Mit Erich Hechtner trifft Häupl eine Personalentscheidung für die Zeit danach.
WIEN. Es ist eine Weichenstellung für die Zeit nach Michael Häupl, die der Wiener Bürgermeister selbst vorgenommen hat – damit das riesige Schiff, der Wiener Magistrat, auf Kurs bleibt: Erich Hechtner, Chef des Kontrollamts (es deckt regelmäßig Missstände in den Weiten des Magistrats auf) wurde von Häupl zum Nachfolger von Magistratsdirektor Ernst Theimer designiert. Mit 1.Juli wird Hechtner seinen neuen Job offiziell antreten und damit zum mächtigsten Beamten Wiens aufsteigen.
In seiner Funktion wird er rund 80.000 Beamte dirigieren – als Chef der Wiener Verwaltung, des Krankenanstaltenverbundes und (voraussichtlich) als Aufsichtsrat bei Wiener Wohnen, den Stadtwerken (Wiener Linien, Wien Energie) und der Wiener Holding (Wohnbauträger, Museen etc.). „Wobei die wesentlichste Funktion nicht in einem offiziellen Papier steht“, heißt es im Rathaus: „Er ist die Schnittstelle zwischen Politik und Verwaltung.“ In anderen Worten: Der Magistratsdirektor berät den Bürgermeister üblicherweise in politischen (nicht zwingend parteipolitischen) Fragen, wie es im Rathaus heißt: „Damit hat er mehr Einfluss, als auf dem Papier steht.“ Hechtner, dessen fachliche Qualifikation unbestritten ist, übernimmt den Job, nachdem Theimer (63) in Pension geht – was im Rathaus für Spekulationen sorgt. Denn Theimer soll in der Vergangenheit erklärt haben: „Ich gehe, wenn Michael Häupl geht!“ Auch wenn Häupl diesen Ausspruch nie gehört haben will, wie der Wiener Bürgermeister der „Presse“ erklärt: Die jetzt eingetretene Amtsmüdigkeit Theimers hat für Häupl einen Vorteil. Verliert die SPÖ am 10.Oktober die absolute Mehrheit (wonach es laut Umfragen aussieht), muss sich Häupl nicht mit lästigen An- oder Einsprüchen eines noch lästigeren Koalitionspartners bei einer der wichtigsten Personalentscheidungen der Stadt quälen.
Spannend wird, wie Hechtner seinen Job anlegen wird: „Er kennt den Magistrat, er kennt unglaublich viele Missstände. Es ist die Frage, ob er damit kompromisslos aufräumen oder sich politisch arrangieren wird“, ist im Rathaus zu hören. Der Abgang Hechtners hinterlässt im Kontrollamt eine Lücke. Denn Häupl wünscht sich, dass Missstände beseitigt werden, bevor diese in der Öffentlichkeit Wellen schlagen und das Image von der „am besten verwalteten Stadt“ beschädigen; was auf Umfragewerte der SP-Stadtregierung zurückfallen würde. Für den Kontrollamts-Job kursiert derzeit nur ein Name: Peter Pollak, Leiter des Verfassungsdienstes im Magistrat.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.03.2010)