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Maschek: Der letzte Tag der Menschheit

Maschek letzte Menschheit
(c) ORF (Hubert Mican)
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Maschek liefern in „090909“ eine skurrile Weltuntergangsshow – mit Schweizer Terror und Obama.

9/11 hat die Welt verändert: Terror und Maßnahmen zur Vermeidung desselben beherrschen die Welt. Maschek wählten für ihr neuestes Programm den 09.09.'09 als Tag, der die Welt verändert. 100 Stunden Filmmaterial der ganzen Welt haben sie an dem Tag gesammelt und daraus eine skurrile Tragikomödie gebastelt, in der es auch einen Ground Zero gibt – der aber bald die ganze Welt einnimmt. Und das alles wegen eines dummen Fehlers von Naturschützern, die ein Datum in der 9/11-Schreibweise einstellen statt im europäischen Format.

Wie das? Der Plot startet in Ittoqqortoormiit beim Nordpol, wo zwei Aktivisten von „Global Warning“ ein Ein-Jahres-Ultimatum an die Welt stellen: Sollten bis dahin die Kyoto-Ziele nicht erreicht sein, werde ein Reaktor das Arktiseis abschmelzen und die Erde vernichten. Schon tippt der Schweizer Terrorist Urs das Ultimatum ein: 10-09-09. Worauf sein Kollege Jean-Luc schimpft: „Doch nicht die amerikanische Schreibweise! Jetzt hat die Welt nur einen Tag Zeit!“

 

Satire über „furztrockenen Umweltschutz“

Diesen letzten Tag der Erde zeigen Maschek in kurzweiliger Form ihrer synchronisierten Videosequenzen. „,090909‘ ist das erste satirische Kabarett über das furztrockene Thema Umweltschutz und Nachhaltigkeit. Die Herausforderung war, daraus etwas Lustiges zu machen“, sagte Peter Hörmanseder von Maschek im FM4-Interview. Das ist geglückt: Doch das Lustige steckt nicht in der großen Story, sondern in den vielen Details, die vom kindischen Geblödel bis zum intelligenten Denkerschmäh reichen. Der Weltuntergangsstory hätte mehr wissenschaftlicher Touch à la An Inconvenient Truth aus dem Hause Al Gore nicht geschadet, denn so wird mit der Angst, wir seien selbst dran schuld, dass die Erde untergeht, nur Klamauk betrieben. Diesen lässt man sich aber gerne gefallen, wenn Maschek vorspielen, wie verschiedenste Nationen auf den bevorstehenden Weltuntergang reagieren.

So rät Obama, alle CO2-Emissionen sofort zu stoppen, China hofft, das Kyoto-Ziel zu erreichen, wenn jeder Chinese die Luft anhält, Sarkozy befürchtet, dass den Galliern der Himmel auf den Kopf fällt, die Mexikaner opfern dem Popocatepetl Jungfrauen, Prinz Charles ermordet seine Mutter, um für einen Tag King Charles zu sein, und Eliteschüler aus Wien suchen nach der Weltformel. Doch zur Rettung der Welt fehlt leider die richtige Koordination. Und am Ende darf Maschek zeigen, wie lustig das Weltretterlied „We are the world“ wirkt, wenn das Ende wirklich naht. Fazit: We were the world.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.03.2010)