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Prügeln mit Poesie: Fünf Filme und Serien über Mexiko

„Sin nombre“ über die gefährlichste Gang der Welt: MS-13.Scion Films

Ein filmischer Blick nach Mexiko: Zu Gangs, Rebellen und maskierten Wrestlern. Fünf Tipps für Amazon, Netflix und Sky.

Sin nombre

Von Cary Fukunaga, 2009
Zu sehen auf Amazon

„Mata, viola, controla“, also „töte, vergewaltige, kontrolliere“, lautet das Motto von MS-13, einer der gefährlichsten Gangs der Welt, die für ihre ganzkörpertätowierten Mitglieder bekannt ist. Donald Trump hat sie längst in den Rang einer Chiffre für einen Zusammenhang zwischen Kriminalität und der illegalen Einwanderung aus dem benachbarten Mexiko erhoben. Oppositionelle betonen hingegen, dass ihr nur ein winziger Bruchteil aller Migranten angehört. In „Sin nombre“ wird ihr Ruf als sektenartige Fascho-Organisation zwar bestätigt, aber ebenso gezeigt, dass zu ihren Opfern vor allem die Menschen in Lateinamerika zählen, wo sie ganze Regionen kontrolliert. Der eine Teil der Handlung spielt im Süden von Mexiko und porträtiert in drastischen Bildern die Indoktrination eines Buben durch die Bande und die Läuterung seines Anfang-20-jährigen Mentors. Im anderen, kontemplativeren Part, begleitet man eine Gruppe von Flüchtlingen, die auf dem Dach eines Güterzuges Mexiko durchqueren, um in die USA zu gelangen – bis sich die beiden Erzählstränge überkreuzen und eine junge Honduranerin bei einem brutalen Überfall durch die Gangmitglieder beinahe vergewaltigt, aber von dem Aussteiger in letzter Sekunde gerettet wird.

 

Ingobernable

15 Folgen, seit 2017
Zu sehen auf Netflix

Dass Korruption in Mexiko verbreitet ist, ist natürlich eine Binsenweisheit, für die es keiner Polit-Telenovela wie „Ingobernable“ bedarf, die sich als mexikanische Antwort auf US-Verschwörungs-Thriller-Serien wie „24“ oder „House of Cards“ versteht. Doch die Netflix-Produktion verdeutlicht das Ausmaß des Misstrauens, das viele Mexikaner ihrem Staat gegenüber empfinden. Nicht umsonst verlässt die Gattin des Präsidenten reflexartig den Tatort, statt auf das Eintreffen der Polizei zu warten, nachdem er in den Tod gestoßen wurde. Wie Dr. Kimble auf der Flucht sprintet sie daraufhin von einer Action-Szene zur nächsten, vorbei an zahllosen Plot-Twists, um die Konspiration aufzudecken. Eine zweite Staffel wurde bereits in Auftrag gegeben.

 

Vera Cruz

Von Robert Aldrich, 1954
Zu sehen auf Sky

Robert Aldrichs Western-Drama spielt in den 1860er-Jahren, als die Franzosen in Mexiko eine Marionettenregierung mit einem Habsburger auf dem Thron installiert hatten. Zwei opportunistische Revolverakrobaten aus den USA (Burt Lancaster als draufgängerisches Schlitzohr und Gary Cooper als Südstaaten-Gentleman) sollen gegen ein großzügiges Honorar eine Gräfin nach Vera Cruz begleiten, um sie vor möglichen Angriffen durch die aufständischen Juaristen zu schützen – bis sich herausstellt, dass sich ein Goldschatz in ihrer Kutsche befindet, woraufhin der eine von der Gier und der andere von seinem Gewissen gepackt wird. Eine epische Moralparabel über brüchiges Heldentum in kriegerischen Zeiten.

 

Lucha Mexiko

Von Alex Hammond und Ian Markiewicz, 2016
Zu sehen auf Netflix

Lucha Libre heißt die mexikanische Variante des Wrestling, bei der die Catcher mit bunten Masken vor dem Gesicht in den Ring steigen, um fantastische oder mythologische Figuren zu verkörpern – oder schlicht den vorlauten Proll von nebenan. Ein knalliger Prügelzirkus, den Alex Hammond und Ian Markiewicz in ihrer Doku aber nicht als exotische Absonderlichkeit bloßstellen, sondern dessen eigentümlicher Poesie sie nachspüren – mit Empathie für die in Mexiko wie Superstars verehrten Gladiatoren, die sich als ausgesprochen reflektiert, freundlich und nachdenklich entpuppen. Zugleich bekommt man Einblick in ihr hartes Training und das Business hinter den Schaukämpfen.

 

Amores Perros

Von Alejandro G. Iñárritu, 2000
Zu sehen auf Amazon

Ende der 1990er-Jahre wurde das Kino von einer wahren Flut episodisch erzählter Filme überschwemmt, in denen sich die Lebenslinien verschiedener Figuren kreuzten oder diese sogar buchstäblich miteinander kollidierten – so wie in „Amores Perros“, wo ein Verkehrsunfall den Punkt markiert, auf den alles Vorherige zuläuft und von dem alles Nachfolgende bestimmt bleibt.
Der Mensch als Unterworfener des Zufalls – ohnmächtig gegenüber dem Lauf der Dinge. Eine Idee, die nur philosophisch bliebe, wenn die Charaktere in dem spektakulären Regie-Debüt von Alejandro González Iñárritu (der später drei Oscars für „Birdman“, einen für „The Revenant“ erhielt), nicht klar durch ihre Zugehörigkeit zu den Klassen determiniert wären, die in der Millionenmetropole Mexiko-Stadt versammelt sind. Auf der einen Seite gibt es zwei rivalisierende Brüder aus dem Armenviertel. Auf der anderen den Chefredakteur in der Midlife Crisis und seine Top-Model-Freundin aus der Oberschicht. Und immer entscheidet das Haben oder Nichthaben von Geld darüber, ob man sich redlich bemüht, aber scheitert – oder gleich in Apathie verfällt. Nur dem obdachlosen Ex-Revolutionär gelingt letztlich der Ausbruch.

 

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