Wagen wir ein harmloses Gedankenexperiment.
Stellen wir uns vor, wie sich eine junge Studentin in einem Flugzeug kurz vor dem Start konsequent weigert, ihren Platz einzunehmen, um die Abschiebung eines Asylwerbers nach Afghanistan zu verhindern. Und zwar so lange, bis sie ihr Ziel erreicht hat und der Mann tatsächlich aus dem Flugzeug begleitet wird. Während ihrer dramatischen Protestaktion filmt sie sich mit ihrem Smartphone selbst und liefert sich dabei auch noch schlagfertig Wortgefechte mit Passagieren, die nicht ihrer Meinung sind. Andere Passagiere wiederum bekräftigten sie in ihrem Vorhaben, für ihre Zwecke eine allgemein bekannte Vorschrift zu nutzen, dass ein Flugzeug nicht abheben darf, solange ein Passagier steht.
Das Video der Studentin wird auf Facebook millionenfach angeklickt, sodass sie innerhalb weniger Tage zu dem wird, was man einen Medienstar nennt - weil sie aktionistisch die Rückführung eines Asylwerbers verhindert hat.
Und nun stellen wir uns vor, dass es sich bei dieser Person nicht um eine junge, hübsche schwedische Studentin handelt, sondern um einen jungen, männlichen, in Göteborg wohnhaften Afghanen, der mit exakt denselben Mitteln seinen, sagen wir, Cousin vor der Abschiebung bewahren will. Was wäre dann wohl passiert – zunächst in dem Flugzeug und später in den Medien?