Inflation: Das Leben wurde im Juni deutlich teurer

Symbolbild.
Symbolbild. (c) APA/ROLAND SCHLAGER (ROLAND SCHLAGER)
  • Drucken

Spritpreise, Mieten und Einkaufen im Supermarkt ließen die Juni-Inflation in Österreich auf zwei Prozent schnellen. Auch in der Eurozone wurde die Wunschmarke der EZB überschritten. Sorgen macht Großbritannien.

Wien/Frankfurt/London. Wer ein Auto fährt, Heizöl kauft, in einer Mietwohnung lebt, raucht oder gern in Restaurants geht bzw. in Hotels übernachtet, hatte im Juni schlechte Karten. Hier sind die Preise im Jahresvergleich teils stark gestiegen. Billiger wurden Städteflüge und alles rund um Nachrichtenübermittlung wie Telefongebühren.

Im Schnitt hat sich das Leben in Österreich im Juni um 2,0 Prozent verteuert, ermittelte die Statistik Austria. Damit hat die Inflation erstmals wieder diese Grenze erreicht, nachdem sie heuer stets darunter geblieben war. Nach harmonisiertem Verbraucherpreisindex lag die Teuerung bei 2,3 Prozent.

(c) Die Presse

Ausschlaggebend für den Anstieg waren jedenfalls die hohen Spritpreise. Treibstoffe wurden im Juni um 14,3 Prozent teurer. Ohne die Ausgaben für sie hätte die Inflation nur 1,6 Prozent betragen, so die Statistik Austria.

Gepusht wurde die Teuerung auch von Preiserhöhungen für Mietwohnungen (+3,6 Prozent) und den täglichen Einkauf (Mikrowarenkorb, +3,3 Prozent). Gute Nachrichten gibt es hingegen für reisefreudige Österreicher: Städteflüge (–32,3 Prozent) wurden signifikant günstiger, Brillengläser übrigens um 13,8 Prozent, Mobiltelefone um 11,4 Prozent.

Eurozone und Großbritannien

Der harmonisierte Verbraucherpreisindex ist auch in der Eurozone erstmals seit mehr als einem Jahr über die Wunschmarke der Europäischen Zentralbank (EZB) von knapp unter zwei Prozent gestiegen. Die Teuerungsrate kletterte in den 19 Ländern der Währungsunion im Juni auf 2,0 Prozent, wie das Statistikamt Eurostat am Mittwoch mitteilte und damit eine vorläufige Schätzung bestätigte. Die EZB beschloss angesichts der anziehenden Inflation zuletzt einen Schritt hin zu einer weniger lockeren Geldpolitik. Die höchsten Inflationsraten innerhalb der Eurozone bzw. innerhalb der EU weisen übrigens die mittel- und osteuropäischen Staaten auf.

Sorgen bereitet demgegenüber Großbritannien. Dort hat die Inflation im Juni trotz hoher Ölpreise auf ihrem Mai-Niveau von 2,4 Prozent verharrt, so das Statistikamt ONS. Von Reuters befragte Ökonomen hatten 2,6 Prozent prognostiziert. Die Kerninflation (also Lebensmittel und Energie ausgenommen) sank gar auf 1,9 Prozent. Die Wirtschaft auf der Insel lahmt. Nachlassende Spekulationen auf eine baldige Zinserhöhung der Bank von England versetzen dem Pfund einen neuen Schlag. Die Währung rutschte am Mittwoch um 0,8 Prozent ab und war so billig wie vor elf Monaten. (ag./est)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.07.2018)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:

Mehr erfahren

THEMENBILD: SPRITPREISE / TREIBSTOFFPREISE
Österreich

Teurer Sprit treibt die Inflation

Die Inflation ist im Juni in Österreich, getrieben von dem anziehenden Ölpreis, auf zwei Prozent gestiegen. Das ist jene Marke, die die EZB als Voraussetzung für eine Zinswende ansieht.

Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.