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Managementwahnsinn - Wahnsinnsmanagement

Sanierung für Anfänger

(c) Pixabay
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Kolumne "Hirt on Management". Folge 77.

In unserer Rubrik „Hirt on Management“ beantwortet Michael Hirt, Managementexperte und -berater, Executive Coach und Keynote Speaker alle zwei Wochen Fragen von Managern zu herausfordernden Situationen und kritischen Entscheidungen.

Frage: Wie gehe ich als Manager mit ernsten Liquiditätsproblemen um?

Ich kenne keinen Unternehmer, der sich nicht, mindestens einmal, mit ernsten Liquiditätsproblemen herum geschlagen hat. Das ist schon deshalb so, weil Wachstum Liquidität verschlingt, aber auch weil immer Unvorhergesehenes passieren kann und Verzögerungen eintreten können.

Der Realität ins Gesicht schauen


Wenn es bereits soweit gekommen ist, dass Ihr Unternehmen ernste Liquiditätsprobleme hat, dann macht es keinen Sinn, den Kopf in den Sand zu stecken.
Packen Sie den Stier bei den Hörnern und gehen Sie die Situation aktiv an. Lethargie ist sicher das falsche Rezept. In vielen Fällen wird es durch entschlossenes Handeln gelingen, das Ruder herumzureißen.

Kassensturz


Verschaffen Sie sich sofort einen Überblick, über welche Quellen von Liquidität, also vereinfacht gesagt Bargeld, mit dem sie Rechnungen bezahlen und Schulden abbauen können, Sie verfügen.

Es gibt nur drei Quellen von Liquidität.

Erstens, Eigenkapital, also Geld das die Eigentümer bereit sind, in das Unternehmen zu stecken. Verfügen Sie über private Liquidität, oder können Sie solche von sich oder Investoren beschaffen, um die Kapitalbasis Ihres Unternehmens aufzupeppen?

Zweitens, Fremdkapital, also Geld, das ihnen jemand borgt. Gibt es noch irgend jemanden, von dem Sie oder Ihr Unternehmen sich Geld ausborgen können? Welche Sicherheiten können Sie dafür zur Verfügung stellen?

Drittens, Liquidität die von Ihrem Unternehmen in der Form von Cashflows produziert wird, entweder aus dem laufenden Geschäft, oder aus dem Verkauf von Vermögensgütern des Unternehmens.

Machen Sie eine Liste aller dieser möglichen Quellen von Liquidität samt realistischer Termine, wann diese Liquidität zur Verfügung stehen kann und stellen Sie dem eine Liste Ihrer Schulden und Zahlungsverpflichtungen gegenüber, samt der entsprechenden Zahlungsfristen.

Wie groß ist der Problem jetzt wirklich?

Sofortmaßnahmen zur Liquiditätssicherung


Handeln Sie entschlossen. Sie verfügen über zwei große Stoßrichtungen: Ihre Einnahmen zu steigern und ihre Ausgaben zu senken.

„Cash ist King“, daher sollten Sie z.B. folgende Maßnahmen zur sofortigen Verbesserung ihrer Liquidität überlegen: Preiserhöhungen, Stopp unprofitabler Produktlinien oder Kundenbeziehungen, Ausbau profitabler Produktlinien und Kundenbeziehungen, Factoring, Lagerabbau, Just-in-Time-Produktion, Sale-and-Leaseback, Forderungen mit Nachdruck eintreiben und Schulden abbauen oder mit längerer Laufzeit umschulden, Verkauf von nicht betriebsnotwendigem Vermögen, Schließung von Betriebsabteilungen bzw. Standorten und/oder Outsourcing von Leistungen, Lohn- und Gehaltskürzungen, Personalabbau, Verhandlung von Mietkürzungen, Stopp aller nicht unbedingt notwendigen Ausgaben, Verhandlung von Stundungen oder sogar Forderungsverzichten durch Gläubiger.

Verstecken Sie sich vor ihren Gläubigern nicht, sondern treten Sie in den Dialog. In den allermeisten Fällen werden Ihre Gläubiger bereit sein, Ihnen zB. in Form eines Zahlungsaufschubs, entgegenzukommen, oder sogar zur Gänze auf Forderungen zu verzichten, weil sie ein Interesse daran haben, dass Sie weiter als Kunde oder Lieferant im Geschäft mit Ihnen bleiben.

Liquiditätsmanagement und Sanierungsplan


Sobald Sie ihre unmittelbaren Liquiditätsprobleme in den Griff bekommen haben, müssen Sie ein striktes Liquiditätsmanagement einführen und einem Sanierungsplan entwickeln und umsetzen, der die strategischen und operativen Ursachen der Liquiditätsprobleme analysiert und, vorausgesetzt, dass das Unternehmen sanierungsfähig und sanierungswürdig ist, nachhaltig Abhilfe schafft.


Das Wichtigste in Kürze


Schauen Sie der Realität ins Gesicht, machen Sie einen Kassensturz und setzen Sie Sofortmaßnahmen zur Liquiditätssicherung. Sobald Sie ihre unmittelbaren Liquiditätsprobleme in den Griff bekommen haben, führen Sie ein striktes Liquiditätsmanagement ein und entwickeln einem Sanierungsplan.



In „Hirt on Management“ beantwortet Michael Hirt, Managementexperte und -berater, Executive Coach, Keynote Speaker und Buchautor alle 2 Wochen Fragen von ManagerInnen zu herausfordernden Situationen und kritischen Managemententscheidungen.

Schicken Sie Ihre Fragen an Michael Hirt an: karrierenews@diepresse.com

Die Fragen werden anonymisiert beantwortet.

Ausblick: Die nächste Kolumne von Michael Hirt erscheint am 2. August 2018 zur Frage: Was Sie an der Harvard Business School lernen: Wie Sie im Business-to-Business-Markt hohe Kundenbindung aufbauen.

Hier finden Sie die gesammelten Kolumnen.

Dr. Michael Hirt, geboren 1965 in Wien, ist Managementexperte und -berater, Executive Coach, Keynote Speaker und Buchautor. Hirt verhilft Führungskräften zu schnellen Leistungs- und Ergebnissteigerungen, mit hoher Auswirkung auf den Erfolg ihres Unternehmens. Er studierte in Österreich, Kanada (McGill) und Frankreich (INSEAD MBA) und ist weltweit tätig.