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Büroporträt

IMP im Vienna Biocenter: Forschung mit Kuschelfaktor

Axolotl-Forscher legen im Foyer des IMP eine Pause ein
Axolotl-Forscher legen im Foyer des IMP eine Pause einDie Presse (Carolina Frank)
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Schöner arbeiten Eine Kuschelecke für Wissenschaftler, eine Kantine für alle und eine Teeküche zum Socializen. Wir haben das Institut für Molekulare Pathologie besucht.

Im Foyer fällt der lange DNA-Code, der sich durch das Haus zieht, noch nicht auf, dafür aber die eleganten Möbelsysteme von Tacchini, die bunten Briefkästen an der Holzwand und die weite Sicht ins vierstöckige Atrium des IMP, des Forschungsinstituts für Molekulare Pathologie im Vienna Biocenter. Seit März 2017 wird hier nun schon gearbeitet. Das Innere des Gebäudes, das als Forschungseinrichtung geplant wurde und nicht wie der Vorgänger als Radiofabrik, tritt nach der Drehtür mit einem gut gestylten, gut strukturierten ersten Eindruck auf. Früher hat die Einteilung nicht gepasst, der Hörsaal war im obersten Stockwerk, so mischten sich hausexterne Hörer automatisch mit hausinternen Forschern. "Es gab zwar keine Probleme, aber so ist es jetzt sauberer", sagt Heidemarie Hurtl bei der Hausführung. 

Das Erdgeschoß mit dem Hörsaal und der erste Stock mit der Kantine sind für alle frei zugänglich. Wer sich nicht auskennt, sucht einen Info-Touchscreen, hier sind Veranstaltungstermine und Büros hinterlegt. Beschrieben ist (und besprochen wird) alles in der gemeinsamen Sprache der Wissenschaft: Englisch. Bei 260 Mitarbeitern aus 40 Nationen ist es der einfachste Weg. "Und egal, ob Sie aus einem Labor aus Singapur, San Francisco oder Heidelberg kommen, es wird sich hier sehr ähnlich anfühlen", weiß Hurtl aus Erfahrung.

Die Entspannungszone neben der Cafetaria im ersten Stock
Die Entspannungszone neben der Cafetaria im ersten StockDie Presse (Carolina Frank)

Über eine Freitreppe erreicht man die beliebteste Zone des Hauses, die rote Kuschelecke. Mit dem gepolsterten Rückzugsort haben sich die Innenarchitekten von Mo-Design ein paar Freunde im Institut gemacht - vielleicht mehr als die Architekten mit dem offenen, mit vielen Arbeitsplätze direkt verbundenen Atrium. Die Sitznischen werden nicht nur als Rückzugsort genutzt, sondern auch als verlängerter Arm des Hörsaals, mit Kopfhörern kann man den Vorträgen im Inneren lauschen ohne pünktlich sein zu müssen. Die ganze Stoffverkleidung hat eine schalldämpfende Wirkung. "Wie der Teppichboden, den wir auch an Orten haben, an denen es vielleicht nicht auf Anhieb Sinn macht, wie in der Cafeteria" - die nun mal zu den eher geräuschvollen Räumen zählt. 

Spionagefenster: Von der roten Höhle aus kann man mittels Kopfhörer drahtlos den Gesprächen im Hörsaal lauschen.
Spionagefenster: Von der roten Höhle aus kann man mittels Kopfhörer drahtlos den Gesprächen im Hörsaal lauschen.Die Presse (Carolina Frank)

Vom offenen, für alle zugänglichen Atrium springen wir in die oberste Etage. Im fünften Stock findet man viele Funktionen, die mit der Administration zusammenhängen: beide Direktoren des Hauses (Wissenschaft und Finanz), Buchhaltung, Bibliothek, Grafikabteilung aber auch eine großzügige Küche mit Spinds für private Lebensmittel und einer Terrasse zum Durchatmen. "Die schöne Teeküche war auch ein Entgegenkommen an die Mitarbeiter, die manchmal sehr viele Stunden im Institut verbringen", sagt Heidemarie Hurtl. Wer im IMP forscht, tut das nicht selten bis in die Nacht hinein und am Wochenende. "Experimente und biologische Proben kann man schlecht am Freitag im Stich lassen." In der Küche sind - wie bereits im Foyer - Sichtbeziehungen zu anderen Einheiten durch Glaswände möglich. Immerhin war es eines der gesetzten Ziele des Neubaus, die Kommunikation im Haus zu verbessern.

