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Kommentar

Zwölf Stunden und 50 Kilo

Endlich hat die bisher orientierungslose Opposition ein Thema, bei dem man geeint gegen die Regierung kämpfen kann.

Applaudiert hat sie nicht. Aber innerlich gefreut hat sich die SPÖ über den Beschluss des Zwölf-Stunden-Arbeitstags zweifellos. Endlich hat die bisher orientierungslose Opposition ein Thema, bei dem man geeint gegen die Regierung kämpfen kann, auch wenn Parteichef Christian Kern einst selbst für eine flexiblere Arbeitszeit bis zwölf Stunden war.

Österreich rückt mit der neuen Arbeitszeit nicht an die Spitze Europas, sondern vollzieht eine längst fällige Anpassung an die geänderten Arbeitsbedingungen. Wobei es natürlich ein Unterschied ist, ob man zwölf Stunden in einem klimatisierten Büro auf einem gepolsterten Ledersessel sitzt oder ob man bei 33 Grad zwölf Stunden lang Pflastersteine verlegt – eine Arbeit, die einen privaten Häuslbauer schon nach vier Stunden in einen einwöchigen Krankenstand treibt. Die Praxis wird zeigen, ob die Lösungen funktionieren – für Arbeitgeber und auch für Arbeitnehmer.

Wobei man die Bauarbeiter nicht unterschätzen soll. Als vor 18 Jahren die 50-Kilogramm-Zementsäcke abgeschafft wurden, war die größte Sorge mancher Arbeiter, wie man am besten zwei 25-Kilogramm-Säcke trägt.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.07.2018)