Kommt Kika/Leiner-Käufer Benko bei Kaufhof doch noch zum Zug?

Die Fusion von Karstadt und Kaufhof rückt näher
Die Fusion von Karstadt und Kaufhof rückt näherREUTERS

Die Eckpunkte einer Fusion der kriselnden deutschen Warenhauskette Kaufhof mit Konkurrent Karstadt stehen offenbar fest. Kika/Leiner-Käufer Benko soll mehr als die Hälfte der Anteile erhalten.

Die "Warenhaus AG" soll in Deutschland unter dem Druck der florierenden Online-Händler bald Realität werden: Die Eckpunkte einer Fusion der kriselnden Warenhauskette Kaufhof mit dem langjährigen Erzrivalen Karstadt stehen Insidern zufolge fest. Bis Ende Juli soll die Übernahme abgeschlossen sein, spätestens aber in sechs 6 Wochen. Das schrieb die "Süddeutsche Zeitung" am Donnerstagnachmittag (online).

Auch die künftigen Chefposten sollen schon verteilt sein: Leiten soll das Gemeinschaftsunternehmen demnach künftig Stephan Fanderl, der Chef von Karstadt und Signa Retail, der Einzelhandelssparte der Signa Holding von Rene Benko. Aufsichtsratschef soll zunächst der jetzige Kaufhof-Aufsichtsratschef Bernd Beetz werden. "Der Deal ist im Ganzen ausgehandelt", schreibt das Blatt unter Berufung auf Verhandlungskreise. Erforderlich sei nun noch eine bestätigende Prüfung der Bücher.

Gewerkschaft fordert Klarheit

Die "SZ" beschreibt bisherige Vertragsdetails aus der 200-seitigen Absichtserklärung: So sehe die Vereinbarung vor, dass Signa für etwa 100 Mio. Euro 51 Prozent des Warenhausgeschäfts von Kaufhof übernimmt, und zwar ohne Bankschulden. Diese sollen, so der Bericht, in einer Höhe von etwa 200 Mio. Euro aus steuerlichen Gründen von HBC abgedeckt werden. Für eine Summe zwischen 700 und 800 Mio. Euro beteilige sich Signa darüber hinaus an der Immobilienfirma HBS Global Properties von HBC, der 41 Kaufhof-Immobilien in Deutschland gehören.

Von den beteiligten Firmen war bisher weiter keine Stellungnahme erhältlich.

Die Arbeitnehmer forderten die Eigner der beiden Ketten auf, endlich für Klarheit zu sorgen. "Die Beschäftigten sind durch die Meldungen in der Presse verunsichert und machen sich Sorgen", sagte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger: "Wir fordern deshalb die Eigentümer auf, umfassend zum Sachstand zu informieren."

Mit Milliardenangebot abgeblitzt

Die Idee einer deutschen Warenhaus AG ist nicht neu: Der österreichische Immobilienunternehmer Benko, dem Signa gehört, hat schon mehrfach vergeblich versucht, Kaufhof zu übernehmen. HBC hatte seine Offerten in der Vergangenheit abgeschmettert - zuletzt im vergangenen Februar. Die damals von Benko gebotenen rund drei Milliarden Euro lägen deutlich unter dem Wert von Kaufhof und der damit verbundenen Immobilien-Werte, hatte HBC erklärt. Nun hat sich die Lage aber geändert - Kaufhof leidet unter laufenden Verlusten und auch HBC steht in seinem nordamerikanischen Heimatmarkt unter Druck. Gespräche über einen dringend benötigten Sanierungstarifvertrag bei Kaufhof liegen zudem auf Eis. Verdi-Verhandlungsleiter Franke will sie erst fortsetzen, wenn Klarheit über die Zukunft der Kette herrscht. Damit laufen Kaufhof die Kosten weiter davon, Karstadt-Eigner Benko spielt dies in die Karten.

HBC hatte Kaufhof im Oktober 2015 übernommen. Doch die Kette mit ihren aktuell 96 Warenhäusern und rund 18.000 Beschäftigten in Deutschland kommt seitdem nicht in Schwung. Viele Kunden kehren Innenstädten und Warenhäusern den Rücken und bestellen ihre Einkäufe lieber bei Online-Händlern von Amazon bis Zalando. Aber auch zahlreiche Management-Wechsel verunsicherten nach der Übernahme die Kaufhof-Belegschaft. Um die Akquisition zu finanzieren, hatte HBC damals 41 Warenhaus-Immobilien in ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem Investor Simon Property eingebracht. An den Immobilien hatte Benko auch immer wieder Interesse gezeigt - nun soll er an ihnen beteiligt werden. HBC steht zudem unter Druck von Investoren. Der aktivistische Investor Jonathan Litt etwa hatte mehrfach einen Verkauf des Europa-Geschäfts gefordert: Er will dann Kasse machen.

Benko hatte Karstadt nach der Übernahme 2014 mit Hilfe des Handelsexperten Stephan Fanderl saniert. Fanderl setzte zunächst den Rotstift an, lichtete den Markendschungel im Sortiment und verordnete Karstadt eine verstärkte lokale Ausrichtung der Warenhäuser. Zudem holte er Partner in die knapp 80 Warenhäuser und kurbelte das Online-Geschäft an. Darüber hinaus hat die Kette einen Sanierungstarifvertrag mit Abstrichen für die Belegschaft mit der Gewerkschaft Verdi abgeschlossen - sie hat also Kostenvorteile gegenüber der größeren Konkurrenz. Im vergangenen Geschäftsjahr erreichte Karstadt bei einem leichten Umsatzrückgang einen Jahresüberschuss von 1,4 Millionen (Vorjahr: Minus 7,5 Millionen) Euro, im laufenden Jahr soll es ein "ausgeglichenes" Ergebnis werden.

(APA/dpa/Reuters)