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Kosinski entwickelt "Schwulenradar" mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz

REUTERS
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Nachdem der Psychologe Michal Kosinski zeigte, was 68 Facebook-Likes über einen Menschen preisgeben, entwickelte er nun ein "Schwulenradar". Professoren-Kollegen ziehen Vergleiche zur NS-Rassenlehre.

Wenn schon 68 Likes auf Facebook für den Psychologen Michal Kosinski ausreichen, um auf Geschlecht, politische Einstellung und Hautfarbe zu schließen. Welche Schlüsse sind dann aus Bildern möglich? Der 36-jährige Psychologe hat eine Technologie entwickelt, mit der eine Künstliche Intelligenz aus den Gesichtern die sexuelle Orientierung auslesen kann.

"Ich habe die Bombe nicht gebaut. Ich habe den Menschen nur gezeigt, dass sie existiert", erklärte der damals 34-Jährige im Interview mit "Das Magazin". Mit "Big Data" sei alles möglich und das wollte er damit anhand der Analyse von Facebook-Likes zeigen. Dafür dass seine Arbeiten von Cambridge Analytica gezielt zum Einsatz kamen, könne man ihn nicht verantwortlich machen.

Seine technischen Errungenschaften wird er aber nicht müde zu präsentieren. Erst vor einem Jahr wurde er via Helikopter nach Russland eingeflogen, um dem russischen Premier Dimitri Medwedew und Außenminister Sergej Lawrow zu erklären, wie man seine Technologien einsetzen kann, um die digitalen Spuren der Menschen mit Gesichtern in Verbindung zu bringen. Um eben dann alles über denjenigen herauszufinden. Besonders in Russland ist nicht davon auszugehen, dass Technologien unter Berücksichtigung von Privatsphäre und Datenschutz eingesetzt werden.

Es steht den Leuten ins Gesicht geschrieben

Anhand von den durch Facebook-Analyse gewonnene Erfahrungen analysiert er mithilfe von neuronalen Netzwerken riesige Datenmengen sehr schnell und kann darin Muster erkennen. Nach eigenen Angaben könne er auch vorhersagen, ob es sich um einen gewalttätigen Menschen handle. Menschen steht es laut Kosinski auch ins Gesicht geschrieben, ob er pädophil ist. „Wir wissen beispielsweise, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Testosteronlevel und der Wahrscheinlichkeit, ein Verbrechen zu begehen gibt, und dass das auch mit Gesichtsmerkmalen verknüpft ist. Und das ist nur eine Verbindung. Es gibt Tausende Millionen andere, die wir noch nicht kennen, die Computer aber sehr einfach entdecken können“, erklärt Kosinski.

„Ich war ehrlich gesagt schockiert, als ich entdeckt habe, dass es für einen Algorithmus so einfach ist, zwischen homo- und heterosexuellen Menschen zu unterscheiden“, sagt er im Gespräch mit dem „Guardian“. Bei Männern funktioniere die KI mit einer Genauigkeit von 91 und bei Frauen mit 83 Prozent.

Mit seinen Arbeiten macht er sich erneut nicht nur Freunde. Der "KI-Schwulenradar" sei eine "neue Ära des wissenschaftlichen Rassismus" erklärte der Princeton-Professor Alexander Tororov. Andere Kollegen ziehen Vergleiche zu Rassenlehre aus NS-Zeiten. Für Kosinski wäre es unmoralisch eine derartige Technologie zu verstecken. Wenn es möglich ist, muss man davon ausgehen, dass es bereits im Einsatz ist. Und von der hochgehaltenen Privatsphäre solle man sich sowieso verabschieden: "Es ist ein verlorener Krieg. Wir sollten uns lieber darauf konzentrieren, unsere Gesellschaft so zu organisieren, dass wir sicherstellen, dass auch die Post-Privatsphäre-Ära ein bewohnbarer und schöner Ort zum Leben ist."

>>> Guardian