Juncker kann viel mehr als nur Bussi-Bussi-Politik

Jean-Claude Juncker und Donald Trump.
Jean-Claude Juncker und Donald Trump.(c) REUTERS (POOL New)
  • Drucken

US-Präsident Donald Trump empfängt heute EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker im Weißen Haus. Das erfordert höchste diplomatische Kunst von Juncker. Trump sollte ihn aber nicht unterschätzen.

Die europäische Bussi-Bussi-Politik, wie sie Jean-Claude Juncker mit seinen überfallsartigen „Attacken“, seinen Umarmungen und Tätscheleien zum eher peinlichen Kult in Brüssel erhoben hat, behagt Donald Trump ganz und gar nicht – weder im körperlichen noch im politischen Sinn. Der EU-Kommissionspräsident und Handelskommissarin Cecilia Malmström sollten sich heute im Weißen Haus bei ihrem Treffen mit dem US-Präsidenten eher auf harte Bandagen einstellen, wie kürzlich beim G7-Gipfel in Kanada und dem Nato-Gipfel in Brüssel, als Juncker Augenzeuge der Konfrontation Trumps mit den Alliierten war und standfest blieb.

Auf dem Areal des Weißen Hauses hat Trump in dieser Woche eine Ausstellung mit US-Produkten, von Cowboy-Stiefeln bis zum Kampfjet, eröffnet. Die Schau unterstreicht sein Credo von „America First“. Darum wird es in Washington heute gehen: um den Abbau von Handelsbarrieren oder umgekehrt um eine eventuelle Spirale von gegenseitigen Strafzöllen. „Zölle sind das Größte“, twitterte Trump vor der Visite in provokativer Manier. Neulich hatte er in einem Interview die EU zur Irritation der Europäer als Handelsfeind bezeichnet.

Dass mit Charme und Schmeicheleien bei Trump letztlich nichts zu gewinnen ist, musste bereits Emmanuel Macron erfahren. Vor seinem Trip hat sich Juncker daher auch mit einigen europäischen Staats- und Regierungschefs beraten und Verhandlungstipps eingeholt. „Nicht klein beigeben“, lautet die Devise des deutschen Außenministers Heiko Maas. Frankreichs Finanzminister Bruno Le Maire warnte die USA vor einem „Gesetz des Dschungels“ und dem „Recht des Stärkeren“. Das ist die eine Prämisse in den Gesprächen mit dem US-Präsidenten. Die andere Botschaft heißt: Die EU lässt sich nicht spalten.

Von Juncker ist heute höchste diplomatische Kunst gefordert: Er muss Trump seine Grenzen aufzeigen, aber eine Eskalation des Handelskonflikts verhindern. Er hat darin als Luxemburger Regierungschef und nun als Kommissionspräsident jahrzehntelange Erfahrung im Geschacher und in Verhandlungstaktik bei EU-Gipfeln. Seine Zähigkeit hat der Politprofi hinlänglich unter Beweis gestellt. Mister President sollte Mister Europa, der zuletzt mit physischer Schwäche von sich reden machte, nicht unterschätzen.

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.