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Mehr Seele als Körper: Das iPad als Retter

(c) REUTERS (KIMBERLY WHITE)
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Die Erwartungen der Printbranche sind übergroß. Die Kreativität ist gefragt, um im neuen Umfeld zu bestehen: Das iPad soll die Seele der klassischen Medien – ihren Inhalt in Text, Bild, Ton – in ein neues Leben führen.

Ausgerechnet Karsamstag: Am 3.April kommt Apples iPad auf den Markt. Mit ihm, so erhofft sich die Printbranche, wird sie auferstehen, auch wenn sie ihren papiernen Körper irgendwann dafür opfern muss. Das iPad soll die Seele der klassischen Medien – ihren Inhalt in Text, Bild, Ton – in ein neues Leben führen. Die Buchbranche (die ja eher vom Körper als von der Seele lebt) fürchtet sich noch ein bisschen vor dem Apple-Heilsbringer.

Seit Freitag kann man das iPad vorbestellen, nach Deutschland kommt es Ende April; für Österreich ist kein Termin fixiert. 120.000 Stück (à 367 bis 515 Euro) wurden in den USA angeblich gleich am Tag eins verkauft. Eine beachtliche Zahl: Beobachtern zufolge hat Amazon seinen E-Reader Kindle doppelt so oft abgesetzt (die Daten werden nicht veröffentlicht) – allerdings innerhalb eines Dreivierteljahres. Das iPad hat schließlich eine Zusatzfunktion: Es verbindet das E-Book mit den erfolgreichen iPhone-„Apps“ (Anwendungen verschiedenster Onlinedienste auf dem Apple-Handy). Die Verleger klassischer Medien sehen darin ihre Chance, sich doch noch standesgemäß im Internet zu positionieren.

Martin Langeveld, der für Harvards renommiertes Nieman Journalism Lab bloggt, veröffentlichte vergangene Woche ein kleines Weißbuch, in dem er prognostiziert, das iPad werde die Mobilität insgesamt und somit mobiles Einkaufen, Kommunizieren, Mediennutzen deutlich steigern. Die Kreativität der Medienbranche ist gefragt, um im neuen Umfeld zu bestehen: Ben Hammersley z.B., Redakteur des „Wired“-Magazins, arbeitet derzeit an einem Tool namens „Budding“, das Verlagen helfen soll, ihre Inhalte für all die Plattformen – von Facebook über Twitter bis eben zum iPad – aufzubereiten.

 

Touchscreen spricht Jung und Alt an

Warum aber sollen sich Konsumenten das neue „iDing“ überhaupt kaufen? Die Zielgruppe für E-Books sind eher Viel- und Berufsleser. Bleiben andere dann nicht lieber gleich bei iPhone & Co. – auf denen es sich auch nicht so übel surfen lässt? „New York Times“-Kolumnist David Carr meint: Um an Mann und Frau gebracht zu werden, brauche das iPad die Hilfe der Printmedien. Seine Zeitung kooperiert mit Apple; aber auch „Washington Post“ und Condé Nast („Vanity Fair“) arbeiten an iPad-Versionen.

Ex-„Spiegel“-Chef Stefan Aust plant für den WAZ-Verlag gar ein Magazin explizit für die Ära des iPad. Doch entsteht damit schon ein neues Problem: Die Lesertreue, bei Zeitungsmarken traditionell hoch, verliert sich im Internet. Wird eine Zeitung online kostenpflichtig, würden 82Prozent ihrer User sich anderswo um Nachrichten umschauen, so eine vom „Guardian“ zitierte Studie. Immerhin 15 Prozent würden zahlen – ob das der Zeitung zum Auferstehen reicht? Oder müssen dazu doch neue Zielgruppen her? Eine Idee: Das iPad könnte Kleinkinder und alte Menschen ins digitale Zeitalter einführen – weil sein großer Touchscreen sie anspricht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.03.2010)