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Wiener Open-Air "Kino unter Sternen" hört endgültig auf

Foto: Kino unter Sternen
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Das Gratis-Freiluftkino, das traditionell am Karlsplatz in Wien stattfindet, steht vor dem Aus. Es wird nächstes Jahr nicht fortgesetzt, verkündete die Kuratorin.

Wiens Cineasten müssen künftig mit einem Freiluftkino weniger auskommen. Das erste große Freiluft-Kino Österreichs „Kino unter Sternen“ findet heuer zum letzten Mal statt. Nur zwei Tage vor der letzen Filmvorführung am 21. Juli verkündete Kuratorin Judith Wieser-Huber am Donnerstag, dass sie das Festival nicht weiterführen wird.

Es fehle an Geld, begründet Wieser-Huber ihre Entscheidung. „Wien fördert das Festival seit einem Jahrzehnt mit der immer gleichbleibenden Summe.“ Steigende Kosten könnten auch durch zusätzliche Sponsoren und Kooperationen nicht ausgeglichen werden. „Mit dieser knappen Finanzierung ist es unmöglich, Kino unter Sternen weiter zu entwickeln.“

Vorprogramme, zu denen sie so wie früher Künstler einlädt, Auftritte, Shows und Lesungen wie die von Sänger Austrofred oder Regisseur Michael Glawogger - das hätte sich Wieser-Huber vorgestellt, um das Festival weiterhin lebendig zu gestalten. Dafür habe das Budget aber nicht mehr gereicht.

Etwa 100.000 Euro Förderung bekam das Festival von der Stadt Wien, "und noch einige 10.000 von Sponsoren", erzählt Richard Pyrker, Sprecher des Festivals. Man habe versucht, weitere Förderer zu bekommen. „Es ist aber nicht leichter, sondern schwieriger geworden.“ Auch heuer ist noch nicht sicher, ob „es sich ausgehen wird.“ Wieser-Huber müsse als Trägerin des Vereins die übrigen Kosten selbst tragen. Auf solche prekären Bedingungen habe sie „keine Lust mehr gehabt."

Die Stadt „bedaure“ den Rückzug des Kinos, wie eine Sprecherin der Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) zur APA sagt. Nicht ganz erfreut ist man über die Vorgangsweise: Es sei schade, dass die Veranstalter nicht das Gespräch mit der Stadt gesucht hätten. Gleichzeitig wurde darauf hingewiesen, dass das Sommerkino am Karlsplatz die höchste Dotierung aller von der Kulturabteilung geförderten Open-Air-Filmfestivals erhalte. 

Schon 2017 abgesagt

Die Probleme sind nicht neu. Schon letztes Jahr musste das Gratis-Festival abgesagt werden. Aufgrund der geänderten Festival-Ordnung der Stadt Wien war die Förderzusage erst zwei Monate vor geplanten Fesitvalstart gekommen – viel zu spät, wie Pyrker erzählt.

Das Freiluftkino-Festival, das zuletzt nur österreichische Filme gezeigt hat, gibt es seit 1996. Es fand zunächst im Augarten statt. Auf einer eigens aufgebauten Tribüne fanden dort fast 1.000 Menschen Platz - wobei damals für den Kinobesuch noch Eintritt bezahlt werden musste. 2009 übersiedelte das Fesitval an den Karlsplatz, ab sofort wurden die Filme bei freiem Eintritt gezeigt. Seinen Besucherrekord hatte es im Jahr 2006 mit 25.000 Besuchern. Für 2018 rechnen die Veranstalter aufgrund von Schlechtwetter und Konkurrenz-Events wie der Fußball-WM mit insgesamt 12.000 Besuchern.

Das Festival startete heuer am 28. Juni. Die letzte Vorstellung wird am 21. Juli um 21:30 Uhr stattfinden. Gezeigt wird der Publikums-Wunschfilm "Halbe Welt" von Florian Flicker.