Wie Gehörlose die Welt erleben

In der Ausstellung „Hands up“ trägt man Kopfhörer und probiert viel aus.
In der Ausstellung „Hands up“ trägt man Kopfhörer und probiert viel aus.(c) Sabine Gruber

Wie merken Menschen, die nicht hören können, dass ihr Baby weint? Oder der Wecker läutet? Eine Ausstellung gibt Antworten.

Bestimmt hast du dir schon manchmal die Ohren zugehalten und eine kurze Zeit lang gar nichts gehört. Wie aber ist es, wenn man nie etwas hört? Nicht versteht, was andere sagen? Keine Musik hört – und auch nicht merkt, wenn der Wecker in der Früh läutet?

In Wien gibt es jetzt eine Ausstellung namens „Hands up“, die Besuchern mehr darüber erzählt. Man probiert sogar gleich aus, wie es ist, wenn man nicht hören kann: Denn jeder Besucher bekommt zu Beginn ein Paar Kopfhörer, mit denen es plötzlich ganz still ist. Das alleine ist schon sehr ungewohnt und spannend.

Und man staunt, wie gut man sich auch ohne zu hören verständigen kann. Zum Beispiel mit Rachel, die uns durch die Ausstellung führt. Rachel ist gehörlos – und erklärt alles in Gebärdensprache. Und obwohl wir Besucher alle nie die Gebärdensprache gelernt haben, verstehen wir das meiste, das Rachel mit Gebärden – und mit der Hilfe von Kärtchen und den Texten der Ausstellung – erzählt.

Einmal lässt sie uns erraten, wie man manche Wörter in Gebärdensprache ausdrückt: Oft muss sie lachen, weil wir uns so lustige Handbewegungen für manche Ausdrücke überlegen. Manche Gebärden lassen sich aber leicht erraten: Meint man zum Beispiel „Elefant“, zeigt man mit seinen Händen einen Rüssel. Denn es gibt alle Wörter unserer Sprache auch in Gebärdensprache. Gehörlose Menschen können sich also mit ihrer Mimik (also den Gesichtsausdrücken), Handbewegungen und Bewegungen des Oberkörpers genauso verständigen.

Als Besucher kann man viel ausprobieren: Es gibt zum Beispiel Bildschirme, auf denen Comic-Figuren einige Gebärden vormachen – und man versucht zu erraten, was damit gemeint ist. Einmal spielen wir „Stille Post“. Natürlich nicht wie sonst: Wir flüstern einander keine Wörter ins Ohr, sondern machen Gebärden nach. Das ist ziemlich lustig, und am Ende kommt oft genauso ein Blödsinn heraus wie beim „Stille Post“-Spiel mit Flüstern!

In einem anderen Teil der Ausstellung erfahren wir, wie Menschen, die nichts hören, im Alltag zurechtkommen. Das ist oft gar nicht leicht, zum Glück sind aber einige sehr praktische Dinge erfunden worden, die Gehörlosen das Leben erleichtern. So haben sie in ihren Wohnungen spezielle Anlagen, bei denen Lichter zu blinken beginnen: Wenn es an der Tür läutet oder das Baby im Nebenzimmer zu weinen beginnt zum Beispiel. Auch der Wecker läutet nicht wie bei uns, sondern vibriert.

Gehörlose Menschen können zwar Musik nicht hören – wie sie Musik wahrnehmen, wird hier auch gezeigt. Gemeinsam singen dann alle Besucher noch ein Lied – natürlich in Gebärdensprache!

„Hands up“ ist in den Ferien Mi. und Do. 13 bis 19 Uhr, Fr. 13 bis 17 Uhr geöffnet. Anmeldung zu Führungen: 01 / 890 60 60. www.handsup.wien

Wusstest du schon, dass...

. . . es weltweit mehr als 200 verschiedene Gebärdensprachen gibt? Jedes Land hat seine eigene Gebärdensprache, es gibt auch – wie im Deutschen – verschiedene Dialektformen. In Österreich ist die Gebärdensprache als eigene Sprache anerkannt.

 


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