Wandelanleihen: „Jetzt wieder vernünftig bewertet“

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Experten rechnen für heuer mit Wertzuwächsen im höheren einstelligen Bereich.

Im Vorjahr gaben im Fixed-Income-Bereich Unternehmensanleihen ganz klar den Ton an. Wandelanleihen – auch „Convertible Bonds“ genannt – fristeten eher ein Schattendasein. Dabei blickt die Assetklasse auf ein durchaus erfolgreiches Jahr zurück, was Einjahresperformancezahlen zwischen 15 und 35 Prozent bei den Topfonds bestätigen. Für 2010 sind Experten etwas weniger euphorisch eingestellt, rechnen aber immerhin mit einer Wertentwicklung im höheren einstelligen Bereich.

„Unser Jahresausblick ist, im Vergleich zu anderen Fixed-Income-Klassen, gut“, so Gerhard Kratochwil, Manager des Convert Invest European Convertible Fund. Die Bewertungen seien – nachdem es zu Jahresbeginn in einigen hoch qualitativen Sektoren zu Überbewertungen gekommen sei – jetzt wieder vernünftig. Einen positiven Ausblick liefert auch Carl Fox, Head of Convertibles & Derivatives Strategy bei Union Investment und Manager des ConvertibleProtect-Invest. „Wir sehen Wandelanleihen derzeit als attraktive Chance, in den Aktienmarkt einzusteigen“, meint er.

Beim Management seines Fonds verfolgt Fox nach eigenen Angaben einen Absolute-Return-ähnlichen Ansatz. Ziel sei eine absolute Risikobegrenzung. Selbst in Jahren mit einer extrem negativen Performance sollen nicht mehr als zehn Prozent verloren werden. Den „Tsunamitest“ bestand der Fonds im für die Assetklasse katastrophalen Jahr 2008 – er büßte lediglich 5,96 Prozent an Wert ein. „Ganz wichtig ist, dass wir global investiert und auf Sektorenebene breit gestreut sind“, so der Experte.

Beim Wiener Wandelanleihenspezialisten Convert Invest setzt man ausschließlich auf europäische Wandelanleihen. Laut Kratochwil verlagert sich die Emissionstätigkeit zurzeit in mehrere Qualitätsbereiche. Viele Unternehmen würden dazu übergehen, Wachstum mit Convertible Bonds zu realisieren. Haben sie mit ihren Projekten Erfolg, sparen sie sich den Kupon und machen aus Investoren Miteigentümer.

Natürliche Verlustgrenze

Die herausragende Eigenschaft der „Mischwesen“ aus Aktien und Anleihen ist ihr asymmetrisches Verhalten. Der Anleihenteil stellt bei fallenden Märkten eine Art natürliche Verlustgrenze dar („Bond Floor“). Steigt der Markt, wird die Wandelanleihe quasi immer mehr zur Aktie, der Anleger kann von deren Kurspotenzial profitieren. Für die Manager von Wandelanleihenfonds stellt das „Delta“ ein entscheidendes Kriterium dar. Die Maßzahl umschreibt die Aktiensensibilität der Wandelanleihe. Bei einem Wert von 50 Prozent würde beispielsweise der Kurs der Wandelanleihe um fünf Prozent steigen, falls der Aktienkurs um zehn Prozent steigt. Im Idealfall ist das Delta so positioniert, dass zu zwei Dritteln vom Kurspotenzial der Aktie profitiert werden kann, Verluste aber nur zu einem Drittel durchschlagen. Treiben die Bären an den Märkten ihr Unwesen, kann das Delta auf null heruntergefahren werden. Laut Fox liegt die Aktiensensitivität beim ConvertibleProtect-Invest derzeit etwa bei 34 Prozent.

Nach Angaben von Klaus Göggelmann, Portfolio Manager bei Fisch Asset Management, eignen sich Wandelanleihen auch als Inflationsschutz. „Vor allem, wenn die Inflation steigt und gleichzeitig die Wirtschaft wächst.“ Convertible Bonds könnten darüber hinaus auch als Zertifikat auf Volatilität gesehen werden. Denn der Wert der Option, auf der das Wandelrecht beruht, steigt mit der Marktvolatilität. Erhöht sich die Schwankungsbreite an den Märkten, so steigt nicht nur Wert der Option, sondern auch der Wert der Wandelanleihe selbst.

Wandelanleihen gelten in Europa in erster Linie als Anlageprodukt für institutionelle Investoren. Als größter Markt für Convertible Bonds gelten die USA, und dort ist die Akzeptanz unter Privatanlegern ungemein größer. Sie investieren dort auch eher in Einzeltitel. Davon raten Experten allerdings ab: Zu viele Faktoren müssten berücksichtigt werden. „Selbst das Studium des in der Regel 40 bis 50 Seiten langen Verkaufsprospekts stellt für Privatanleger eine Herausforderung dar“, so Göggelmann. Die Tücke stecke oft im Detail.

Einige Risikofaktoren

Zu berücksichtigen ist etwa, ob bei Ausschüttung von Dividenden Anpassungen vorgenommen werden. Oder, wie das Aktienumtauschverhältnis im Falle einer Übernahme ausgestaltet ist. Ein weiterer Risikofaktor steckt in der sogenannten Contingent Conversion, wenn sich das Rating der Unternehmung verschlechtert und der Bonds zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt umgewandelt werden muss. Konservative Wandelanleihenmanager investieren daher nur, wenn der Investor das Recht zur Wandlung hat.

Trotz aller guten Aussichten warnt auch Fox davor, die Risken außer Acht zu lassen: „Das größte theoretische Risiko wäre eine Aktienmarktkorrektur, begleitet von einer Schwäche am Bondmarkt.“ Theoretisch möglich wäre auch ein Schock, der zu einer Rückkehr zur Risikoaversion führt. Allerdings gelte das grundsätzlich für alle Assetklassen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.03.2010)

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