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Büroporträt

ÖAMTC: Die Schreibtische hinter dem gelben Reifen

Eine Begegnungsinsel im Gang
Eine Begegnungsinsel im GangDie Presse (Carolina Frank)
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Schöner arbeiten Atrium, Großraumbüro, Rollcontainerkunde. Die offene Bürowelt der Wiener ÖAMTC-Zentrale setzt auf fixe Arbeitsplätze und unsichtbare Hierarchien.

"Mittlerweile dominieren wir die Tangente und nicht umgekehrt", darauf ist Oliver Schmerold, Direktor des ÖAMTC, durchaus stolz. Er kann sich nämlich noch daran erinnern, als er seinen Mitarbeitern 2013 die "unbebaute Gstetten" neben der Stadtautobahn als Baugrund der neuen Wiener Zentrale präsentiert hat. Die Begeisterung war überhörbar. Die Ausgangssituation waren fünf Standorte in und um Wien - alle unterschiedlich alt, mit teilweise hohem Sanierungsbedarf, alle zu klein.

800 Mitarbeiter aus unterschiedlichen Welten - Nothilfe Callcenter, Werkstatt, Rechtsberatung, Schulungszentrum, Redaktion u.v.m. - unter einem neuen Dach neben der A23 zu vereinen, war ein großer Schritt. "Es war kein reines Immobilienprojekt, sondern ein Transformationsprozess für das gesamte Unternehmen", sagt Schmerold beim Rundgang durch das vor eineinhalb Jahren besiedelte Haus. Um es den Mitarbeitern einfacher zu machen, wurden sie in den Planungsprozess von Anfang an eingebunden. Sie haben mit Baukästen ihre eigenen Abteilungen - ihren "Finger" wie man im ÖAMTC-Slang sagt - mitgestaltet. Und im Grunde lieferten sie sogar die Grundidee für die Architektur.

Gemeinsam umziehen

"Wir hatten damals einen Tages-Workshop mit 80 Mitarbeitern, bei dem am Ende eine kreisförmige Grafik mit Bildern stand. Dieses Moodboard war eine Darstellung, wie wir uns als ÖAMTC sehen wollen." In der Mitte stand das Unternehmen, rundherum seine Menschen und Kernleistungen. Das Moodboard ist auch in den Architektur-Wettbewerb eingegangen. "Die ausführenden Architekten von Pichler & Traupmann sagen nach wie vor, dass es ihre Hauptinspiration war". Deshalb dreht sich in dem 2017 eröffneten ÖAMTC-Mobilitätszentrum heute alles um eine vertikale Achse. Alle Funktionen des Gebäudes sind gleich weit vom Kern entfernt, dadurch wird den einzelnen Abteilungen, die sich in Strahlenform um das Haus drehen, keine unterschiedliche Wertung gegeben.

Akustik-Baffeln hängen von der Decke, Schallmatten stecken in den Wänden.
Akustik-Baffeln hängen von der Decke, Schallmatten stecken in den Wänden.Carolina Frank

Rollcontainer mit Gästebank

Kern der Einrichtungsidee war es, die Grenzen zwischen den Abteilungen zu "verschleifen". Bei der Umsetzung half eine Gruppe von 15 Mitarbeitern aus verschiedenen Bereichen - darunter keine Führungskräfte. Sie haben mit der Unterstützung von Experten den grundlegenden Büromöbelbaukasten entwickelt. Jede Abteilung benannte anschließend Flächenplaner, die sich der tatsächlichen Belegung, Rückzugsbereichen, Multimediadesks, der Anzahl der  Wände etc. annahmen. Zusammen mit zwei heimischen Möbelherstellern wurden die Bürobereiche dann final gestaltet. Neudoerfler wurde für die Arbeitsplätze beauftragt, Bene für alle Kooperationsplätze. Ein Rollcontainer mit eingebauter Sitzfläche für Ad-hoc-Gespräche wurde von den ÖAMTC-Mitarbeitern sogar selbst erfunden und von Neudoerfler ins Programm aufgenommen.

Im Rollcontainer verstecken sich nicht nur Schubladen.
Im Rollcontainer verstecken sich nicht nur Schubladen.Carolina Frank

Kein Schritt zu viel

Während andere neue Bürowelten auf fließende Arbeitsplätze setzen, hat sich der ÖAMTC dagegen entschieden. "Die fixen Arbeitsplätze waren am Ende meine Entscheidung", sagt Direktor Schmerold. "Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass das der eine Schritt zu viel gewesen wäre. Wir haben es berechnet und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass wir uns mit einem Flex Office Modell bestenfalls zehn Prozent der Arbeitsplätze ersparen würden. Auf der anderen Seite haben wir gesagt, dass der ÖAMTC für Sicherheit und Vertrauen steht und wir das unseren Mitarbeitern auch weitergeben müssen - und dazu zählt eben der eigene Arbeitsplatz". Und der ist für alle gleich groß.

Hier sitzt Oliver Schmerold, Direktor des ÖAMTC
Hier sitzt Oliver Schmerold, Direktor des ÖAMTC.Carolina Frank

Auf einen Blick

Das ÖAMTC-Mobilitätszentrum wurde 2017 nach sechs Jahren Planungs- und Bauarbeit offiziell eröffnet. 800 Mitarbeiter wurden damals aus fünf Wiener Standorten unter einem Dach vereint. 

  • Architektur: Pichler & Traupmann
  • Kosten: 76 Millionen Euro
  • Bürofläche: 27.000 m²
  • Adresse: Baumgasse 129, 1030 Wien

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