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Sobotka lobt Wiesenthal als "einen großen Österreicher"

Archivbild: Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP) im Mai 2018 bei einer Gedenkzeremonie der IKG und des Bundes Jüdischer Verfolgter des Naziregimes
Archivbild: Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP) im Mai 2018 bei einer Gedenkzeremonie der IKG und des Bundes Jüdischer Verfolgter des NaziregimesAPA/HANNES DRAXLER
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Der Nationalratspräsident besucht Israel und traf dort die Enkelin von "Nazijäger" Simon Wiesenthal. Die Reise ist Teil einer Charmeoffensive der Koalition gegenüber Israel.

Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP) hat am Montag österreichische Holocaust-Überlebende in Tel Aviv getroffen. Österreich habe sich auch nach dem Krieg mitschuldig gemacht, denn "vieles wurde damals verdrängt", und man habe die Vertriebenen nicht zur Rückkehr eingeladen, bedauerte er. Bei einem Treffen mit der Enkelin von "Nazijäger" Simon Wiesenthal würdigte Sobotka außerdem dessen Verdienste.

Der Besuch im Klub des Zentralkomitees der Juden aus Österreich bildete den Auftakt von Sobotkas Israel-Reise im Zeichen des Gedenkjahres. Man könne die Zeit nicht zurückdrehen und es gebe keine Geste, die ein Verbrechen dieser Dimension wiedergutmachen machen könnte, räumte er dabei ein. Was man tun könne, sei heute Verantwortung wahrzunehmen. Dies habe man früher zum Teil nicht gemacht, so Sobotka: "Es war nicht nur die Zeit des Nationalsozialismus, sondern auch eine Phase nach Kriegsende, in der man die eigene Geschichte verdrängte und keine Versuche unternommen hat, die vertriebenen Juden zu einer Rückkehr in ihre österreichische Heimat zu bewegen."

Charmeoffensive der Koalition gegenüber Israel

Österreich wolle heute "mehr denn je die Verantwortung umfassend wahrnehmen", versicherte Sobotka. Die Aufgabe heute sei der Kampf gegen den Antisemitismus, "ihm auch schon an den Wurzeln zu begegnen und die Möglichkeiten zu rauben, dass er wieder an Platz und Breite gewinnt". Die Überlebenden richteten an Sobotka den Appell, dass viele aus ihren Reihen mehr finanzielle Unterstützung benötigten.

Der Besuch des Nationalratspräsidenten reiht sich ein in eine Charmeoffensive der Koalition gegenüber Israel. Die eigentlich guten Beziehungen zwischen Österreich und Israel werden nämlich durch die Regierungsbeteiligung der FPÖ getrübt - denn Israel boykottiert den direkten Kontakt mit Ministern der Freiheitlichen, die immer wieder mit antisemitischen Schmutzflecken in ihren Reihen Schlagzeilen machen. Vor allem Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) setzte nicht zuletzt bei seinem Besuch in Israel vor einem Monat Akzente, indem er die Sicherheit Israels als Staatsräson bezeichnete und die Klagemauer in Jerusalem besuchte.

Nach den Gesprächen mit Holocaust-Überlebenden traf Sobotka die Enkelin von "Nazijäger" Simon Wiesenthal, Racheli Kreisberg. Wiesenthal hatte es sich vom Tag seiner Befreiung aus dem KZ Mauthausen an zur Lebensaufgabe gemacht, unter dem Credo "Recht, nicht Rache" NS-Verbrecher aufzuspüren und vor Gericht zu bringen. Dass Wiesenthal trotz der grauenhaften Erlebnisse im Konzentrationslager und der Anfeindungen nach Ende des Krieges in Österreich geblieben sei, zeuge "von ungeheurer Willensstärke und Entschlossenheit, für Gerechtigkeit einzustehen", würdigte Sobotka sein Engagement.

"Simon Wiesenthal war ein großer Österreicher"

"Simon Wiesenthal war ein großer Österreicher, der Zeit seines Lebens nicht die Wertschätzung erfahren hat, die ihm eigentlich zugestanden wäre", erklärte Sobotka. Wiesenthal hatte immer wieder mit Hindernissen zu kämpfen, mehrmals kritisierte er das Desinteresse österreichischer Behörden an der Ausforschung und Strafverfolgung von NS-Tätern. Sobotka betonte, er habe Wiesenthals Handeln in seiner Zeit als junger Historiker immer auch als "Dienst an Österreich" gesehen, weil er "Symbol für eine verantwortungsvolle Aufarbeitung unserer Geschichte" gewesen sei. "Wenn es darum geht, das Andenken Ihres Großvaters hoch zu halten, werden Sie in mir immer einen bedingungslosen Unterstützer haben", sagte der Nationalratspräsident laut seinem Büro Kreisberg zu.

Ebenfalls am Programm des Nationalratspräsidenten stand eine Führung im Museum des Jüdischen Volkes (Beit Hatfutsot) am Gelände der Universität Tel Aviv. Der Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus hat zwischen 2012 und 2015 drei Projekte des Museums mit knapp 300.000 Euro unterstützt. Die Direktorin des Museums, lrina Nevzlin, ist mit dem Sprecher der Knesset, Yuli Edelstein, verheiratet, auf dessen Einladung Sobotkas Besuch in Israel stattfindet. Edelstein empfängt Sobotka am Nachmittag in Jerusalem.

(APA)