Schuldenlawine bedroht US-Heuschrecken

(c) Clemens Fabry
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Der Finanzbranche droht eine neue Pleitewelle. Einen Lichtblick gibt es aber: Derzeit ist die Nachfrage nach riskanten (und entsprechend hoch verzinsten) Anleihen recht gut.

New York (red.). US-Banken weisen in ihren Bilanzen zwar schon wieder schöne Gewinne aus. Das sollte aber nicht zur Annahme verleiten, dass die Finanzkrise überstanden ist: Auf die Branche donnert eine riesige Schuldenlawine zu, die vor allem Hedgefonds unter sich begraben könnte.

Laut „New York Times“ werden von 2012 bis 2014 insgesamt 700 Mrd. Dollar an sogenannten Junk Bonds (das sind hoch verzinste Anleihen von Schuldnern mit schlechter Bonität) fällig. Diese Anleihen müssen refinanziert werden. Das geschieht entweder durch die Aufnahme neuer Kredite oder durch die Begebung neuer Anleihen.

Experten bezweifeln stark, dass der Markt ein derartiges Volumen in kurzer Zeit ohne Verwerfungen bewältigen kann. Die wahrscheinlichste Variante ist, dass die plötzliche hohe Nachfrage die Zinsen, die diese Schuldner zu zahlen haben, hoch treibt. Das, so fürchten Experten, könnte unter den schwächer kapitalisierten Schuldnern eine enorme Pleitewelle auslösen.

Der Hintergrund des plötzlichen Geldbedarfs: Knapp vor Ausbruch der Krise, 2007, hatte die Übernahmewelle durch so genannte Heuschreckenfonds einen dramatischen Höhepunkt erreicht. Nicht zuletzt, weil durch die US-Notenbankpolitik billiges Geld in großer Menge sehr leicht verfügbar war. Die Bonds, die zur Finanzierung dieses Kaufrausches begeben wurden, haben Laufzeiten zwischen fünf und sieben Jahren – und reifen deshalb allesamt zwischen 2012 und 2014 ab. Jetzt ist aber Geld für die Refinanzierung bei Weitem nicht mehr so leicht zu bekommen.

Einen Lichtblick gibt es aber: Derzeit ist die Nachfrage nach riskanten (und entsprechend hoch verzinsten) Anleihen recht gut. Die Unternehmen könnten also den Engpass umgehen, indem sie vorzeitig mit der Refinanzierung ihrer Anleihen beginnen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.03.2010)

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