Mitarbeiterküche im fünften Stock
Mitarbeiterküche im fünften StockDie Presse (Carolina Frank)

Durch das Haus zieht sich also eine Menge Glas. Und damit man nicht gegen eine der vielen Scheiben läuft, wandern Buchstaben der DNA eines bestimmten Proteins durch die Gänge, das im Institut eine wichtige Rolle spielt. Genaugenommen ist es nur ein Teilabschnitt, der Code ist länger als die zur Verfügung stehenden Glasmeter. Der Code führt durch die Gänge vorbei an Meetingräumen, Labors und durch die offene Bürowelt mit den kleineren Arbeitsplätzen der Forscher.

Blick durch den DNA-Code eines Proteins in die Bibliothek
Blick durch den DNA-Code eines Proteins in die BibliothekDie Presse (Carolina Frank)

Von oben steigt man über eine offene Treppe in einen sensibleren Bereich des Hauses. Die Arbeitsplätze sind im IMP zwar für alle fix, wer aber kein eigenes Büro hat, bekommt einen Tisch im Großraumbüro. Studenten und Postdoktoranden arbeiten hier etwas enger, sie teilen sich manchmal auch einen Arbeitsplatz. Hurtl beschreibt die Atmosphäre als "Bibliothekscharakter". Automatisch dämpft man die Stimme, um niemanden zu stören. Der unauffällige Hintergrund-Geräuschpegel, auf den die Architekten von ATP ursprünglich gesetzt hatten, konnte sich in der Praxis noch nicht beweisen. Die Bewegung in den Gängen sorge überdies für Ablenkung. Dafür sind die Wege zu den Büros der Gruppenleiter näher und durch Glaswände ersichtlich. Ein Vorteil, den das alte Gebäude nicht hatte. 

Studenten und Postdoktoranden bei der Arbeit
Studenten und Postdoktoranden bei der ArbeitDie Presse (Carolina Frank)

"Ich glaube, wir sind das Haus mit der höchsten Kühl- und Gefrierschrank-Dichte in Wien", sagt Hurtl am Weg durch eines der größeren Labors. Reagenzgläser, Petrischalen, Zentrifugen - viele Kühlschränke bestimmen das Bild. Gele schwanken gleichmäßig in Wippmischern auf und ab. Studenten in blauen Gummihandschuhen pipettieren Flüssigkeiten von einem ins andere Röhrchen. Vielleicht wird auch an jenem Protein gearbeitet, dessen Code noch immer durchs Haus wandert. Als "Scientific Heaven" bezeichnen die IMP-Wissenschaftler das Haus. Was fehlt ihnen dennoch? Vielleicht mehr Sichtbarkeit in den USA, mehr ältere Frauen in Führungspositionen - und natürlich: ein Nobelpreisträger.

In den warmen Monaten trifft man hier auch sehr junge Studenten der "Summer School" des Instituts an.
In den warmen Monaten trifft man hier auch sehr junge Studenten der "Summer School" des Instituts an.Die Presse (Carolina Frank)

 

Auf einen Blick

Das Forschungsinstitut für Molekulare Pathologie (IMP) ist eine private, von dem Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim gegründete Forschungseinrichtung, die seit 1985 an der Entschlüsselung fundamentale Fragen der Molekularbiologie arbeitet.

Adresse: Campus-Vienna-Biocenter 1, 1030 Wien. www.imp.ac.at