FPÖ empört über Inszenierung der Nestroy-Spiele Schwechat

Wer bestimmt, was auf der Bühne passiert?
Wer bestimmt, was auf der Bühne passiert?Die Presse

Der Gemeinderat Wolfgang Zistler spricht von einer „politischen Schmierenkomödie“ und droht mit Subventionsentzug. Intendant Peter Gruber sieht ein „bedenkliches Zeichen“.

Die diesjährige Inszenierung der Nestroy-Spiele Schwechat sorgt für Empörung bei der Schwechater FPÖ. Der freiheitliche Gemeinderat Wolfgang Zistler bezeichnete die Aufführung nach der Generalprobe in einem Posting als "politische Schmierenkomödie". Er fordere eine Änderung der strittigen Passagen und eine Entschuldigung der Verantwortlichen, meinte Zistler am Sonntag gegenüber der APA.

Laut dem Freiheitlichen wurde bei der Inszenierung Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) durch den Kakao gezogen. Weiters werde die türkis-blaue Bundesregierung als "großteils braun" bezeichnet, darauf folge ein Hitlergruß durch einen Akteur.

"Ich bin zur Pause gegangen, das wollte ich mir nicht weiter anschauen", sagte Zistler. "Das ist eine Kulturveranstaltung und kein politisches Kabarett." Außerdem sei das eine Beleidigung für die ÖVP- und FPÖ-Wähler in Schwechat. Die Aufführung sei "weit unter der Gürtellinie" gewesen.

Sollten die Passagen nicht geändert werden, werde die FPÖ den Subventionen für die Nestroy-Spiele nicht mehr zustimmen. Laut Zistler erhält die Kulturveranstaltung rund 45.000 Euro von der Stadt. Die FPÖ besetzt im Gemeinderat acht von 37 Mandaten.

„Zurück ins Biedermeier“

Es sei das erste Mal seit 46 Jahren, dass die im Volkstheater üblichen Zusatzstrophen mit Drohungen und Subventionsentzug beantwortet würden, meinte Langzeitintendant Peter Gruber. "Das ist schon eine Klimaveränderung starken Ausmaßes, die wieder zurück ins Biedermeier führt", so Gruber. Er sehe keinen Grund, etwas zu ändern. "Das würde ja einer Zensur gleichkommen." Auch Entschuldigung sei keine vorgesehen. Er wolle die Reaktion der FPÖ nicht überbewerten, meinte der Intendant. Es sei aber dennoch ein "bedenkliches Zeichen".

Für die Aufregung hatte der Intendant kein Verständnis. Diese satirischen Zusatzstrophen hätten vor wenigen Jahren "niemand hinter dem Ofen hervorgelockt". "Bei jedem Villacher Fasching werden schlimmere Witze gemacht", sagte Gruber. Zudem würden Zistlers Schilderungen nicht ganz stimmen. So gebe es beispielsweise keinen Hitlergruß sondern nur eine "drei Bier Bestellung".

Die Grünen zeigten sich in einer Aussendung erstaunt und empört über die Freiheitlichen. Laut Gemeinderat Manfred Smetana handelt es sich bei der Inszenierung um eine "satirische Auseinandersetzung" mit zeitgenössischen Erscheinungen. Dass auch die FPÖ darin vorkomme, liege an der momentanen politischen Konstellation. Angesichts der Aussagen von Zistler werde man "alles unternehmen, um zu verhindern, dass er seine Drohung wahr machen kann", meinte Smetana.

Die Nestroy-Spiele Schwechat inszenieren im 46. Jahr "Zu ebener Erde und erster Stock" im Hof von Schloss Rothmühle (Rannersdorf). Premiere war am 30. Juni.