Schnellauswahl

Christine Marek zur Wiener ÖVP-Chefin gekürt

Christine Marek
(c) APA/HERBERT PFARRHOFER (HERBERT PFARRHOFER)
  • Drucken

Mit 96 Prozent Zustimmung wurde Christine Marek zur neuen Vorsitzenden der ÖVP Wien gewählt. In ihrer Rede kritisierte die drohende "herz- und hirnlose" Auseinandersetzung der SPÖ mit der FPÖ im Wiener Wahlkampf.

Der Führungswechsel ist vollzogen: Christine Marek ist am Samstag zur neuen Chefin der Wiener ÖVP gewählt worden. Sie ist damit die erste Frau in dieser Funktion. Beim 33. Landesparteitag in der Stadthalle konnte die 42-Jährige exakt 96 Prozent von 632 gültig abgegebenen Delegiertenstimmen auf sich vereinigen. Zum Vergleich: Vorgänger Johannes Hahn erhielt bei seiner Wiederwahl im Mai vergangenen Jahres 89 Prozent.

Marek nahm ihre Kür mit "Respekt und Stolz" an. "Gemeinsam sind wir stark", gab sich die neue Parteiobfrau kämpferisch.

Fünf statt vier Stellvertreter

Mit der Wahl ändert sich auch die Riege der Vize-Obleute, die statt vier nun fünf Mitglieder umfasst. JVP-Obmann Sebastian Kurz und die Nationalratsabgeordnete Gabriele Tamandl wurden mit 93,7 beziehungsweise 93,8 Prozent in ihrer Funktion bestätigt.

Neu angetreten war hingegen der Alcatel-Lucent-Boss Harald Himmer, der in der Gruppe der Stellvertreter mit 86,9 Prozent das niedrigste Ergebnis erreichte. Sein Resultat war insofern mit Spannung erwartet worden, da Himmer im vergangenen November vergeblich um den Posten des Parteiobmanns der Hauptstadt-ÖVP gekämpft hatte.

Ebenfalls neu in die Führungsmannschaft rücken die Gemeinderäte Fritz Aichinger und Ingrid Korosec auf. Sie erzielten ein Votum von 95,3 beziehungsweise 88,9 Prozent. Katharina Cortolezis-Schlager und Wolfgang Ulm standen hingegen nicht mehr auf dem Stimmzettel.

"Wir sind wieder da"

Die angehende Wiener ÖVP-Chefin Christine ihrer Rede vor ihrer offiziellen Wahl auf dem Parteitag das Herz und eine steife Brise heraufbeschworen: "Jetzt braucht Wien den frischen Wind der Volkspartei." Er blase den Sand aus den Augen der regierenden SPÖ. Das Motto müsse lauten: "Mehr Herz und Hausverstand für Wien."

Die Dynamik der ÖVP auf Bundesebene müsse nun auch in der Bundeshauptstadt spürbar werden, und da sei sie zuversichtlich: "Unsere Stärke gibt Orientierung." Wien dürfe nicht zu einem schönen Museum des Gestern werden, sondern müsse Investoren und Arbeitsplätze anlocken. "Wien muss den Sprung nach vorne machen, um den Anschluss nicht zu verlieren."

Hirnlose rot-blaue Auseinandersetzung

Als Bremsklotz auf diesem Weg sieht Marek die mit absoluter Mandatsmehrheit regierende SPÖ: "Wien gehört nicht einer Partei - auch wenn manche das glauben." So vergeude die SP-Regierung jährlich eine Mrd. Euro für Doppelgleisigkeiten und Ineffizienz in der Verwaltung: "Verschwendungspolitik und Misswirtschaft sind in Wien leider kein Einzelfall, sondern die Norm." Zugleich stehe die SPÖ mit beiden Füßen auf der Bremse.

Dabei könne man vom Wahlkampf für den Wiener Urnengang im Oktober nichts Gutes erwarten: "Die Auseinandersetzung FPÖ-SPÖ wird nicht nur herz-, sondern vor allem auch hirnlos." Deshalb müsse man den Wählern sagen, dass jede FPÖ-Stimme für Wien eine verlorene sei.

Grün wählen, Grau bekommen

Und auch wer Grün wähle, bekomme nach dem Abgang von Langzeitparteichef Alexander van der Bellen Grau: "Seit der Professor in Pension gegangen ist, sehen die Grünen so alt aus, wie selten zuvor." Auf sie treffe der Begriff "Abgehobenheit" zu wie auf keinen anderen: "Die Grünen suhlen sich in linkslinken Ideologien von vorgestern."

Deshalb gelte für die ÖVP: "Schon lange standen unsere Chancen nicht mehr so gut, die absolute Macht der SPÖ zu brechen." Ein konkretes Wahlziel für ihre Partei, die bei der Wien-Wahl 2005 auf 18,77 Prozent der Stimmen kam, nannte Marek jedoch nicht.

 

(APA)

Mehr erfahren