Das gibt es noch: Pures Salzburger Mozart-Glück

Der Oboist François Leleux leitete als Einspringer eine Mozart-Matinee.

In Zeiten, in denen Musiker vom Dirigentenpult her immer wieder gezwungen werden, „verkopft“ an ihr Metier heranzugehen, feiert man Konzerte wie die jüngste Mozart-Matinee als kleine Offenbarungen: Man kann, hat man da gehört, Symphonien und Konzerte partnerschaftlich wie Kammermusik musizieren. Oft genügt ja wirklich ein Blick, und ein Spieler, der seinen sechsten Sinn für Harmonie noch halbwegs bewahrt hat, weiß, wie der folgende Takt zu artikulieren ist.

Davon macht der meisterliche Oboist François Leleux Gebrauch. Von den Festspielen ist er als Solist für das Mozart-Konzert gebucht worden. Die Absage von Andrés Orozco-Estrada machte ihn unvermittelt zum Maestro und bescherte dem begeisterten Publikum, nach einer launigen Ansage durch Festspiel-Präsidenten Rabl-Stadler, eine der hinreißendsten Mozart-Interpretationen der jüngeren Salzburger Geschichte. Leleux dirigiert nicht wie mancher Pultprofi an der Primgegenlinie entlang, sondern formt und führt auch die Mittelstimme mit sympathisch nachdrücklicher Energie.

Da fliegen die Pointen einander nur so zu, und man staunt über die reiche Vielstimmigkeit der A-Dur-Symphonie KV 201, in der es von Takt zu Takt Echos, Imitationen, Pingpongspiele zu entdecken gibt, die das Mozarteumorchester beinah so eloquent realisiert, wie Leleux seine brillanten, alle Register seines Instruments nach dynamischen Möglichkeiten auslotenden Kadenzen im spritzig absolvierten Oboenkonzert bläst.

Wenn man bedenkt, wie viel Verkrampfung sich hierzulande auch bei größeren Mozartprojekten g'lernter Kapellmeister regelmäßig einstellt . . . (sin)