Wenn der Sohne mit dem Vater

Doppelporträt Vater und Sohn Haschke
Àkos Burg

Porträt. Dass Söhne in das väterliche Unternehmen einsteigen, ist üblich. Bei Dr. Owl Nahrungsergänzungsmitteln lief es umgekehrt. Der Sohn ist CEO, der Vater wissenschaftlicher Berater.

Der Sohn: eine klassische Markenartikler-/Beraterkarriere – WU-Studium, noch vor Studienabschluss von Henkel engagiert, erst mit kleinen, dann immer bedeutenderen Marken betraut. „Es ist flott gegangen“, erinnert sich Georg Ferdinand Haschke (35 J.). Seine Spezialität: „Etwas Bestehendes neu denken. Uralte, versteinerte Marken zum Leben erwecken.“

Trotzdem springt er nach fünf Jahren ab und geht ins Consulting. Für eine internationale Beratung jettet er um die ganze Welt und „erzählt 50-Jährigen, was sie falsch machen“. Nicht mein Lebensstil, entscheidet er 2014, gerade auf dem Sprung, Partner zu werden. Er will lieber „von Grund auf etwas selbst aufbauen“.

Hier kommt der Zufall ins Spiel. Ein ihm gut bekannter Manager hatte immer Chlorophylltabletten in der Tasche. „Wozu das?“, fragte ihn Haschke. „Weißt du“, antwortete der Manager, „wenn ich am Vorabend lang unterwegs war, bin ich dann nicht mehr so müde – und die Fahne ist auch weg.“

Haschke rief seine Schwester, eine Pharmazeutin, an. Kann Chlorophyll das? Sie bestätigte es. Lässt sich mehr daraus machen? „Frag unseren Vater!“, antwortete sie.

Der Vater kommt hinzu

Hier kommt der Vater ins Spiel: Ferdinand Haschke (69 J.), Kinderarzt und Ernährungsmediziner, langjähriger Vice President von Nestlé Nutrition in der Schweiz, Gastprofessor an der Salzburger Paracelsus Medical University.

Im ersten Moment war er von der Idee wenig angetan: „Überleg dir lieber etwas G'scheites“, lautete seine erste Reaktion. Eine Woche später läutete er beim Sohn an: „Es funktioniert.“ Es folgen komplizierte Erklärungen zu Zellregeneration und „Carbon-One-Cycle“.

Ob der Sohn verstanden hat, wovon der Vater gesprochen hat, ist nicht überliefert. Die beiden setzten sich zusammen und tüftelten drauf los. „Nie zuvor haben wir uns so oft gesehen“, sagt der Sohn. „Er hat meine Wohnung infiltriert“, kontert der in der Schweiz arbeitende Vater. Gemeinsam mit der FH Oberösterreich entstand ein Erstling ihres Nahrungsergänzungsmittels. Dieser schmeckte „grauslich, wie Schwefel“. Die Testflasche jenes Erstlings hat der Sohn noch heute in seinem Regal stehen. Zur Abschreckung.

Der Vater aktivierte derweil den Kontakt zu einem Getränkehersteller. Ihn wollten die beiden für eine Beteiligung begeistern – um zusammen das Produkt genießbar zu machen. Der Sohn: „Wäre ich als Jungspund mit meiner lustigen Start-up-Idee dorthingekommen, man hätte mir nicht einmal die Tür aufgemacht.“

Wechselseitiges „Eingrooven“

Tatsächlich gelang es, den Getränkehersteller in einem Vater-Sohn-Pitch zu gewinnen. Das Geschmacksproblem war bald gelöst (keine Spur mehr von Schwefel), doch bis zur Markteinführung vergangenen November „liefen hundert andere Dinge schief. Manchmal ging es mir echt dreckig“, sagt der Sohn. Da half die pure Präsenz des besonnenen Vaters: „Er hat gesagt, das ist jetzt nicht das Leben. Mach einen Schritt zurück.“

Vater und Sohn bezeichnen sich beide als beratungsresistent. „Wir mussten uns erst eingrooven“, sagt der Sohn. Manchmal stritten sie. „Aber mit Respekt“, sagt der Vater. Sein Sohn sei der CEO, er nur der wissenschaftliche Berater. Warum sollte er ihm dazwischenreden? Gelegentlich gebe er „einen Kommentar ab“, auf den der Sohn „manchmal“ höre. Dieser sah das Getränk bei der jungen Zielgruppe angesiedelt und ließ eine coole Website bauen. Dem Vater gefiel sie nicht. Er setzte auf die ältere Zielgruppe („sie braucht das auch“) und auf Apothekenvertrieb – und tatsächlich sprudeln dort mehr Umsätze als über die Website. Der Sohn gönnt dem Vater, recht gehabt zu haben: „Obwohl das gar nicht sein Bereich ist.“

Ideen versus Erfahrung

Warum ließ sich der Vater, längst im Pensionsalter, überhaupt auf das Abenteuer Start-up ein? „Weil die Jungen die besten Ideen haben. So ist das im Lebenszyklus: Mit 30 ist man gut ausgebildet und extrem kreativ. Das endet mit 45 oder 50 Jahren. Dafür weiß man dann, was geht und was nicht. Man hat gelernt zu organisieren. Und man weiß, wo man was herbekommt. Bloß die Kreativität lässt nach. Deswegen sollte man die Ideen den Jungen überlassen.“

Zu den Personen

Im November 2017 brachten Sohn Georg Ferdinand Haschke (35 J.) und Vater Ferdinand Haschke (69 J.) ihre gemeinsame Marke Dr. Owl Nahrungsergänzungsprodukte für körperliche und geistige Regeneration auf den Markt. Der Sohn ist Betriebswirt und kommt aus der Markenartikelindustrie und Beratung. Der Vater ist ursprünglich Kinderarzt und Ernährungsmediziner. Nicht ohne Emotionen, aber stets respektvoll bringt der eine Ideen, der andere Erfahrung und Lebensweisheit in das Start-up ein.


[OKO5T]