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Stadtflucht

Bogenschießen und in Bäumen schweben

Auf dem Waldklettergarten kann man – gut gesichert – neun verschiedene Parcours in einer Höhe zwischen vier und elf Metern absolvieren.
Auf dem Waldklettergarten kann man – gut gesichert – neun verschiedene Parcours in einer Höhe zwischen vier und elf Metern absolvieren.(c) Clemens Fabry

Auf dem Areal des einstigen Safariparks können Kinder, Jugendliche und Erwachsene im Erlebnispark Gänserndorf viel ausprobieren: Von Offroad-Segway bis Bogenschießen. Nur für Sportliche!

Es gibt viel zu tun – wo fängt man an? Im Waldklettergarten, in dem man auf bis zu elf Metern Höhe zwischen den Bäumen klettert? Oder doch zuerst zum 3D-Bogenschießen? Oder zu den Hennen und Ziegen in den Streichelzoo?

Es ist durchaus ein dichtes Programm, das man im Erlebnispark Gänserndorf absolvieren kann – und zwar nicht nur für Kinder. Wer als Erwachsener in der Regel lieber nur am Spielplatzrand oder in der Kletterhalle steht und zusieht, wie die Kinder sich austoben, ist hier falsch. Der Erlebnispark ist auch für Erwachsene gedacht – man kann hier etwa auch Firmenfeiern mit einem Aktivprogramm abhalten. Auch Senioren will man bewusst ansprechen.

Das Allerbeste: Auch wenn hier viel los ist, verteilen sich die Besucher auf dem riesigen Areal so gut, dass längere Wartezeiten praktisch nicht zu erwarten sind. (Ausnahme: Beim Waldseilklettern muss man oft ein paar Minuten auf die Einschulung warten.) Wer schon einmal in Themenparks 30 Minuten und mehr angestanden ist, um eine bestimmte Attraktion auszuprobieren, weiß das zu schätzen.

Der Erlebnispark liegt, nahe bei Wien, auf dem Areal des ehemaligen Safariparks Gänserndorf, an den sich die Großeltern- und Elterngeneration noch bestens erinnern wird. Wo ab den 1970er-Jahren Besucher in Bussen und Autos durch den Park fuhren, um Tiere wie Elefanten und Löwen zu beobachten, gibt es heute, mit Ausnahme der Lamas, keine exotischen Tiere mehr. Nach dem Konkurs des Safariparks war die Zukunft des Areals lange ungewiss. Ein Teil des früheren Safariparks ist heute nicht mehr zugänglich: Hier werden ehemalige Versuchsaffen eines Pharmaunternehmens vom Gut Aiderbichl versorgt. Der größte Teil des Areals, 15 Hektar nämlich, wurde in den 2011 eröffneten Erlebnispark umgewandelt, dessen Konzept es zumindest in Wien-Nähe in dieser Form kein zweites Mal gibt.


Zielen und schießen.
Wo also anfangen? Vielleicht gleich beim 3D-Bogenschießen, an dem Kinder ab dem Volksschulalter mitmachen dürfen. Mit Pfeil und Bogen ausgestattet, übt man zuerst einmal an einer Reihe von Zielscheiben, bei denen der betont coole Bogenwart erklärt, wie man den Bogen richtig hält, wie man zielen muss und in welcher Position man richtig steht. Und dann zielt man das erste Mal – und schießt. Anstrengender, als man glauben würde, ist dieser Sport, der bei Profis so elegant und leicht aussieht, aber auch für Kinder durchaus machbar. Auch wenn sie die Zielscheibe und später die 3D-Ziele nicht immer treffen, können sie doch halbwegs mithalten. Der Bogenwart weist Kinder auch auf die wichtigste Regel hin: Erst wenn alle in der Gruppe auf das Ziel geschossen haben, werden die Pfeile wieder eingesammelt, und zwar gemeinsam. Daran muss man jüngere Kinder durchaus immer wieder erinnern, denn ganz ungefährlich ist dieses Abenteuer natürlich nicht. Mit Kindern, die sich an diese Regel nicht halten und eventuell unkontrolliert loslaufen, während ein anderer zielt, ist die Bogensafari nicht empfehlenswert.

Ansonsten aber: Beide Daumen hoch. War man als friedliebender Mensch anfangs ein wenig gehemmt, gemeinsam mit seinen Kindern auf Tiere zu zielen, auch wenn diese nur aus Plastik sind, muss man doch einräumen, dass das ziemlich Spaß macht. Man spaziert von Station zu Station, sucht das nächste Tier, auf das man zielen soll – Bären, Füchse, Biber – und macht dabei einen längeren Spaziergang durch den Wald und über Wiesen. Will man alle Ziele ausprobieren, muss man hier locker eine Stunde einplanen. Hat man die Ausrüstung wieder zurückgegeben, geht es weiter.

