in der Schau bloß eine Fußnote. Dabei musste Alma für Mahler das Komponieren aufgeben. Die Mahler-Schau im Theatermuseum hält sich fern von Psychologie und Tratsch. Sie zeichnet das Bild eines Musik-Maniacs, der am geistigen Leben seiner Zeit regen Anteil nahm, den seine Arbeit immer wieder verschlang, der aber auch in geradezu kindliche Begeisterung übers Radfahren verfallen konnte („Ich werde noch Geheimrad!“) und schönen Frauen durchaus zugetan war.

Mahlers Musik, die einst schmerzend dissonant wirkte, ist längst Bestandteil des „Klassik“-Kanons. Die Klangkulisse im Museum, illustriert von der Salzburger Medienkünstlerin Claudia Rohrmoser, versammelt „Kennmelodien“ aus Mahlers Werk, z. B. den „Walzer“ aus der IX. Symphonie. Interessant ist die Positionierung Mahlers zwischen den „Alten“ – Wagner, Brahms – und den „Neuen“ – Schönberg, Berg.

 

Oper ist mehr als Musik

Obwohl die Schau ästhetisch erfindungsreicher ist als frühere – hinter der Lebendigkeit der Kunst, der Aura der Person bleibt sie zurück, wirkt allzu akademisch, trocken. Man flüchtet sich in die üblichen Formeln von der Einmaligkeit, der Kompromisslosigkeit, des Strebens nach dem Gesamtkunstwerk.

Sätze wie „Rein musikalische Erfolge sind auf dem Theater gar keine Erfolge“ dürften manchem Opernfan auch heute noch zu denken geben. Seinerzeit war es vor allem die antisemitische Presse, die Mahler vertrieb. Trotz großer Erfolge in New York kam er nicht los: „Leider bleibe ich ein eingefleischter Wiener“, sagte er. Todkrank überquerte er noch einmal den Atlantik, um in seiner Heimatstadt zu sterben. (Bis 3. 10.).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.03.2010)