Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Die wilden Ringe des Saturn

wilden inge Saturn
(c) Nasa
  • Drucken

Die Sonde Cassini, seit 1997 unterwegs, bringt Einblicke in die Welt aus Eisbrocken um den Planeten. Derzeit ist sie in der Phase „Equinox“.

Majestätische Ruhe strahlen die Bilder aus, die die Raumsonde Cassini vom Saturn schickt, den sie seit knapp sechs Jahren umrundet. Die Ruhe täuscht: In den Ringen geht es wild zu. Forscher um Linda Spilker (Nasa) schildern das aktuelle Wissen in Science (327, S,1470) unterdem Titel „An Evolving View of Saturn's Dynamic Rings“.

Die Ringe bestehen aus Brocken im Größenbereich zwischen einigen Zentimetern und einigen Metern. Dass sich diese nicht mit der Zeit zusammenklumpen und neue Monde bilden, verhindert die vergleichsweise riesige Schwerkraftwirkung des Saturn, der mit einem Durchmesser von 120.500Kilometern der zweitgrößte Planet der Sonne ist.

Monde hat er ja schon genug, 62Stück kennt man bis heute, teils in die Ringe eingebettet, sie bringen immer wieder Durcheinander in diese. „Dieses unruhige System gibt uns ein neues Gefühl dafür, wie es in einem jungen Sonnensystem zugegangen sein könnte“, sagt Spilker: Manche Prozesse im Ringsystem ähneln denen in protoplanetaren Scheiben. Zu analysieren sind die Strukturen schwer, in der Publikation steht recht allgemein, dass sie sich „einem Wechselspiel aus Flüssigkeitsdynamik und Gravitation“ verdanken. Die Vermutung, dass die charakteristischen Lücken in den Ringen durch Monde entstanden sind oder von diesen eingenommen werden, konnte nicht bestätigt werden. Rätselhaft bleibt auch die Herkunft von Objekten, die plötzlich durch einen äußeren Ring, den F-Ring, schießen.

Chemisch bestehen die Ringe hauptsächlich aus Wassereis, das in manchen Teilen des Ringsystems offenbar mit einer roten Substanz kontaminiert ist. Nahaufnahmen von der Cassini-Sonde im nahen Infrarot schließen etliche organische Verbindungen (z.B. Tholine) als Ursache aus, es bleiben Cluster von polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen oder ganz einfach Fe3+-Verbindungen (schlicht gesagt: Rost), wie sie ja auch den Mars rot färben.

Cassini hat bereits alle größeren Saturnmonde im Vorbeiflug fotografiert, sie hat ihr „primäres Missionsziel“ schon erreicht. Derzeit ist sie in der Phase „Equinox“: Sie beobachtet den Durchgang der Sonne durch die Ebene der Ringe. Ab September 2010 soll sie u.a. die jahreszeitlichen Veränderungen auf Saturn und seinen Monden ergründen. Am 15.September 2017 soll sie nach etlichen nahen Umläufen in den Saturn stürzen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.03.2010)