Wer schon eine kleine Pause braucht, kann sich in dem kleinen Lokal mit nettem Gastgarten stärken, hier gibt es Pommes, die genauso schmecken wie im Schwimmbad, Kuchen und Kaffee. Die Kinder können derweil in Sichtweite einen von mehreren Kletterparcours (allerdings nicht in luftiger Höhe, sondern am Boden) ausprobieren. Überhaupt hat der Erlebnispark einen großen Vorteil: Man kann sowohl Kleinkinder als auch die Großeltern problemlos mitnehmen. Je nach Können und Alter kann man für jedes Familienmitglied eine andere Eintrittskarte kaufen. Kleinere Kinder werden mit dem Streichelzoo und den vielen ohne weitere Kosten verfügbaren Spielgeräten, der Sandkiste und den Rutschen zufrieden sein, für sie braucht man keine teurere Karte, mit der man die 3D-Bogensafari oder das Offroad-Segway-Fahren ausprobieren kann.

Auch der riesige Waldklettergarten, auf dem man – gut gesichert – neun verschiedene Parcours in einer Höhe zwischen vier und elf Metern absolviert und zwischendurch 550 Meter auf der Flying-Fox-Anlage durch den Wald segelt, wird vielleicht nicht jedem behagen. Kinder unter 120 cm Körpergröße dürfen sowieso noch nicht mit hinauf und auch nicht alle älteren Besucher werden sich in die Baumwipfel wagen. Für sie gibt es eben auch die Niedrigklettergärten, in denen man Gleichgewicht und Geschicklichkeit in Bodennähe ausprobieren kann.

Zwischen den großen Stationen wie dem Waldklettergarten lassen sich auch andere Dinge entdecken, wie zum Beispiel Gummistiefelgolf. Wer mit der Idee, mit Gummistiefeln auf Scheibtruhen zu zielen und in Fässer zu treffen, nichts anfangen kann, hat es wahrscheinlich noch nie ausprobiert. Es macht erstaunlich viel Spaß und ist auch schwieriger als man denken würde. Ähnliches gilt für das Disc-Golf gleich daneben: Hier versucht man, mit Frisbees in Metallkörbe zu treffen. Hinter dem Streichelzoo liegen dann zwei Angebote, die für ältere Kinder und Erwachsene gedacht sind, was den Erlebnispark zu einem jener (wenigen) Ausflugsziele macht, bei dem sich auch Teenager nicht langweilen werden.


Waffenähnliches Gerät.
Bestens geeignet dafür ist das Outdoor-Lasertag, das allerdings nur in der größeren Gruppe Spaß macht. Ausgestattet mit Plastikstirnbändern und -gürteln versucht man, das andere Team mit einem waffenähnlichen Gerät, dem sogenannten Tagger, möglichst oft zu treffen. Geschossen wird nicht wirklich, man „schießt“ gebündelte Infrarotstrahlen, die von den Geräten am Körper als Treffer erfasst werden. Um zu verhindern, dass man getroffen wird, geht man hinter Mauern und Gegenständen in Deckung. Lasertag mag, ähnlich wie 3D-Bogenschießen, nicht allen behagen. Wer aber jugendliche Mädchen beobachtet, wie sie nach anfänglicher Hemmung zwischen Hindernissen auf die Lauer gehen, muss einräumen, dass das ziemlich unterhaltsam ist.

Nicht jedermanns Sache ist wohl auch das Segway-Fahren, das hier den Besuchern in einer Offroadvariante angeboten wird. Man fährt, ausgestattet mit einem Helm, über ein nicht ganz ebenes Gelände. Wem das nicht zusagt, der kann ein paar Meter weiter inzwischen das Slacklinen ausprobieren – zwischen Bäumen wurden breite Seile gespannt, auf denen zu balancieren für den ungeübten Besucher gar nicht so einfach ist. Dankenswerterweise gibt es hier auch Seile von oben, an denen man sich anhalten kann, was das Ganze dann doch wesentlich erleichtert.

Während man hier immer wieder das Gleichgewicht verliert, sieht man in der Ferne eine Runde Besucher mit Lamas die Wege entlangspazieren: Denn auch Lamatrekking gibt es hier, allerdings kostet das nicht nur extra, man muss es auch vorab buchen.

Dazu sollte man mindestens zu dritt sein und für eine Schnupperwanderung eine, für eine richtige Wanderung zwei bis drei Stunden einplanen. Mit oder ohne Lamatrekking vergeht der Tag jedenfalls sehr schnell. Ganz billig ist der Ausflug nicht, wenn man alles ausprobiert: Für sehr aktive Menschen könnte die Jahreskarte eine gute Option sein.

Auf einen Blick

Erlebnispark Gänserndorf,
Siebenbrunner Str. 55A, 2230 Gänserndorf. Tel: 02282/799 88 www.erlebnispark-gaenserndorf.at

Eintritt: Abenteuertageskarte (mit Bogenschießen und Waldseilklettern): Erw. und Kinder ab 10: 28 Euro, Kinder von 6 bis 10: 22 Euro.

Jahreskarte 90 Euro (Erw.), 70 Euro (Kinder)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.07.2018)