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Tiger, Hai und Eisbär: Artenschutz droht Debakel

Doha Artenschutz droht Debakel
Tiger sind nur eine gefährdete Tierart, deren Schutz in Doha zu scheitern droht(c) EPA (Frank May)
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Bei der Konferenz in Doha sind in der ersten Woche quasi alle Anträge zum Schutz von Arten wie Thunfisch, Hai oder Eisbär abgeschmettert worden. Der Cites-Geschäftsführer spricht von "kläglichem Versagen".

Als am vergangenen Samstag die Artenschutzkonferenz in Doha im arabischen Emirat Katar begonnen hat, forderte der Cites-Geschäftsführer Willem Wijnstekers zunächst nur mehr Geld. Nun, nach fast einer Woche Verhandlung, droht viel Schlimmeres: Die 175 Vertragsstaaten des Washingtoner Artenschutzabkommens Cites können sich nicht und nicht auf einen verbindlichen Schutz einzelner Tierarten einigen - etwa Tiger, Haie, Eisbären oder Thunfische. Insgesamt stehen 42 Anträge auf der Tagesordnung der zwölftägigen Konferenz, die am 25. März endet.

Der Streit um ein Fang- und Handelsverbot für den Blauflossen-Thunfisch ist bereits am Eröffnungswochenende eskaliert. Während die EU und die USA ein derartiges Verbot befürworten, setzte Japan auf Blockade. 80 Prozent des weltweiten Fangs werden nach Japan verkauft, wo der Thunfisch für Sushi verwendet wird. Mehrere arabische Staaten und Kanada schlossen sich der Haltung Japans an. Am Donnerstag war das Verbot endgültig vom Tisch.

Tierschützer äußerten sich enttäuscht. "Kommerzielle Interessen der Fischerei-Industrie haben wieder einmal über den Schutz der Meerestiere gesiegt", sagte eine Sprecherin der Organisation Pro Wildlife.

"Klägliches Versagen" bei Tiger und Eisbär

Ähnlich wie dem Thunfisch könnte es einigen Land-Raubtieren ergehen: Wijnstekers warf der internationalen Gemeinschaft vor, beim Schutz der Tiger "kläglich versagt" zu haben. Die Raubkatze sei mittlerweile vom Aussterben bedroht, sagte Wijnstekers am Montag. Nach Angaben der Vereinten Nationen gibt es nur noch 3200 Tiger in freier Wildbahn. Vor 20 Jahren lebten noch 100.000 Exemplare in Asien.

Auch der Schutz von Eisbären wird nicht ausgeweitet: Die Verhandler haben ein Verbot des internationalen Handels mit Eisbären, Fellen und anderen Jagdtrophäen abgelehnt. Die EU-Staaten stimmten geschlossen gegen den Antrag der USA. Ihre Ablehnung begründeten sie damit, dass der Eisbär schon jetzt genug geschützt sei, weil der Handel nur mit Einschränkungen erlaubt ist. Außerdem sei es zwar richtig, dass der Lebensraum der großen Bären schrumpft. "Das Eis schmilzt aber nicht so schnell, als dass dies die Eisbärenpopulation gefährdet", hieß es aus der EU-Delegation.

Selbst für Elefanten könnte sich die Lage verschlechtern: Tansania und Sambia geht es auf der Konferenz um Ausnahmeregelungen für den Verkauf von insgesamt 110 Tonnen Elfenbein. Kritiker warnen, dass dies eine gesteigerte Nachfrage nach Elfenbein und damit eine illegale Jagd auf Elefanten auslösen könnte. 2007 wurde mehreren Staaten im Süden Afrikas eine einmalige Ausnahmegenehmigung für die Versteigerung von Elfenbein aus Lagerbeständen erteilt, seither haben Wildhüter eine drastische Zunahme der Wilderei von Elefanten beobachtet. Umweltschützer befürchten, dass angesichts hoher Preise auch illegales Elfenbein in die Lagerbestände geschmuggelt wird.

Keine Transparenz bei Hai-Handel

Schlecht sieht es auch für Haie aus: Eine Initiative für mehr Transparenz im Handel mit Haifischprodukten fand nicht die erforderliche Zweidrittelmehrheit. Zuvor war erwartet worden, dass dieser Antrag ohne Probleme verabschiedet würde. Die EU, die USA und andere Unterstützer wurden jedoch überstimmt.

Der Antrag verlangte auch die Förderung von Forschungsprojekten zur Bedrohung von Haifischen durch illegalen Fischfang. Besonders gefährdet sind der Bogenstirn-Hammerhai (Sphyrna lewini) und der Weißspitzen-Riffhai (Triaenodon obesus). Ihr Bestand ging seit den 80er Jahren drastisch zurück, insbesondere wegen hoher Nachfrage nach Haifischflossensuppe in China.

Uneinigkeit bei Schutz für Krokodile

Abgelehnt wurde in Doha auch ein Antrag Ägyptens, den internationalen Handel mit den einst vom Aussterben bedrohten Nilkrokodilen wieder zu erlauben. Von den Tieren soll es in Ägypten inzwischen wieder mehrere tausend Exemplare geben. Doch nach Angaben von Tierschützern sind die Schätzungen zur Zahl der Tiere, die in Oberägypten im Nasser-See leben, sehr ungenau. Bisher seien dort nur 386 Krokodile gesichtet worden. Im Nil selbst lebten gar keine Krokodile mehr.

Der Antrag Mexikos, den kontrollierten Handel mit dem Beulenkrokodil (Crocodylus moreletii) wieder zuzulassen, wurde dagegen angenommen. Nach den Konferenzregeln muss jede Resolution der 175 Vertragsstaaten mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit verabschiedet werden.

Cites

Das 1975 in Kraft getretene Cites-Abkommen ist das wichtigste internationale Instrument zum Schutz von wilden Tier- und Pflanzenarten. Die Mitgliedstaaten kommen alle drei Jahre zusammen, um über Schutzmaßnahmen zu beraten. Für den Schutz bedrohter Tier- und Pflanzenarten steht Cites jährlich ein Budget von fünf Millionen US-Dollar (3,6 Millionen Euro) zur Verfügung.

www.cites.org

(Ag./Red.)