Wohl niemals zuvor konnte man sich so umfassend über das Leben unserer Vorfahren informieren wie zurzeit: ein kurzer Rundgang durch große und kleine Ausstellungen über die römische Antike in Österreich.
Wenn man vom Bahnhof in die Innenstadt von Enns spaziert, würde man niemals auf die Idee kommen, dass man gerade über das Areal von Lauriacum, einer der in der Römerzeit florierendsten Siedlungen im heutigen Österreich, geht. Am Ziel angelangt, im Museum Lauriacum, wo heuer die oberösterreichische Landesausstellung „Die Rückkehr der Legion“ stattfindet, wird man sogleich aufgeklärt: Vorzüglich aufbereitet erfährt man dort, dass es neben dem Legionslager auch ausgedehnte zivile Siedlungen gab – mit zusammen wohl an die 25.000 Einwohner. Vieles davon weiß man erst seit wenigen Jahren, seit das gesamte Siedlungsareal von 85 Hektar mit modernen geophysikalischen Methoden prospektiert, also erkundet, wurde.
Schönes und hartes Leben
Unter der Erde schlummern wahre Schätze, die erst zu einem kleinen Teil ausgegraben sind. Ein jüngst gefundenes Highlight sind die bis zu vier Freskenschichten im sogenannten „Haus der Medusa“, die die rasch wechselnden Moden in reichen Römerhaushalten dokumentieren – und die, nach einer Sonderausstellung im Kunsthistorischen Museum Wien 2017, nun das Museum in Enns zieren. Dass das Leben damals aber nicht nur schön war, zeigen die Ergebnisse der anthropologischen Untersuchung von 249 ausgegrabenen Skeletten: 85 Prozent von ihnen litten beispielsweise unter Sinusitis (Nasennebenhöhlenentzündung).