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Hunderte Lehrlinge von Abschiebung bedroht

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Oberösterreichs Landesrat Anschober fordert ein Ende der Abschiebungen von Asylwerbern, die eine Lehre absolvieren. Es herrsche "absoluter Fachkräftemangel".

Von rund 900 Lehrlingen mit Migrationshintergrund ist derzeit ein Drittel von Abschiebung bedroht. Darauf wies am Freitag der oberösterreichische Landesrat Rudi Anschober hin. "In den kommenden Wochen drohen die ersten Abschiebungen, politische Lösung wurde aber noch immer keine gefunden", sagte der grüne Landesrat am Freitag.

Einmal mehr forderte Anschober ein Ende der Abschiebungen von Asylwerbern, die gerade eine Lehre absolvieren. Anschober legte dazu auch ein Rechtsgutachten des Ludwig Boltzmann Institut für Menschenrechte vor. Dieses Gutachten, das unter anderem besagt, dass das wirtschaftliche Wohl Österreichs bei der Interessensabwägung zur Prüfung der Zulässigkeit einer Rückkehrentscheidung berücksichtigt werden muss, will Anschober an die Behörden und Gerichte weiterleiten.

"Rekrutierung von Fachkräften so schwierig wie nie"

In Zeiten eines "absoluten Fachkräftemangels", in denen bis zu 15.200 Lehrlinge in den Mangelberufen fehlen, sei nämlich Handlungsbedarf gegeben. Das zeige auch eine aktuelle Unternehmensbefragung der Ernst & Young Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, wonach 59 Prozent der österreichischen Unternehmen einen Mangel an Mitarbeitern als größtes Standortproblem sehen. "Die Rekrutierung von Fachkräften ist so schwierig wie noch nie, das bremst das Wachstum unserer Wirtschaft", betonte Gunther Reimoser von Ernst & Young.

Die Beschäftigung von Asylwerbern in Mangelberufen sei ein wesentlicher Teil der Lösung, erklärte Anschober. Laut einer Studie des Linzer Uni-Professors und Ökonomen Friedrich Schneider würde die Abschiebung eines Asylwerbers in Lehre betriebs- und volkswirtschaftliche Kosten in Höhe von 77.500 Euro bedeuten. Außerdem, so Anschober, sei die Absolvierung einer Lehre eine der wirkungsvollsten Integrationsmaßnahmen: "Damit entstehen eine Lebensperspektive und Freundschaften. Auch die Deutschkenntnisse werden verbessert. Wir haben nur positive Erfahrungen gemacht."

Regierung "nutzt Thema zur Stimmungsmache"

Anschober sparte nicht mit Kritik an der Bundesregierung. "Sie nutzt das Thema der Migration nur zur Stimmungsmache und findet keine Lösungen. Das ist ein katastrophales Versagen." Wie eine Lösung schlussendlich im Detail aussehe, sei für ihn nebensächlich. Vorstellen kann sich Anschober aber eine "3plus2-Regelung", wie sie in Deutschland bereits angewendet wird. Flüchtlinge erhalten dabei die Möglichkeit, eine dreihjährige Lehrausbildung abzuschließen und danach eine zweijährige Anschlussbeschäftigung auszuüben.

Mit dem Zuspruch zu seiner Petition "Ausbildung statt Abschiebung" ist Anschober zufrieden: 52.000 Unterstützer, 62 Kommunen und 400 Unternehmen haben diese bisher unterzeichnet.

(APA)