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Grenzkontrolle in Russland

Flughafen Moskau
Flughafen Moskau(c) imago/ITAR-TASS (Marina Lystseva)
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Grenzkontrolle in Russland, oder: Was tun, wenn es plötzlich viele Fragen gibt?

Der Schutz der eigenen Grenzen ist ein sehr aktuelles Thema in Europa und in Russland ebenso. Nun habe ich nichts gegen Passkontrollen einzuwenden, und auch die Plastikhülle nehme ich untertänig ab, bevor ich an den Schalter trete, genau so, wie es die russischen Grenzer von mir verlangen. Was ich unlängst auf einem Moskauer Airport erlebte, verblüffte mich dann aber doch.

Irgendetwas erschien der Dame hinter Glas an meinem Pass verdächtig, also ordnete sie eine „zusätzliche Überprüfung“ an. Ein Beamter führte mich in einen unbeschrifteten Raum. Dort saßen drei junge Herren in Zivil, die sich mir nicht vorstellten, deren Arbeitgeber aber ganz offensichtlich der Inlandsgeheimdienst FSB ist. Nicht zum ersten Mal baten mich seine ernsten Vertreter zum Gespräch, aber bisher hatten sich unsere Rendezvous auf die bergige Peripherie beschränkt, oder waren dort geschehen, wo Russland offiziell gar nicht ist, auf der Krim etwa. Und nun Moskau!

Die Herren interessierten sich natürlich für meinen Job. Bei einer Frage stockte mir der Atem: „Was war das Thema Ihrer Uni-Abschlussarbeit?“ Angstschweiß machte sich breit. Wie sollte ich den Beamten erklären, dass ich damals, vor eineinhalb Dekaden, eine kritische Analyse des postmodernen Feminismus verfasst hatte? Wäre das nicht höchstverdächtig? Alle Vorurteile bestätigend, die man hier gegenüber westlichen Frauen hat? Und überhaupt – einfach viel zu kompliziert? „Es ging um politische Theorie“, stotterte ich (sicher mäßig glaubwürdig). „Ist schon lang her.“ Als sie mich gehen ließen, war ich sehr erleichtert: Hätte ich nicht geschwindelt, würde ich vermutlich heute noch in dem Kämmerlein schmoren.

jutta.sommerbauer@diepresse.com


Nächste Woche:
Gabriel Rath

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.07.2018)