Kleingärten: Grünes Glück in der Großstadt

Kleingärten: Bauen und Wohnen im kleinen Grün.
Kleingärten: Bauen und Wohnen im kleinen Grün.(c) FABRY Clemens
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Zur Selbstversorgung mit Gemüse dienen sie nur noch selten, heiß begehrt sind sie nach wie vor. Umso mehr, wenn man das ganze Jahr dort wohnen kann.

Dort, wo einst Obst und Gemüse gehegt und gepflegt wurden, reiht sich heute in vielen Kleingärten ein schmuckes Einfamilienhaus ans andere. Schrebergärten haben nicht nur ihr Gesicht verändert, auch ihre Bedeutung hat sich gewandelt – in vielen kann man jetzt nicht nur während der Sommermonate übernachten, sondern das ganze Jahr über wohnen.

Zumindest dann, wenn es sich um eine Kleingartenanlage mit entsprechender Widmung handelt. „Seit 1992 gibt es die Möglichkeit der EKLW-Widmung“, erklärt Marion Winkler, Leiterin der MA 69 – Immobilienmanagement. EKLW steht für „Erholungsgebiet Kleingarten für ganzjähriges Wohnen“, Voraussetzungen sind ein Kanalanschluss und eine frostsichere Trinkwasserversorgung. Rund 30 Prozent der Kleingärtner in Wien haben davon bereits Gebrauch gemacht, 2010 waren es rund 24 Prozent. „Der Trend zum Wohnen im Schrebergarten ist ungebrochen“, bestätigt Architektin Karin Triendl. Vorausgesetzt, man nennt einen der begehrten grünen Flecken im Asphalt- und Betondschungel der Großstadt sein Eigen – sei es im Eigentum oder in Pacht.

50 Quadratmeter Fläche

Wer daran denkt, seine spartanische Gartenhütte in ein komfortables Haus umzuwandeln, sollte allerdings ein paar Dinge bedenken. Wie alle Bauführungen unterliegt die Errichtung eines Kleingartenwohnhauses den jeweiligen Landesgesetzen wie Kleingartengesetz und Bauordnung. „Es empfiehlt sich, den Bau von Fachleuten nach vorheriger Beratung durchführen zu lassen“, rät Winkler. So darf die Grundfläche eines Kleingartenwohnhauses höchstens 50 Quadratmeter betragen. „Dazu kommt ein Keller mit 83 Quadratmetern“, sagt Triendl. Auch ein Stockwerk ist möglich, sofern die Höhe von fünf Metern nicht überschritten wird. 75 Prozent des Kleingartens müssen mit Rasen, Büschen oder Bäumen bestanden sein.

Angesichts dessen sei die größte Herausforderung, möglichst viel Fläche herauszuholen, sagt die Architektin. Neben kreativer Planung helfen neue Dämmstoffsysteme, „durch diese werden die Bauteile weniger dick“. Auch sonst müsse so manche Hürde genommen werden, erzählt Arpad-Zoltan Strompf, der mit seinem Unternehmen AS Haus auf die Errichtung von Kleingartenhäusern spezialisiert ist. „Das größte Problem ist für uns der Zugang zu den Parzellen.“ Je weiter im Inneren der Anlage diese gelegen seien, desto schwieriger seien sie oft zu erreichen. Sind die Wege zu schmal oder nicht belastbar genug, müssen Abbruch, Aushub und Material für den Neubau händisch transportiert werden. „Das kostet natürlich mehr“, sagt Strompf.

Auch er sieht aber eine kontinuierliche Nachfrage nach ganzjährigem Wohnen im Kleingarten. Für viele sei das angesichts der hohen Grundstückspreise in Wien die einzige Möglichkeit, im Grünen zu leben, sind beide Fachleute einig. Und galten Schrebergärten lange Zeit als Dorado der Pensionisten, zieht es nun zunehmend auch Jungfamilien dorthin. Kein Wunder: „Die Wohnqualität ist genial“, sagt Triendl.

Wissenswertes über . . . Kleingärten

Fakt 1

Zahlen. In Wien gibt es 35.845 Kleingärten mit einer Fläche von etwa 14 Millionen Quadratmetern, das entspricht 3,44 Prozent des Stadtgebietes. 4897 Parzellen (Stand 1. 1. 2018) sind Eigentum der Stadt Wien. Die Durchschnittsgröße beträgt 350 Quadratmeter. Österreichweit gibt es geschätzt 50.000 Kleingärten.

Fakt 2

Geschichte. Die ersten Kleingartenanlagen entstanden 1908 im 22. Bezirk und 1910 im Rosental an der Steinhofmauer. Die jüngste Anlage liegt im elften Bezirk und wurde im Mai 2007 übergeben. Seit 1916 gibt es den Zentralverband der Kleingärtner und Siedler, der bis heute als Interessenvertretung fungiert.

Fakt 3

Fachmesse. Bei der Wiener Kleingarten-Messe in den Blumengärten Hirschstetten, die im kommenden Jahr von 3. bis 5. Mai stattfindet, kann man sich nicht nur über Gartengestaltung informieren, sondern auch zu Themen wie Kleingartenhäuser, Energie- und Heiztechnik, Sicherheit und Finanzierung.

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