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Gewalt: Jedes Jahr sterben 25 Frauen durch (Ex-)Partner

(c) REUTERS (Stefan Wermuth)

Frauenmorde nehmen zu, warnen Gewaltschutzeinrichtungen. Gleichzeitig stoppt das Innenministerium ein Projekt zur Evaluierung von Gewalt gegen Frauen – es sei kein Mehrwert erkennbar, lautet die Begründung.

Wien. Obwohl in Österreich die Zahl der Tötungsdelikte an Frauen zunimmt, werden Angebote von Gewaltschutzeinrichtungen – wie Fallkonferenzen mit Experten oder auch spezielle Bewährungshilfe für Täter – nicht genutzt. Das Innenministerium hat gar ein Projekt gestoppt. Die Allianz „Gewaltfrei leben“ forderte nun u. a. eine Kommission zur Untersuchung von Frauenmorden.

„Hochrisikofälle werden jedes Jahr mehr“, sagte Irma Lechner vom Verein ZÖF (Zusammenschluss Österreichischer Frauenhäuser) am Dienstag bei einem Pressegespräch. 2017 betreuten die vier Wiener Frauenhäuser 624 Frauen und 640 Kinder. Dabei dokumentierten die Frauenhäuser 107 Fälle von Misshandlungen mit Waffengebrauch, davon 84 mit Messern, sieben mit Schusswaffen und 16 mit anderen Waffen. Gerade wenn Waffen vorhanden sind, sei von äußerst gefährlichen Fällen auszugehen, so Lechner.

Wie viele Frauen pro Jahr durch Gewalt in Beziehungen sterben, werde in Österreich nicht statistisch erfasst. Opferschutzeinrichtungen verzeichnen diese Morde anhand von Medienanalysen. In Österreich werden jährlich 20 bis 25 Frauen durch ihre (Ex-)Partner ermordet. Seit 2012 kamen insgesamt 122 Frauen und sieben Männer durch Gewalt in Beziehungen ums Leben. Zahlen zu Mordversuchen scheinen überhaupt nirgends auf, kritisierte die Geschäftsführerin der Wiener Interventionsstelle gegen Gewalt in der Familie, Rosa Logar.

 

Ministerium stoppt Projekt

„Morde kommen nicht aus heiterem Himmel“, betonte Logar. „Wir schätzen, dass mindestens die Hälfte der Fälle angekündigt wird.“ Gerade die Zusammenarbeit der Institutionen sei bei der Prävention wichtig, so Lechner: „In Fällen von High Risk ist jede Einzelinstitution überfordert.“ Zur Gefährlichkeitseinschätzung brauche man Daten von allen Einrichtungen. Die Interventionsstelle gegen Gewalt in der Familie bietet Fallkonferenzen mit Fachleuten an. Allerdings wird dieses Angebot von der Polizei nicht mehr angenommen. Auch das Angebot der Zusammenarbeit bei der Bewährungshilfe werde von der Staatsanwaltschaft nicht angenommen. „Es gibt da ein Systemproblem bei der Staatsanwaltschaft. Das ist sicher auch eine Ressourcenfrage und zum Teil fehlende Sensibilität“, meinte Logar. „Wir haben die Maßnahmen, aber sie werden nicht genutzt.“

Wie das Ö1-Morgenjournal berichtet, hat das Innenministerium das Projekt, bei dem Gewaltfälle gegen Frauen von Polizei, Justiz und Interventionsstellen evaluiert werden, gestoppt. Es sei kein Mehrwert zu erkennen gewesen, ließ das Ministerium wissen
Auch auf Bundesebene werde ein gravierender Anstieg an Hochrisikofällen und Tötungsdelikten festgestellt, berichtete Eva Schuh vom Bundesverband der Gewaltschutzzentren und Interventionsstellen. Im Jahr 2017 gab es laut polizeilicher Kriminalstatistik 54 Tötungsdelikte, davon 36 im Familienkreis. In 24 Fällen waren die Opfer Frauen, in jeweils sechs Fällen handelte es sich um Kinder und Männer. 2014 wurden 38 Personen getötet, davon 17 im Familienkreis. „In den letzten vier Jahren kam es zu mehr als einer Verdopplung der Mordfälle im Familienkreis. Medienberichten zufolge gab es 2018 bereits 16 Morde, mehrere davon im Familienkreis“, so Schuh.

Die Allianz Gewaltfrei leben fordert nun ein umfassendes Sicherheitsmanagement. (APA)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.04.2018)