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Der Tag der Entscheidung für Vögele

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Es geht um die Zukunft der Textilkette Vögele.APA/ROLAND SCHLAGER
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137 Filialen der Kette Charles Vögele brauchen einen Käufer – und zwar am Dienstag. Sonst droht die Pleite. Ihr Chef hofft auf einen Retter fürs Gesamtpaket. Doch den sehen in der Branche wenige.

Wien. Die Entscheidung über die Zukunft der Modekette Charles Vögele muss am 31. Juli fallen. „Die Frage ist nur mehr, welche?“, richtete ihr Österreich-Chef, Thomas Krenn, der „Presse“ aus.

Tatsächlich geht es um die Zukunft dessen, was vom 1955 gegründeten Schweizer Textilhändler Charles Vögele noch übrig geblieben ist. Anfang Juni verkündete die Firma, die einst Geschäfte von Belgien über Deutschland bis Polen hatte, ihre Insolvenz. Der italienische Modekonzern OVS, der 2016 als Retter der angegrauten Marke angetreten war, schickte sie nach zwei erfolglosen Sanierungsjahren in die geordnete Abwicklung. 1200 Mitarbeiter wurden ohne Sozialplan gehen gelassen.

Während die letzten Schweizer Filialen geräumt werden, rätseln die 700 österreichischen Kollegen, welche Entscheidung Thomas Krenn ihnen heute präsentieren will. Hinter den Kulissen führt er seit Anfang Juni – seit bekannt wurde, dass die Mutter vor dem Aus steht – Verhandlungen mit mehreren konkreten Interessenten. Krenn gab sich bis zuletzt optimistisch, Käufer für das gesamte Filialportfolio zu finden. Konkret geht es um 137 Geschäfte mit insgesamt 1000 Mitarbeitern in den verbliebenen Märkten Österreich, Ungarn und Slowenien.

„Es steht Spitz auf Knopf – ähnlich wie bei Kika/Leiner“, erinnert Kreditschützer Gerhard Weinhofer von der Creditreform an den jüngst in letzter Minute geglückten Notverkauf der Möbelkette. Man müsse abwarten, ob der Fortbetrieb auch hier noch gesichert werden kann. Ähnlich sieht das Georg Ebner vom Kreditschutzverband (KSV) in Graz. Finde sich kein Käufer, müsse Charles Vögele einen Insolvenzantrag stellen. „Aus eigener Kraft wird er den Weiterbetrieb nicht schaffen.“ Die Zeit dränge nicht nur wegen der insolventen Mutter im Rücken, sondern auch weil die Mitarbeiter im Juni vorläufig auf ihr Urlaubsgeld verzichtet hatten. Diese gestundeten Gelder stehen im Fall des Fortbetriebs zusätzlich zu den Augustgehältern an. Interessenten gibt es genügend. Namen wie Spar, Hofer und Fussl werden kolportiert. Nur sind sie an einzelnen Standorten interessiert. Auch der Diskonthändler Action und die Modekette Miller & Monroe – beide große niederländische Unternehmen auf internationalem Wachstumskurs – sollen Interesse haben, erfuhr „Die Presse“. Sie sind schon eher nach Krenns Geschmack. Er ließ bereits in der Vorwoche wissen: Der Verkauf einzelner Standorte sei derzeit noch keine Option.

Ausverkauf im Insolvenzfall

Sollte das Insolvenzverfahren eröffnet werden, könnte der Vögele-Chef den stückweisen Ausverkauf aber nicht mehr verhindern, sagt Ebner vom KSV. Denn sobald der bestellte Masseverwalter die Verhandlungen übernehme, könnten sich die abgeblitzten Interessenten problemlos um einzelne Filialen anstellen – und würden sie wohl auch erhalten. „Dann gewinnen die Kräfte des freien Markts“, sagt Karl Mayr. Er leitet gemeinsam mit seinem Bruder das Modeunternehmen Fussl. Mayr teilt die Einschätzung, die viele in der Branche hinter vorgehaltener Hand äußern: Der Retter, der Interesse am gesamten österreichischen Filialnetz hat, ist eher nicht in Sicht.

Seine Fussl-Kette mit 155 Geschäften in Österreich und 16 weiteren in Bayern sei jedenfalls definitiv nicht dieser Retter. „Wir haben null Interesse, Vögele zu übernehmen. 90 Prozent unserer Standorte überschneiden sich.“ Sehr wohl sei er aber an rund zehn in Ostösterreich interessiert.

Das teilte man auch Krenn mit. Der Anruf dauerte zwei Minuten und war wenig erfolgreich. Also verlegte man sich auf die Vermieter der Wunschfilialen. Seit Krenn mit den potenziellen Eigentümern verhandelt, führt Mayr nun schon mit den Vermietern Gespräche. Im Insolvenzfall stehe Fussl mit Millioneninvestitionen bereit.

Und die Mitarbeiter? Werde man „sich ansehen und gegebenenfalls einstellen“. Das ist zumindest mehr, als den Schweizer Kollegen vorab versprochen wurde.
[ONQB7]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.07.2018)