Probleme des Massentourismus

Touristen auf dem Markusplatz
Touristen auf dem Markusplatz(c) Bilderbox
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Hat die Technik auch eine Lösung für die Probleme des Massentourismus?

Zwischen zwei und fünf Uhr in der Früh ist eine gute, nein, die einzige Zeit, um auf dem Markusplatz in Venedig ein paar andächtige Schritte zu tun, ohne jemanden ins Eisstanitzel oder Selfie zu stolpern, um ungestört die Vergangenheit zu imaginieren und den Zauber des Ortes ohne Erdung in seiner profanen Wirklichkeit als hoffnungslos überrannter Tourismus-Hotspot auf sich wirken zu lassen. Wir wissen um die brauchbaren Slots in der Nebensaison, sofern Venedig noch eine hat, und kämen kaum auf die Idee, an einem Julitag die Stadt zu erkunden. Der chinesische Tourist hingegen, der als Entsandter einer prestigebewussten Mittelklasse seine globale Must-see-List beziehungsweise eine Menge Selfies auf der ganzen Welt abzuarbeiten hat, kann sich das nicht aussuchen. Was sieht er von diesen Orten fern der Heimat? Jede Menge von seinesgleichen.

Keine Wahlmöglichkeit hat auch der Einheimische, der allenfalls ein Geschäft mitnehmen kann von etwas, was vielen wie eine Heuschreckenplage vorkommt. Die Lösung könnte lauten: Einfach zu Hause bleiben, Leute! Die Möglichkeiten der virtuellen Realität gestatten eindrucksvolle Rundgänge durch antike Gemäuer, dabei ist VR noch eine Technologie in den Kinderschuhen. So könnte auch das Reisebüro zu neuer Bedeutung kommen: Man hat das Equipment nicht zu Hause, sondern in Studios, die eine umfassende Erfahrung – optisch, akustisch, olfaktorisch – aller relevanten Sightseeing-Destinationen bieten. Den Orten selbst bleiben Einnahmen durch Lizenzen aus der digitalen Vermessung – und künftig wieder Raum für ein Leben in einer Stadt, nicht einem Freizeitpark.

timo.völker@diepresse.com


Nächste Woche:
Karl Gaulhofer

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.07.2018)

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