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Österreich bei Maklerprovisionen "Europameister"

(c) Clemens Fabry
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Am Mittwoch übte die Arbeiterkammer (AK) erneut Kritik an der Höhe der Maklerprovisionen: Dabei handle es sich um die höchsten in ganz Europa. In Deutschland zahlten Mieter nur halb so viel.

Wien (b.l.). Wer in Österreich eine Wohnung mietet und dafür einen Makler einschaltet, zahlt bei erfolgreicher Vermittlung drei Bruttomonatsmieten (Miete und Betriebskosten) an Maklerprovision. Der Vermieter zahlt häufig nichts (vom Gesetz her dürfte der Makler auch von ihm bis zu drei Bruttomonatsmieten verlangen). Wer eine Immobilie kauft oder verkauft, muss bis zu drei Prozent des Kaufpreises an den Makler entrichten, bei kleinen Wohnungen mitunter mehr.

Am Mittwoch übte die Arbeiterkammer (AK) erneut Kritik an der Höhe der Maklerprovisionen: Dabei handle es sich um die höchsten in ganz Europa. In Deutschland zahlten Mieter nur halb so viel, in Belgien und den Niederlanden gar nichts: Dort zahle nur der Vermieter. Auch in Großbritannien und Irland falle nur für den Auftraggeber eine Provision an. In Österreich zahlen dagegen Mieter oder Käufer auch dann, wenn Vermieter oder Verkäufer den Makler beauftragt haben, kritisiert die AK. Und legt eine Ifes-Studie vor, derzufolge die Beratung durch Makler oft mangelhaft sei: Mieter würden wenig über die tatsächliche Höhe der Wohnkosten, Käufer kaum über anstehende Reparaturen informiert. Einmal mehr fordert die AK eine Senkung der Provisionen.

 

„Qualität würde sinken“

Das Regierungsprogramm sieht indes seit drei Jahren eine Senkung der maximalen Höhe von drei auf zwei Monatsmieten vor. Doch soll dieser Schritt „in Zusammenarbeit mit der betroffenen Berufsgruppe“ erfolgen, also den Maklern. Und die wehren sich: Die Beratungsqualität würde sinken, da es nicht mehr möglich wäre, bei allen Besichtigungen mitzugehen, argumentiert man.

Auch über den Vergleich der AK ärgert man sich beim Fachverband der Immobilientreuhänder in der Wirtschaftskammer und beim Österreichischen Verband der Immobilientreuhänder (ÖVI): Dabei würden Äpfel mit Birnen verglichen. So würde in anderen Ländern die Vermittlung oft durch die Hausverwaltung durchgeführt, die später pro Monat einen Anteil der Miete als Provision erhalte.

Auch die Forderung, dass der Vermieter stärker zur Kasse gebeten werden soll, gehe ins Leere, meint Anton Holzapfel vom ÖVI: Anderswo könnten Vermieter die Maklerkosten über die Miete an die Mieter weitergeben. In Österreich ist das laut Mietrechtsgesetz nicht zulässig.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.03.2010)