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Kinderkram im Büro

Clemens Fabry

Sprechblase Nr. 250. Warum ein Projekt nicht „mein Baby“ sein sollte.

Das ist doch wunderbar: Mitarbeiter, die Freude an ihren Aufgaben haben. Kaum zu toppen ist die Freude, wenn die Aufgabe aus einer eigenen Idee resultiert. Das hört man auch. Vor allem, wenn nicht mehr von Aufgabe die Rede ist, sondern von – Achtung, Sprechblase – „meinem Baby“.

Stimmt schon: Man ist mit der Idee schwanger gegangen, hat sie ausgetragen, für sie Verantwortung übernommen und darf ihr später zusehen, wie sie wächst: #mankriegtjasovielzurück.

Man kann vor lauter Begeisterung für den Job alles vereinnahmen: Man kann das Büro als „mein Zuhause“ bezeichnen, Mitarbeiter „meine Kinder“ nennen und mit Frollegen (Freund und Kollege) „Büroehen“ schließen. Wie gesagt: Man kann, aber man muss nicht.
Nur sollte man dann, wenn man die Aufgabe oder das Projekt abgibt, das Kind auch beim Namen nennen: Es heißt Kindesweglegung.

 In den Sprechblasen spürt Michael Köttritsch, Leiter des Ressorts "Management & Karriere" in der "Presse", wöchentlich Worthülsen und Phrasen des Managersprechs auf und nach.

Die gesammelten Kolumnen finden Sie hier.

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.06.2018)